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11:41 18.12.2019
Star Wars: Episode IX - The Rise of Skywalker: Letzter Teil der dritten „Star Wars“-Trilogie, in dem der epische Kampf zwischen der Ersten Ordnung und den Rebellen seinen Höhepunkt erreicht. Quelle: Walt Disney
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Göttingen

Das Ende ist da: Mit „Star Wars IX – Der Aufstieg Skywalkers“ schließt die Science-Fiction-Saga um Luke, Leia und Co. Die Erwartungshaltung bei den Fans ist groß, größer als bei den anderen Filmen, die am Donnerstag anlaufen. Das sind „The Peanut Butter Falcon“, eine Geschichte über eine Männerfreundschaft mit Shia LaBeouf, die französische Liebesgeschichte „Einsam Zweisam“ und die Komödie „Last Christmas“.

Die Saga endet – oder doch nicht?

„Wir sind mehr!“: Das ist die Botschaft von „Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“. Gemeinschaftlich kann das Gemeine, Niedertracht und Hass Säende, das mit Gewalt Herrschende niedergerungen werden. Angesichts der aus dem Nichts auftauchenden Armada der Republik ist ein imperialer Offizier an Bord eines Sternenzerstörers fassungslos: „Das ist kein Militär“, stammelt er, „Das ist das Volk!“

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Der neueste Trailer:

Man hatte den in „Episode VI“ gestorbenen Imperator schon im Trailer gesehen – Palpatine lebt. Ein Rebellenoffizier mutmaßt, er habe sich einst geklont. Er hängt an Kabeln, ist aber voll bösester Energie. Kylo Ren (Adam Driver), der zerrissene Darth-Vader-Enkel, findet mit einem (von nur zwei im Universum existierenden) Sith-Wegweisern zu ihm – reist in eine Art interstellares Darknet, wo das Imperium seine fürchterliche Urständ vorbereitet. Wie in „Iron Sky“ haben die Space-Faschos hinterm Mond überlebt, und eine Flotte ihrer keilförmigen Riesenschiffe hängen im Wartestand, jedes einzelne mit Planetenkillerwaffen bestückt. Todessterne sind nun endlich out.

Kylo Ren wird vom Imperator verpflichtet, die Rebellin Rey (Daisy Ridley) zu töten, durch deren kraftvolle Ausprägung der Jedikräfte dieser seine bösen Pläne gefährdet sieht. „Töte das Mädchen! Beende die Jedi!“ Rey ihrerseits fahndet nach dem zweiten Sith-Kompass, um Palpatine den Garaus zu machen. Die Spannung ergibt sich aus der Faszination der beiden Antagonisten Kylo und Rey füreinander, die sich auf die jeweils andere Seite der Macht ziehen wollen. Und deren Lichtschwertergefechte zeitgleich an zwei Orten stattfinden können, was die stärksten visuellen Effekte des Films abwirft.

„Episode IX“ bietet noch einmal alles, was Fans lieben

Ansonsten gibt es alles, was „Star Wars“-Fans lieben: Biblische Motive, märchenhafte Momente, Verfolgungsjagden mit und ohne Millenniumfalken, viele fremde Lebewesen, all die vertrauten Gesichter (samt Carrie Fisher, von der noch Szenen verwendbar waren), das ganze galaktische Brimborium bis zu einem Über­showdown, das diese seit 1977 aus 1001er Quelle gespeiste Filmreihe zu Hollywoods bedeutendstem Franchise machte.

Joonas Suotamo als Chewbacca (von links), Oscar Isaac als Poe Dameron, Daisy Ridley als Rey und John Boyega als Finn in einer Szenze des Films „Star Wars IX – Der Aufstieg Skywalkers“ Quelle: Lucasfilm Ltd. & TM./Walt Disney

Die Effektspezialisten haben hervorragende Arbeit geleistet. Die Geschichtenerzähler dagegen reißen immer wieder Logiklöcher, durch die man Brote werfen könnte. Aber – wie sagte der weise Yoda im Vorgängerfilm „Die letzten Jedi“ zu Rey: „Der größte Lehrer Versagen ist.“ Und die Autoren sind schon besser geworden seit der„Episode VII: Das Erwachen der Macht“, die wirkte, als habe man Teile der ersten Trilogie geklont.

Auch für ikonische Helden halten Happy Ends nicht ewig

Was den dritten „Star Wars“-Dreiteiler auszeichnet, ist nicht so sehr das Spektakuläre, sondern das Tragische. Selbst die ikonischsten Figuren erfuhren nach dem Happy End von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) Schicksalsschläge, mussten erleben, was auf dem Planeten ihrer Zuschauer jeder kennt: Dass es keine Happy Ends gibt, nach denen alles in bester Balance bleibt bis zum Lebensende. Auch ihre Welt drehte sich weiter: Die Ehe von Leia und Han Solo scheiterte, der einzige Sohn geriet so weit auf die schiefe Bahn, dass er den Elternmord als einzige Möglichkeit der Befreiung sah. Und Luke Skywalker endete als verbitterter Eremit.

Man stellt sich vor, wie viele einsame Jahre für diesen einst strahlenden Sternenspazierer auf seiner Robinsoninsel ins Land gingen. Han und Chewbacca immerhin hielten am Glück ihrer Männerfreundschaft fest.

Star Wars“ ist ein massentaugliches Antifa-Märchen

Star Wars IX“ ist erneut mehr Fantasy als Science-fiction, die Handlung ist wild, wirr und straight zugleich, eine Odyssee mit einem Schuss Mystik – denn tot ist nichts und niemand niemals in dieser wundersamen George-Lucas-Galaxis, weit, weit weg. Aber bei all seinen Schwächen ist „Star Wars“, und war es schon immer, das beste, weil massentauglichste Antifa-Märchen, das für Groß und Klein zu haben ist. Wirksamer denn je ist diese 42 Jahre alte prodemokratische Geschichte in unseren Zeiten, die von Spaltung und Trennung, politischer Dummheit und Verblendung nur so überborden.

Am Ende von „Episode IX“ steht zwar ein versöhnliches „Alles wird gut“, zugleich aber auch das große „aber“: Es wird nicht von allein so und muss immer wieder neu errungen werden. „Wir sind mehr“, das Wort, mit dem die Rebellen sich Mut noch in verfahrensten Lagen machen, ist das Wort, das von den Leinwänden in unsere Galaxis hineinhallt. Man hört es derzeit oft bei Demonstrationen gegen rechts.

War’s das? J. J. Abrams hält sich ein Hintertürchen offen

Das war’s? Vielleicht. Allem Ende wohnt auch hier ein Anfang inne, Regisseur J. J. Abrams, der nach einmal Aussetzen auf den Regiestuhl zurückgekehrt ist, hält sich ein Hintertürchen offen. Der Himmelfahrt der Skywalkers, die dem letzten Stück der Ennealogie (so heißen Neunteiler) folgt, schließt sich eine Epiphanie und die Auferstehung des Skywalkerschen Geists an. Jemand mit Herz und Haltung gibt sich einen neuen Namen – gemäß den Worten, die Master Luke in der Filmmitte zu Rey sagt, als diese sich erschöpft und entsetzt über ihre Herkunft in das Einsiedlerleben zurückziehen will: „Manche Dinge sind stärker als Blut!“

Star Wars Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers“, Regie: J. J. Abrams, mit Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Ian McDiarmid, Länge 141 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Neue Schauburg Northeim, Movietown Eichsfeld, Schiller Lichtspiele Hann. Münden, Kinowelt Herzberg, ab 18. Dezember.

Männerfreundschaft als Abenteuerfilm: „The Peanut Butter Falcon“

Zack Gottsagen (l) als Zak und Shia LaBeouf als Tyler in einer Szene des Films „The Peanut Butter Falcon". Quelle: Tobis Film

Zak ist in einem Altenheim untergebracht, obwohl er erst 22 ist. Irgendwie hat sich kein anderer Platz gefunden für den jungen Mann mit Downsyndrom, der einen Traum hat: Er will nach Florida und dort bei seinem Idol „Salt Water Redneck“ in die Wrestlingschule gehen. Nach einem Ausbüxversuch landet er auf dem Boot des Krabbenfischers Tyler, der von zwei nicht ganz zu Unrecht auf ihn wütenden Kollegen verfolgt wird.

Wie’s weitergeht, ist unschwer zu erraten. „The Peanut Butter Falcon“ ist ein Buddy-Roadmovie, bei dem ein ungleiches Männerpaar freundschaftliche Bande knüpft. Gut, dass die mangelnde Originalität durch die stimmige Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern mehr als nur wettgemacht wird.

Zachary Gottsagen als Zak und Shia LaBeouf als Tyler entwickeln während ihrer an Mark Twains „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ erinnernden Flussfahrt wunderbare Momente humorvoller Spontaneität. Für „50 Shades of Grey“-Beauty Dakota Johnson als Zaks einfühlsame Betreuerin Eleanor bleibt bei dieser Männerfreundschaft kaum was zu tun.

„The Peanut Butter Falcon“, Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz, mit Zachary Gottsagen, Shia LaBeouf, 93 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, ab 19. Dezember.

„Einsam Zweisam“ in Paris

Paris, die „Stadt der Liebe“ – ein Mythos, der von der Tourismusbranche gepflegt wird. Doch auch in der französischen Metropole sind mehr als die Hälfte der Wohnungen mit Singlehaushalten belegt. In „Einsam Zweisam“ begleitet Cédric Klapisch zwei alleinstehende junge Menschen durch ihren Alltag. Mit „Barcelona für ein Jahr“ (2002) hatte sich der Regisseur dem Lotterleben in einer Studenten-WG gewidmet, dieser Film wirkt wie das passgenaue Gegenstück.

Die Hauptfiguren Mélanie (Ana Girardot) und Rémy (François Civil) sind Anfang 30 – ein Alter, in dem die beruflichen Anforderungen steigen. Dass Mélanie ihre Forschungsergebnisse dem Vorstand des Pharmaunternehmens präsentieren soll, stürzt sie in Versagensängste. Rémy arbeitet im Lager eines Versandhandels, in dem bald Roboter durch die Gänge fahren sollen. Als er bei einer Panikattacke zusammenbricht, rät ihm der Arzt, „jemanden“ aufzusuchen. Er begibt sich wie auch Ana in psychotherapeutische Behandlung.

Porträt mit Parallelmontage

Klapisch inszeniert sein Doppelporträt als stetige Parallelmontage. Ana und Rémy leben beide im 18. Arrondissement. Sie laufen täglich aneinander vorbei, ohne sich wahrzunehmen.

Ana Girardot als Melanie in einer Szene des Films „Einsam Zweisam". Quelle: StudioCanal

In einem entspannten Erzählfluss verbindet der Regisseur die beiden Unbekannten miteinander. Er erzählt eine Vor-Liebesgeschichte, in der das Verlieben erst nach dem Abspann stattfinden wird. Das Konzept könnte konstruiert wirken, würde Klapisch das urbane Leben seiner vereinsamten Figuren nicht mit so viel einfühlsamer Genauigkeit einfangen.

„Einsam Zweisam“, Regie: Cédric Klapisch, mit Ana Girardot, François Civil, 110 Minuten, FSK 6, Cinemaxx Göttingen, ab 19. Dezember.

Eine romantische Weihnachtskomödie: „Last Christmas“

Kate (Emilia Clarke) läuft mal wieder ziellos durch London und denkt über all die falschen Entscheidungen nach, die sie in ihrem Leben getroffen hat. Dass jeder ihre Schritte von einem Klingeln begleitet wird, hat mit einer dieser schlechten Entscheidungen zu tun: Sie hat zuletzt als Elf in einem rund ums Jahr geöffneten Weihnachtsladen gearbeitet und trägt noch die Glöckchenschuhe.

Doch als sie mit Tom (Henry Golding) zusammenstößt, ändert sich vieles. Obwohl die so oft enttäuschte Kate sich einen Schutzpanzer zugelegt hat, sieht er die Person dahinter. Und während das Weihnachtsfest näher rückt und sich London unter all der Deko und dem ersten Schnee verwandelt, entwickelt sich eine Romanze, die eigentlich nicht sein dürfte.

„Last Christmas“, Regie: Paul Feig, mit Emilia Clarke, Henry Golding, Emma Thompson, 101 Minuten, FSK 0, Neue Schauburg Northeim, Movietown Eichsfeld, Cinemaxx Göttingen, Kinowelt Herzberg, ab 18. Dezember.

Von Matthias Halbig, Jörg Brandes, Martin Schwickert und Tobias Christ