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Regional Damit es weiterhin Konzerte gibt: Kreuzberg on KulTour startet Spendenaufruf
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17:41 07.04.2020
Ob der Verein Kreuzberg on KulTour in diesem Jahr den X-Mas Rock veranstaltet? Die Verantwortlichen hoffen es. Eine Spendenaktion soll finanzielle Hilfe bieten. Quelle: r
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Göttingen

Die Göttinger Kultur- und Musikszene leidet und der aktuellen Situation rund um das Coronavirus. So auch der Verein Kreuzberg on KulTour, der nun eine Spendenaktion ins Leben gerufen hat. „Wie allen Veranstaltern und Künstlern macht auch uns das aktuelle Veranstaltungsverbot schwer zu schaffen“, teilt der erste Vorsitzende Klaus Wissmann mit. Doch nun können Bürger für den Erhalt des musikalischen Angebots in Südniedersachsen spenden.

In den knapp elf Jahren seit seinem Bestehen hat der Verein fast 1000 Konzerte organisiert. Allein in diesem Jahr standen in Göttingen 80 Musikveranstaltungen auf dem Plan, 60 sollten in neuen Lokalitäten in ganz Südniedersachsen noch dazu kommen. Die KulTour hätte einen Aufschwung erleben sollen – „damit ist nun erstmal nichts“, sagt Wissmann. Die ganze Situation sei „unheimlich bitter“ und auch finanziell schlimm.

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Vorbereitung komplett für die Katz’

Denn schließlich habe der Verein, abgesehen von unzähligen Arbeitsstunden, die in Vorbereitung, Ausrichtung und Organisation der Konzerte gesteckt wurden, große finanzielle Auslagen gehabt. „Flyer und Plakate für ein halbes Jahr wurden bereits gedruckt, Veranstaltungen und Künstler bei der Gema und Künstlersozialkasse angemeldet, Plakatierungskosten sind angefallen“, zählt Wissmann nur einen kleinen Teil der Ausgaben auf. „Da hängt ein riesen Rattenschwanz dran.“

Kreuzberg on KulTour, benannt nach Wissmanns ehemaligem Café Kreuzberg, übernehme für die Künstler sämtliche organisatorischen Aufgaben, auch die im Vorfeld nötigen Kosten. Das Eintrittsgeld der Zuschauer gehe dann zu 100 Prozent an die Künstler, erläutert Dana Rotter, die zweite Vorsitzende. Trotz Fördermitteln der Stadt Göttingen und des Landschaftsverbandes Südniedersachsen sei es nicht leicht, als rein ehrenamtlich arbeitender Verein über die Runden zu kommen und den Musikern auch noch angemessene Gagen zu zahlen. Deshalb sei der Verein in der aktuellen Situation auf Spenden angewiesen.

Für viele geht die Situation an die Existenz

Allein in der Vorbereitung auf die diesjährige Konzertsaison habe der Verein 30 neue Locations aufgetan, und 30 Kooperationspartner überredet, bei sich Konzerte zu veranstalten. Das habe viel Überredungskunst erfordert, sagt Wissmann. In diesem Jahr waren auch Touren geplant. „Für ein Konzert kommen bekannte Musiker nicht nach Göttingen. Sind es aber drei oder gar sieben, dann geht das“, erläutert der Vorsitzende. Die Absage „vom Amts wegen war ein ordentlicher Tritt ins Kreuz“.

Auch für die Musiker seien die Einschränkungen durch das Coronavirus „eine einzige Katastrophe“, sagt Rotter. Für Newcomer sei es finanziell wohl eher zu verschmerzen, meint sie. „Ich kenne aber genug, bei denen es an die Existenz geht.“

Spenden werden in die Organisation gesteckt

Bitter seien besonders die Absagen von 50 Jahre Ton, Steine, Scherben oder – voraussichtlich – die des Herberhausen Open Air. „Wir gehen nicht davon aus, dass es stattfinden kann“, sagt Wissmann. Doch irgendwann werde es wieder los gehen – und dafür benötige der Verein Mittel. „Wir wissen noch nicht, ob die Ausfallbürgschaft der Stadt Göttingen greift. Jeder kleine Betrag hilft schon“, ergänzt Rotter. Man sei dankbar über jeden, der die Kultur unterstütze. Das Geld werde wie gewohnt für Gema-Kosten, Technik und Organisation aufgewandt. „Wir stecken uns nichts in die eigene Tasche.

„Wir hoffen, dass im Sommer oder Herbst wieder Konzerte stattfinden können. Das schlimmste Szenario wäre, wenn die Situation das ganze Jahr anhält“, sagt Rotter. Gespendet werden kann online unter www.leetchi.com oder direkt an den Verein Kreuzberg on KulTour Göttingen.

Kreuzberg on KulTour

Seit mehr als zehn Jahren veranstaltet der Verein Kreuzberg on KulTour in ganz Südniedersachsen Konzerte für regionale und überregionale Musiker, Offene Bühnen und Offene Folksessions – und das alles rein ehrenamtlich. Mit Liebe zur (Live-)Musik und viel Engagement fördert und unterstützt das Kreuzberg-Team Musiker mit Rat und Tat sowie mit versierter Betreuung bei den monatlichen Offenen Bühnen und mit der Durchführung von ersten eigenen Konzerten in vielen verschiedenen Häusern. Immer wieder werden neue Lokalitäten als Kooperationspartner für Konzerte gewonnen und oft als Spielstätten nachhaltig etabliert, um dem Spielstättensterben entgegenzuwirken. Der Verein ist dabei nicht nur in Göttingen engagiert, sondern in ganz Südniedersachsen. Durch das Selbstverständnis als „mobile Spielstätte“ bietet der Verein den Musikern für sie passende Lokalitäten, kann neue Spielstätten generieren und gleichzeitig neue Publikumskreise erschließen, um die Kultur direkt zu den Menschen zu bringen.

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Von Tobias Christ

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