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Regional „Das Leben der Fische“ feiert Uraufführung im Deutschen Theater
Nachrichten Kultur Regional „Das Leben der Fische“ feiert Uraufführung im Deutschen Theater
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17:23 01.05.2011
Fische am Meeresgrund: Halli und Hanno philosophieren über den Fortbestand der Menschheit. Quelle: Winarsch
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Halli und Hanno langweilen sich in diesem düsteren Szenario. Und sie warten auf die Rettung der Menschheit. Das tun sie seit 1070 Jahren. Da bleibt viel Zeit zum Philosophieren und Zanken. Die Rettung kommt in Gestalt von Ida (Marie Isabel Walke). Sie schwebt hinter einem weißen Gaze-Vorhang in die Unterwelt hinab – halb tot, was nicht geht, denn sie wird für die Geschichte noch gebraucht. Die Welt aus der Ida kommt ist schnelllebiger, und ebenso unwirtlich wie die der Fische. Es ist ein Leben auf der Treppe, die das Auf und Ab der Gefühle, die Konfusion, die das Leben parat hält, symbolisiert. Nur leider versperrt das Treppengeländer den Zuschauern zuweilen die Sicht auf die Akteure.

Haratischwili ist Schriftstellerin und erzählt gern lebensnahe Geschichten. So eine Geschichte, in der es um Liebe und Tod geht, erzählt die Georgierin, die in dieser Spielzeit als Hausautorin für das DT arbeitet, im zweiten Teil ihres Stücks, das sie als Auftragsarbeit für das Deutsche Theater geschrieben hat. Eine Geschichhte in der Geschichte.

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Goldfischen ist es egal, ob sie in einer Plastiktüte oder im Ozean schwimmen. Sie haben kein Gedächtnis, können nur im Moment sein. Sie schwimmen also immer wieder gegen die Wand, und es ist ihnen egal. Ida, die das erzählt, lebt mit ihrem drogenkranken Freund Ary (Karl Miller) zusammen und spioniert gegen Geld die verflossene Liebe von Dana (auch Angelika Fornell) aus. Emmanuel (Andreas Jessing) ist Schriftsteller und will von Dana nichts mehr wissen, interessiert sich aber um so mehr für Ida. Die passt nur optisch in die Welt des gutsituierten Bildungsbürgertums. Sie trägt Matrosenkleidchen und brave blonde Locken, spricht aber eine knallharte Sprache. „Fäkalisch“, wie Ary es nennt.

Haratischwili hat das Stück mit Gegensätzen und Überraschungseffekten ausgestattet. Auch musikalisch. Karl Millers Playback zu Nick Caves „Little Water Song“ ist amüsant, ebenso Angelika Fornell bei ihrer Live-Playback-Version von „The Boulevard of Broken Dreams“. Genauso unvermittelt und faszinierend wie das Stück begonnen hat, endet es auch. Die Fische tauchen nocheinmal kurz auf und sind dann wieder weg - 1070 Jahre.

Wieder am 6., 17., 20., und 26. Mai und am 9., 17. und 21 Juni jeweils um 19.45 Uhr. Kartentelefon: 0551/ 496911.

Von Eida Koheil