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Regional Kindergeburtstag für Erwachsene
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14:33 30.01.2017
 Martin Sierp war mit „Hellsehen auch im Dunkeln“ im Apex. Quelle: NR
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Göttingen

„Das Programm hat keinerlei Anspruch. Ihr könnt euch heute mal so unter Niveau amüsieren.“ Diese Ansage stellt Martin Sierp seinem Programm voran – eine Mischung aus Comedy und Zauberei rund ums Thema Gedankenlesen und Hellsehen bei der es „sehr wild und chaotisch“ wird. „So ein bisschen Kindergeburtstag für Erwachsene“.

Vor allem ist es auch eine sehr entspannte Show bei der sich der Künstler selbst nicht so ernst nimmt. „Weißt du was auf diesem Zettel steht?“, lautet die erste Frage an einen Zuschauer in der ersten Reihe, „Nein“ die Antwort. Und Bingo. Auf dem Zettel, den Sierp aufklappt, steht „Nein“. Ganz einfach, unerwartet und mit einem Riesenbrüller hat Sierp sofort die Sympathien auf seiner Seite.

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Das vergnügt lachende Publikum ist bereit mitzumachen, und auf der Bühne herrscht ein munteres Kommen und Gehen an Assistenten. Bei einem Kartentrick soll ein Zuschauer in Gedanken „einen Gegenstand ans Publikum übermitteln“. Dass Sierp einen Zettel mit dem Wort „Blume“ auf dem Rücken hat, weiß der Sekundant nicht, um so lauter ist das Lachen im Saal.

Der Berliner hat aber auch Tricks anderen Kalibers auf Lager. Als Bühnenfigur Lothar der Lottokönig und sehr gekonnt mit Rainer-Calmund-Stimme kippt er drei volle Liter-Gläser in sich hinein, außerdem einiges an Wodka, den er auch einen Zuschauer probieren lässt. Das lässt ungläubig schauen, ebenso wie der Kartentrick mit Lottozahlen-Vorhersage. Reihum nennen Zuschauer Zahlen aus einem Kartenstapel, Sierp hat alle bereits auf einem Plakat aufgeschrieben.

Mit seiner jahrzehntelangen Bühnenerfahrung weiß Sierp ganz genau, was er in den Ärmel hineingibt, um es effektvoll wieder hervorzuzaubern. Seine Fertigkeiten als Magier und Mentalist, die er sich unter anderem mehr als zehn Jahre lang in der Formation „Die Zauderer“ mit Timothy Trust und Puppenspiel-Star Sascha Grammel erarbeitet hat, überraschen doch sehr.

Auch schauspielerisch überzeugt Sierp mit Wandlungsfähigkeit und viel Personal. Ob als überdrehter Showmaster, als Fürst der Finsternis, der freundliche Vampir von nebenan, der mit fisteliger Stimme verschmitzt Uralt-Witze erzählt, als Udo-Lindenberg-Parodie oder als Pinocchio, der mit seinem Luftballon-Lügendetektor für einige Verwunderung sorgt.

Die Mischung des Abends ist beachtlich und bunt. Der Comedy-Part ist vergnüglich albern. Schauspielerei und Parodien sind sehr gelungen, wobei die Einspielfilme während der Umziehpausen den Schwung leider etwas ausbremsen. Als eloquenter Magier mit viel Improvisationsgabe bringt Sierp die Zuschauer zum Staunen. Und bei der Zugabe zeigt er, dass er auch die Bauchrednerei beherrscht. Ein wunderbar entspannter Abend und viel Applaus.

Von Karola Hoffmann