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Regional Das Musical „Mangelware“ demnächst in der Musa
Nachrichten Kultur Regional Das Musical „Mangelware“ demnächst in der Musa
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17:17 13.06.2013
Voll in ihren Rollen: Verkäuferin Kaah (Monika Giro) und der Obdachlose Tom (Florian Linthe).
Voll in ihren Rollen: Verkäuferin Kaah (Monika Giro) und der Obdachlose Tom (Florian Linthe). Quelle: Vetter
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Göttingen

Dabei stammt er eigentlich aus der Ukraine, aber das sagt er lieber nicht. Er soll nämlich schuld an der Atomkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl sein. Da soll sie ihn lieber für einen Russen halten.

Ausgrenzung, Entwurzelung und Fremdsein

In dem Einkaufsmusical „Mangelware“, das vom Kulturzentrum Musa und der Weststadtkonferenz Göttingen organisiert wird, geht es um Ausgrenzung, Entwurzelung und Fremdsein, aber auch um Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe. An dem Musical arbeiten 50 Menschen in neun verschiedenen Gruppen mit. Schauspieler, Musiker und Bühnenbildner engagieren sich in dem offenen Projekt, das nicht zwischen Schulabschluss, Kultur, Religion oder Alter der Beteiligten unterscheidet.

Herr Kasparow fühlt sich nicht fremd in Deutschland. „Ich wusste gar nicht, dass sie Russe sind“, spricht ihn eine Mitarbeiterin des Ladens an, in dem das Stück spielt. Er entgegnet: „Das ist schon so lange her.“ Nicht jeder vergisst seine Wurzeln. Frau Zirzis (Sigrid Dörnte) ist Griechin und wegen der Liebe nach Deutschland gekommen. Eigentlich würde sie gerne wieder zurückgehen, aber ihre Familie möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben.

Aus dem Leben in einer multikulturellen Gesellschaft

Das Stück aus der Feder der Göttinger Autorin Lia A. Eastwood die auch Regie führte zeigt Ausschnitte aus dem Leben in einer multikulturellen Gesellschaft. Dort trifft die fremdenfeindliche Rentnerin auf eine türkische Familie, oder auf den unglücklich verliebten Punker Struppe (Julian Sporleder), dessen Angebetete von seinem Äußeren abgeschreckt wird. Er wäre bereit etwas daran zu ändern, aber würde lieber so angenommen werden, wie er ist.

Zeitlichkeit im Vordergrund

Durch eine Datumsanzeige auf der Bühne rückt Eastwood die Zeitlichkeit in den Vordergrund. Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, wiederholen sich in der Gegenwart. Müssen sie aber nicht. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft kann gelingen, wenn sich alle beteiligen und niemand ausgegrenzt wird. Das Musicalprojekt selbst ist der Beweis.

Premiere ist am Sonntag, 16. Juni um 20 Uhr in der Musa, Hagenweg 2a. Weitere Vorstellungen: Am Freitag, 21., und Sonnabend, 22. Juni. Ein Gastspiel im Jungen Theater ist für Donnerstag, 20. Juni, angesetzt. Karten gibt es unter der Telefonnummer 05 51 / 6 43 53 erhältlich. Alle Vorstellungen beginnen um 20 Uhr.

Von Daniela Lottmann