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Regional Das bringt die neue Spielzeit 2019/2020
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17:34 09.05.2019
Das Programm der neuen Spielzeit 2019/20 wurde im Deutschen Theater vorgestellt. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Krieg, Gender-Diskussion, Fragen zur Humanität und ihrem Verlust, die Europäische Union und menschliches Zusammenleben – das sind einige der aktuellen Themen, die das Deutsche Theater in der kommenden Spielzeit auf seine Bühnen bringen will. Einige dieser Diskussionen schlummern in den Klassikern der Weltliteratur, andere finden sich in Stücken der Gegenwart. Zu den 21 geplanten Premieren wird es 2019/2020 23 Wiederaufnahmen auf den drei Bühnen des Hauses geben.

Mit dem Stück „Vögel“ von Wajdi Mouawad startet das DT am 21. September im großen Saal in die Spielzeit. Die Liebesgeschichte zwischen einem deutschen Juden und einer arabischstämmigen Amerikanerin beginnt als moderne Version von William Shakespeares „Romeo und Julia“, die sich sehr schnell um den Nahostkonflikt drehe und zur „griechischen Tragödie über alle Konflikte dieser Welt“ werde, beschrieb DT-Intendant Erich Sidler am Donnerstag bei der Präsentation des neuen Programms.

Intendant Erich Sidler Quelle: Christina Hinzmann / GT

Shakespeare selbst bringt das Team um Sidler dann mit „Was ihr wollt“ am 12. Oktober direkt auf die Bühne. Mit dem Stück, so Sidler, habe Shakespeare mit dem Spiel mit Geschlechterrollen vor mehr als 400 Jahren bereits die heute aktuelle Genderfrage – den Gegensatz von biologischen Geschlecht und Geschlechteridentität – vorweggenommen.

Chefdramaturg Matthias Heid Quelle: Christina Hinzmann / GT

 

Ein weiterer Komödienklassiker im Programm wird Molières „Der eingebildete Kranke“ (22. Februar) sein. Als Romanadaption ist zudem Robert Menasses „Die Hauptstadt“ (18. April) geplant. Matthias Heid, Chefdramaturg, kündigte damit einen „guten Blick in das Innenleben der Europäischen Union“ an, der die dortigen Schwachstellen bloßlege.

Spiel mit Klischees

Mit „Geteilt“ (30. November) von Maria Milisavljevic und „Bombe!“ (13. März) von Abdul Abbasi und Philipp Löhle sind in der kommenden Saison zwei Uraufführungen geplant. Während „Geteilt“ sich mit Vergewaltigung, Rachegelüsten und weiteren Abgründen, die sich danach auftun, beschäftigt, spiele „Bombe!“, so Sidler, mit Klischees rund um das Thema Flüchtlinge. Darin verliebt sich ein syrischer Flüchtling in eine Mitarbeiterin vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Jascha Fendel Quelle: Christina Hinzmann / GT

Die „kleinste menschliche Gemeinschaft, der Familie“, so Dramaturg Jascha Fendel, steht im Mittelpunkt der Stücke „Tom auf dem Lande“ (12. Juni), „Gewalt und Leidenschaft“ (31. Januar) und „Szenen einer Ehe“ (2. Mai). Mit den beiden letztgenannten bringt das DT Filmstoffe von Visconti und Bergmann auf die Bühne.

Gemeinschaft und Konflikt

Darum, wie menschliche Gemeinschaften überhaupt entstehen und wie sich daraus Konflikte entwickeln, zeige exemplarisch William Goldings Klassiker „Der Herr der Fliegen“ (28. März), erklärte Sonja Bachmann, Leiterin für das Programm Kinder- und Jugendtheater am DT. Das Stück richte sich an Jugendliche ab 13 Jahren.

Sonja Bachmann Quelle: Christina Hinzmann / GT

 

Ebenfalls an Jugendliche richtet sich Goethes „Riesenklopper“, so Bachmann, „Iphegenie auf Tauris“ (19. September). „Ein tolles Stück über Humanismus“, das Fragen zum Verhältnis von Humanität zu Gesetzen stelle. Nach Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende in der laufenden Spielzeit bringt das DT die Fortsetzung „Jim Knopf und die wilde 13“ (17. November) auf die Bühne. Die Rolle des Jim Knopf übernimmt wieder der aus Burundi stammende Flüchtling Marshall Rugano. Auch ein Teil der Kulisse werde wieder genutzt, sagte Bachmann: „Lummerland ist noch erhalten.“

Waits und Woyzeck

Zwei Musikstücke hat das DT im neuen Programm, mit denen das „tolle Musikensemble“ in den Mittelpunkt gerückt werden soll, erklärte Dramaturgin Verena von Waldow. Georg Büchners Fragment „Woyzeck“ (7. Dezember) hat Tom Waits zu Songs inspiriert, die „Blicke ins Seelenleben“ der Protagonisten erlaubten, so Von Waldow. „Cabaret“ (20. Juni) entführt dann in die 1920er-Jahre.

Verena von Waldow Quelle: Christina Hinzmann / GT

„Wir können nicht immer nur die Welt verändern, wir wollen auch miteinander feiern“, sagte Sidler. Er kündigte an, das Haus weiter zu öffnen und die „Schwelle“ zu senken. Diese Öffnung, die sich das DT auf die Fahnen geschrieben habe, schreite gut voran. Das Theater soll auch Ort für Feiern und Diskussionen sein. Andere Veranstalter wie die Göttinger Händel-Festspiele, nutzen das Haus schon länger für Konzerte. Auch die Musikreihe „Fremde Kulturen“ und die Verleihung des Satire-Preises „Göttinger Elch“ finden im DT statt. Einmal im Monat können Interessierte zudem einen Blick hinter die Kulissen werfen und sich durch Werkstätten und Proberäume führen lassen.

Das neue Spielzeitbuch Quelle: Christina Hinzmann / GT

Rache im Fridtjof-Nansen-Haus

Schon vor dem eigentlichen Start in die Spielzeit bringt das DT das Stück „Philoktet“ von Heiner Müller auf die Bühne. Allerdings nicht im angestammten Haus am Theaterplatz. Am 24. August soll das Fridtjof-Nansen-Haus in der Merkelstraße zur Insel Lemnos zur Zeit Odysseus werden. In Müllers Stück gehe es um Rache, um die Wiederholung von Geschichte, dem Fluch der Wiederholung von Geschichte und dem Sieg einer strategischen Lüge über die Menschlichkeit, erläutert Dramaturgin Von Waldow.

Das Deutsche Theater wurde 1890 gebaut. Es ist das größte Schauspielhaus in Göttingen, bespielt werden drei Bühnen. Nach Angaben der Theaterpädagogin Gabriele Michel-Frei gibt es derzeit Kooperationen mit 35 Schulen. Bei ausgewählten Produktionen werde Schulklassen, die eine Aufführung besuchen wollten, eine ausführliche Einführung angeboten.

Das komplette Programm gibt es hier.

Von Michael Brakemeier / EPD

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