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10:32 22.08.2018
Adam Driver als Flip (l.) und John David Washington als Polizist Ron Stallworth in dem Film "BlacKkKLansman".
Adam Driver als Flip (l.) und John David Washington als Polizist Ron Stallworth in dem Film "BlacKkKLansman". Quelle: epd
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Göttingen

Als Spike Lee das erste Mal von dieser verrückten Geschichte hörte, fragte er zweifelnd zurück: „Stimmt das wirklich?“ Es ist ja auch schwer zu glauben, was da vor rund 40 Jahren in Colorado geschehen war: Ein schwarzer Polizist unterwanderte in den Siebzigerjahren den Ku-Klux-Klan (KKK), war sogar schon für höhere Aufgaben innerhalb der Organisation vorgesehen und brachte letztlich einige rassistische Rechtsextremisten zur Strecke.

Diese Steilvorlage konnte sich der auf seine älteren Tage gelegentlich verbiesterte Spike Lee selbstverständlich nicht entgehen lassen – und hat in „Blackkklansman“, trotz des harten Themas, tatsächlich seinen Humor wiedergefunden: Das Ergebnis ist eine Komödie mit Agitprop-Grundierung, die sich an den damaligen Dumpfbacken in Colorado weidet, aber die Rechten von heute meint.

Der Schoß ist fruchtbar noch: Spike Lee („Malcolm X“) zieht Parallelen bis zu den Extremisten-Aufmärschen von Charlottesville im Vorjahr und lässt auch den verhassten Präsidenten Donald Trump zu Wort kommen, der sich nicht von den Rechten distanzieren mochte. Im Film bremst Lee seinen Zorn nach einem furiosen Intro mit Alec Baldwin als rechtem Hassprediger – und einigen kurzen Ausschnitten aus dem Kinoklassiker „Vom Winde verweht“, in denen der rassistische Nationalismus im Hollywood-Mainstream offenkundig wird.

John David Washington, Sohn von Denzel, spielt den cleveren Detective Ron Stallworth. Es ist Washingtons erste Hauptrolle in einem Kinofilm und nach dieser locker-lässigen Vorstellung gewiss nicht seine letzte. Sein Stallworth stößt auf eine Zeitungsanzeige, in der der Ku-Klux-Klan um Mitglieder wirbt. Aus einer Laune heraus ruft der Polizist zurück, benutzt am Telefon möglichst oft das Wort „Nigger“ und wird geradezu begeistert aufgenommen. Bei den KKK-Treffen kann er sich selbstredend nicht blicken lassen. So schickt er seinen weißen Kollegen Flip Zimmerman (Adam Driver) los – weshalb „Blakkklansman“ nebenbei auch zu einer Buddy-Komödie wird. In Cannes hatte die Komödie Premiere und dort zeigte sich Lee mit seiner Leistung ausgesprochen zufrieden: „Ich weiß nicht, was die Kritiker sagen werden, aber wir sind auf der richtigen Seite der Geschichte“, so der Regisseur. Die Jury belehnte ihn mit dem Großen Jury-Preis.

Irgendwann nimmt Lee dann seinen eigentlichen Gegner ins Visier, baut aufs Aktuelle gemünzte Zitate wie „America First“ ein oder lässt ein KKK-Mitglied die Eroberung des Weißen Hauses ankündigen.

Als Held Stallworth die Hohlköpfe zur Strecke gebracht hat, blendet Lee unverhofft in die Gegenwart: Wir sehen, wie 2017 der Todesfahrer von Charlottesville mit dem Auto in die Menschen rast. Die junge Frau Heather Heyer starb bei dieser Attacke. Ihr hat Spike Lee seinen Film gewidmet.

„Blackkklansman“, Regie: Spike Lee, mit John David Washington, Adam Driver, Alec Baldwin, 128 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

„Isle of Dogs“: Vorsicht, Schnauzenfieber!

„Isle of Dogs“ erzählt die Geschichte von Atari Kobayashi, dem zwölfjährigen Pflegesohn des korrupten Bürgermeisters von Megasaki City. Als durch einen Regierungserlass alle Hunde der Stadt auf eine riesige Mülldeponie verbannt werden, macht sich Atari allein auf den Weg nach Trash Island auf der Suche nach seinem Bodyguard-Hund Spots. Dort freundet er sich mit einem Rudel Mischlingshunde an und bricht mit ihrer Hilfe zu einer epischen Reise auf, die das Schicksal und die Zukunft der ganzen Präfektur entscheiden wird.

Eine ausführliche Filmkritik gibt es hier.

„Isle of Dogs“ (OmU und DF), Regie: Wes Anderson, 101 Minuten, FSK 6, Lumière Göttingen

So ist die wahre Liebe – „Call Me by Your Name“

Norditalien 1983: Familie Perlman verbringt den Sommer in ihrer mondänen Villa. Elio, der 17 Jahre alte Sohn, liest Bücher, hört klassische Musik und flirtet mit Marzia. Sein Vater, ein emeritierter Professor, beschäftigt sich mit antiken Statuen. Für den Sommer hat sich der auf griechische und römische Kulturgeschichte spezialisierte Archäologe mit Oliver einen Gast ins Haus geholt, der ihm bei seiner Arbeit helfen soll. Der attraktive Besucher wirbelt die Gefühle des pubertierenden Elio völlig durcheinander. Und Elio merkt, dass er noch viel über das Leben und die Liebe lernen muss.

Eine ausführliche Filmkritik gibt es hier.

„Call Me by Your Name“, Regie: Luca Guadagnino, 132 Minuten, FSK 12, Open Air-Kino am Brauweg

„Die Verlegerin“: Die Wahrheit braucht Mutige

Die wahre Geschichte der Pentagon-Papers. Katharine Graham muss nach dem Tod ihres Mannes die Posten als Chefin der renommierten „Washington Post“ und als Vorstandsvorsitzende des Verlages übernehmen. Dies ist in der von Männern dominierten Welt keine leichte Aufgabe. Schon bald bekommt sie die volle Last der Aufgabe zu spüren: „Post“-Chefredakteur Ben Bradlee und der Reporter Ben Bagdikian bekommen Dokumente mit brisanten Informationen über Amerikas Rolle im Vietnam-Krieg angeboten. Die beiden Vollblutjournalisten wollen die Informationen um jeden Preis veröffentlichen. Katharine Graham fürchtet die Konsequenzen. Ihre Position als Verlegerin, amerikanische Patriotin und Geschäftsfrau bringt sie in ein moralisches Dilemma. Sie muss sich entscheiden.

Eine ausführliche Filmkritik gibt es hier.

„Die Verlegerin“, Regie: Steven Spielberg, 115 Minuten, FSK 6, Open Air-Kino am Brauweg

„The Shape of Water“: Die Putzfrau und das Biest

Die stumme Elsa ist Putzfrau im versteckten Hochsicherheitslabor der Regierung – dort ist sie gefangen in einem Leben der Stille und Isolation. Doch ihr Leben ändert sich für immer, als sie und ihre Kollegin Zelda ein als geheim eingestuftes Experiment entdecken. Sie freundet sich mit dem mysteriösen Fischwesen an, das dort in einem Tank gefangen gehalten wird. Ihre Gefühle für die Kreatur werden immer intensiver und zusammen mit ihrem Nachbarn Giles fasst sie schließlich den Entschluss, den Amphibienmann aus den Händen der Regierung zu befreien - allerdings steht die Liebe unter keinem guten Stern, denn nun wird das Paar gnadenlos vom Militär und dem Laborleiter Strickland gejagt, die das außergewöhnliche Geschöpf und seine heilenden Kräfte bei einem Kriegsausbruch gegen die Sowjets einsetzen wollen.

Eine ausführliche Filmkritik gibt es hier.

„The Shape of Water“, Regie: Guillermo Del Toro, 123 Minuten, FSK 16, Open Air-Kino am Brauweg

Von Stefan Stosch/r

Regional Fotoausstellung im GDA-Wohnstift - Niedersachsens schönste Alleen
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