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Regional Daniel Kehlmann stellt Roman „F.“ im Deutschen Theater Göttingen vor
Nachrichten Kultur Regional Daniel Kehlmann stellt Roman „F.“ im Deutschen Theater Göttingen vor
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19:09 21.10.2013
Autor und Wissenschaftler: Daniel Kehlmann (links) mit Heinrich Detering bei der Lesung im Deutschen Theater. Quelle: Heller
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Göttingen

Mit seinem Roman „F“, der im August im Rowohlt Verlag erschienen ist, ist Kehlmann zu Gast beim Göttinger Literaturherbst. Der Saal im Deutschen Theater ist ausverkauft. Bekannt ist der österreichisch-deutsche Autor vor allem für seinen Bestseller „Die Vermessung der Welt“ aus dem Jahr 2005.

Seit er den Roman über Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt geschrieben habe, könne Kehlmann in Göttingen als Heimatdichter ehrenhalber gelten, stellt Heinrich Detering, Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen, den Autor vor.

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Kehlmann unbeeindruckt von Kritik

„Es gibt ja Vorwürfe, die einen vernichten können, und Vorwürfe, die einem nicht schaden“, unterscheidet Kehlmann, als Detering das Gespräch auf die Kritik lenkt. Seit sich „Die Vermessung der Welt“ als großer, auch internationaler Erfolg herausgestellt habe, habe sich die Kritik an seinem Werk verstärkt, erzählt Kehlmann. Detering erklärt, dass in der Kritik immer wieder von fehlender metaphysischer Tiefe die Rede sei.

Ein Vorwurf, der Kehlmann anscheinend unbeeindruckt lässt. Er nehme es gelassen und sei froh, dass den Kritikern nichts Belastenderes einfalle, wiegelt der Schriftsteller unter dem wohlwollenden Gelächter des Publikums ab. Er sei zufrieden mit den Besprechungen zu „F“. Detering sieht das anders: „Ich finde, es hätte mehr gelobt werden können.“

In „F“ geht es um drei Brüder, die alle auf eine eigene Weise betrügen. In der Lesung stellt Kehlmann eine Passage vor, die den Protagonisten Martin Friedland, einer der drei Brüder, beschreibt. Martin ist katholischer Priester, glaubt aber nicht an Gott. Auch die Sünder, die verzweifelt im Beichtstuhl um Vergebung bei Gott bitten, interessieren ihn nicht sehr.

Augenkontakt mit dem Publikum

Kehlmann liest im angenehmen Erzählton. Er unterstreicht seine Geschichte mit Gesten, setzt Pausen, um die Spannung zu erhöhen, und schaut immer wieder direkt ins Publikum. Anders im Gespräch mit Detering. Eher selten sieht er seinen Gesprächspartner an, meist starrt er beim Reden auf die Tischplatte vor ihm.

Im Dialog wirkt der Autor fast schüchtern. Auch diese Kritik wird Kehlmann vermutlich nicht berühren. Muss sie auch nicht, denn sie beweist, dass sich die Größe eines Schriftstellers im Erzählen zeigt und nicht im Drum­herum.

Von Daniela Lottmann

Daniel Kehlmann: „F.“, Rowohlt Verlag, Reinbek 2013, 384 Seiten, 22,95 Euro

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