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Regional Lange Filmnacht der Comedy Company
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16:11 01.10.2018
Beherrschen die Improvisation für jedes Genre: Lars Wätzold, Stefan Graën und Michael Zalejski.
Beherrschen die Improvisation für jedes Genre: Lars Wätzold, Stefan Graën und Michael Zalejski. Quelle: PINK-CHOCOLATE Photoagentur
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Göttingen

„Niiietsch flapp flapp flapp flapp flapp“ geht die Schwingtür des Saloons als die „ausgebufften Gangster” Cowboyhut ( Lars Wätzold, Deckname: Knallerbse) und Knallerbse (Stefan Graën, Deckname: Cowboyhut) den Saloon, einen riesigen Sparstrumpf hinter sich herziehend, betreten. Sie wollen das Gold der Minenarbeiter stehlen, denn „es ist Zahltag“. Zuvor haben sie die ganze Nacht in Lillys (Michael Zalejski) Häkelladen „durchgehäkelt“, während sich Minenarbeiter Howdi (Graën) und der Sherrif (Wätzold) in Jimmys (Zalejski) Saloon zur Sperrstunde einen Whiskey nach dem nächsten runterkippen, damit Howdi nicht in Einzelhaft muss.

Der Western „Knallerbse und Cowboyhut“ erreichte das Finale der Langen Filmnacht. In diesem Format der Comedy Company ist jeder Schauspieler Regisseur eines spontan vor der Leinwand performten „Films“. Genre und Bestandteile des Films bestimmt das Publikum, Plot und Pointen entstehen in Improvisation auf der Bühne. Nach etwa zehn Minuten gibt es einen harten Schnitt, der nächste Film beginnt. Nach jeder Runde entscheidet das Publikum, welche Filme es weitersehen will. Nur der, der am Ende das Rennen macht, wird bis zum Ende gespielt.

Kreuzfahrt im Oktober

Eigentlich war ein anderes Format, das „Triater“ - eine Mischung aus Theater, Musical und Film, angekündigt gewesen. Die Änderung war die erste Improvisation des Abends, nachdem Comedy Company-Mitglied Katrin Richter kurzfristig ausgefallen war. Einen Musikfilm bekam das Publikum dennoch geboten: mit dem „Rocktoberschiff“ - einem Oktoberfest-Kreuzfahrtschiff. Pointiert gespielt waren Trinkgelage und Ehezwist der Passagiere, stimmungsvoll bereichert durch die musikalischen Einlagen Zalejskis.

Sieger des Abends war das Drama „Liebe unterm Weinberg“, zu dessen Ende die Schauspieler einiges an Absurditäten, pfiffigen Szenenwechseln und Körpereinsatz auffuhren. Graën glänzte als naive Marianne und mit „Schneckensalat“, der die Hotelgäste ruhig stimmen sollte, als der Wein unerreichbar war, weil Wätzold als Bernd Max nach einem Gedächtnisverlust den Code zum Weinkeller im Weinberg vergessen hatte.

Komik und Klischee

Die Lacher waren den Dreien sicher. Viele davon waren durch Wortwitz und skurrile Komik verdient, manche durch die Bedienung gängiger Klischees billig ersteigert. Seinen Höhepunkt fand dies in Wätzolds Darstellung eines Indianerhäuptlings (inklusive Kriegsgeheul und „Der weiße Mann hat unser Land zerstört“) und Graëns Zustimmungslaut „Huga huga“. Dass die Klischees nicht nur erfüllt, sondern leicht kritisch karikiert wurden, konnte der Szene wenig Tiefe verschaffen. Hier könnten die erfahrenen Theatersportler wagen, auf ein paar sichere Lacher zu verzichten und die einzelnen Rollen stattdessen mehr Tiefe entwickeln zu lassen.

Der nächste Auftritt der Comedy Company in Göttingen ist „Schmeckt’s? Gutes Essen mit Witz und Musik“ am Donnerstag, 18. Oktober, im Apex, Burgstraße 46 in Göttingen. Eine Benefiz-Show „Wir machen doch nur Spaß!“ zugunsten von Unicef ist für Donnerstag, 25. Oktober, in der St.-Ursula-Schule, Christian-Blank-Straße 22, Duderstadt geplant. Im Lumière, Geismarlandstraße 19 in Göttingen, ist die Gruppe wieder am Freitag, 26. Oktober, für „Die lange Filmnacht: Es kann nur einen geben“ zu Gast.

Von Katharina Meyer

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