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Regional DT Matinee: Darum lohnt sich ein Konzertbesuch am Vormittag
Nachrichten Kultur Regional DT Matinee: Darum lohnt sich ein Konzertbesuch am Vormittag
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15:27 09.09.2019
Bravouröse Solistin: Seayoung Kim spielt Mendelssohns Violinkonzert mit dem GSO unter Nicholas Milton. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Das Göttinger Symphonie Orchester hat eine neue Konzertreihe aufgelegt, die „DT Matinee“. Erfolgreich gestartet ist die fünf Termine umfassende Reihe am Sonntagvormittag im gut besuchten Deutschen Theater.

Eigentlich sei der Sonntagvormittag doch die beste Zeit, Musik zu genießen, so Milton in seiner freundlichen Begrüßung des Publikums, und darauf habe er die Programme ausgerichtet. Der 11-Uhr-Termin im DT hat eine alte Tradition. Die „Literarischen Morgenfeiern“ in den 1950er- und 1960er-Jahren mit dem Intendanten Heinz Hilpert waren damals Kult-Termine für die Göttinger Bürger.

Musik aus dem Norden

Musik aus dem Norden Europas umrahmte in dem von Milton dirigierten Programm das Violinkonzert e-Moll von Mendelssohn. Und in der Tat gab es eine Menge Schönes zu genießen. Dazu gehörte auch das Eröffnungsstück, der 1972 komponierte Cantus arcticus des finnischen Komponisten Einojuhanni Rautavaara.

Seine Musik ist zwar unverkennbar in der Tonsprache des 20. Jahrhunderts angesiedelt, sie hat aber schwärmerisch-romantische Untertöne und als Besonderheit über Lautsprecher eingespielte Original-Vogelstimmen aus der Arktis. Die vermischen sich mit dem besonders in den Bläserstimmen sehr farbig instrumentierten Orchester, sodass man bisweilen nicht recht unterscheiden konnte, ob die Vogeltöne von der Konserve oder von den GSO-Flötisten stammten.

Im Bad solcher Klänge schien sich die DT-Bühne in ein Meeresufer zu verwandeln, das von einem unendlichen Himmel überwölbt wurde. Dafür sorgten die GSO-Instrumentalisten mit ihrem konzentrierten, engagierten Spiel. Die Zuhörer waren sichtlich angetan von dieser Musik und spendeten begeistert Beifall.

Solistin Seayoung Kim

Doch das war nur ein Vorgeschmack auf den anschließenden Musikgenuss, das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy. Als Solistin hatte Milton eine Violinistin aus den eigenen Reihen engagiert, die Koreanerin Seayoung Kim, seit 2018 zweite Konzertmeisterin des GSO. Die Bezeichnung ihrer Stellung passt hervorragend zu dem, was sie auf der DT-Bühne präsentierte: Sie ist in der Tat eine Meisterin ihres Fachs mit großer Virtuosität, lupenreiner Intonation und wunderbar singendem, edlen Ton. Dazu ist sie ausgesprochen stilsicher.

Den romantischen Gestus dieses populären Konzerts spielte Kim voll aus, aber immer auf das rechte Maß bedacht, nirgends in Sentimentalität abgleitend. Mit lyrischer Tiefe gestaltete sie den langsamen Satz, mit bewundernswerter Schwerelosigkeit das tänzerische Finale, und auch in den schnellsten Läufen verlor sie nie die selbstverständliche Lockerheit, die ihr Spiel auszeichnet.

Milton folgte seiner Solistin mit großer Flexibilität und sorgte für ein stets ausgewogenes Lautstärkeverhältnis zwischen Solo und Tutti. Schön, wenn dafür der Dirigent und nicht ein Tonmeister zuständig ist. Nach dem bravourösen Schluss brach lautstarker Applaus los, der von Bravorufen untermischt war.

Musikalisches Meer aus Emotionen

Hochemotional klang der Vormittag aus mit der fünften Symphonie von Sibelius, die interessanterweise, obwohl romantisch in der Tonsprache, weniger zugänglich scheint als die Musik des späten 20. Jahrhunderts von Rautavaara. Mächtig türmen sich hier Steigerungen auf, pompös sind die Schlüsse, dazwischen geistern bisweilen unmotiviert wirkende tänzerische Spielfiguren der Streicher – doch man gewinnt den Eindruck, dass der Komponist hier und da das Ziel, auf das er zusteuern will, aus den Augen verliert. Nichtsdestoweniger bietet auch dieses musikalische Meer aus Emotionen manchen Genuss.

Milton hatte versprochen, die Konzerte seien auf jeden Fall vor dem Mittagessen beendet. Das hielt er bei der ersten DT-Matinee präzise ein. Vorhergesagt hatte er eine Spieldauer bis 12.55 Uhr – exakt um 12.54 Uhr ertönte der Schlussakkord der Sibelius-Symphonie: eine Punktlandung.

Die Reihe DT Matinee

Weitere Termine

Die GSO-Reihe DT Matinee wird am Sonntag, 29. September, fortgesetzt mit Werken von Prokofjew (Symphonie classique), Schostakowitsch (Cellokonzert op. 107) und Beethoven (7. Symphonie). Solistin ist Nuala McKenna (Violoncello), es dirigiert Nicholas Milton. Im kommenden Jahr sind drei weitere Termine angesetzt: am 1. März (unter anderem mit Schumanns „Rheinischer“ Symphonie), am 29. März (Solist: der Bratscher Lawrence Power) und am 3. Mai (mit Musik von Svendsen, Beethoven und Grieg). Beginn ist jeweils um 11 Uhr.

Von Michael Schäfer

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