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Regional „Der Cyberdirigent“: Musikkomödianten mit Göttinger Symphonie-Orchester
Nachrichten Kultur Regional „Der Cyberdirigent“: Musikkomödianten mit Göttinger Symphonie-Orchester
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18:18 16.06.2013
Sehr unterhaltsam: Aleksey Igudesman mit Schlips und Fernsteuerung und Dirigent Sebastian Gürtler.
Sehr unterhaltsam: Aleksey Igudesman mit Schlips und Fernsteuerung und Dirigent Sebastian Gürtler. Quelle: Heller
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Göttingen

Was sich am Sonnabend auf dem Podium der Göttinger Stadthalle abspielte, war etwas anderes als ein Symphoniekonzert. Denn dazu gehört wohl kaum eine Kurzoper für einen Erzähler, einen Sänger und eine Geige oder eine tanzende Flötistin oder ein sportlicher Kampf zwischen Streichern und Bläsern mit einem am Ende verzweifelnden Schiedsrichter.

Folge von Überraschungen

„Der Cyberdirigent“ heißt das Programm, das die beiden Musik-Komödianten Aleksey Igudesman und Sebastian Gürtler entwickelt haben und nun mit dem GSO live auf die Bühne brachten. Die erste Nummer dieser einfallsreichen, vielfältigen Folge von Überraschungen, für die es immer wieder spontane Lachausbrüche und Szenenapplaus gab, stellt diesen automatisierten Dirigenten und sein gleichfalls automatisiertes Orchester vor. Man kann sie mittels Fernbedienung steuern, stummschalten, beschleunigen, man hat Rücklauf, eine Pausen- und Stopptaste und Umschaltmöglichkeiten für Tonart und Tongeschlecht. Das funktioniert verblüffend gut – nicht zuletzt dank der Präzision der GSO-Musiker, die sich an diesem Abend sehr bereitwillig fernsteuern lassen.

Sehr komisch: das Fußballspiel, in dem die Musiker die sonst bedeckt gehaltenen Eifersüchte zwischen Streicher- und Bläserfraktion endlich einmal lautstark ausleben und ihre Begeisterungsfähigkeit mit La Ola dokumentieren. Gewonnen hat am Ende keiner, der Zweikampf zwischen Horn und Kontrabass – mit einem wunderbar pathetisch in Zeitlupe stürzenden Laszlo Balogh – wurde einfach nicht entschieden. Schließlich sollte man sich ja im weiteren Programm auch wieder vertragen.

Wiener-Lieder-Parodien

Das taten sie auch prima, etwa in den Begleitungen zu den beiden Wiener-Lieder-Parodien von Igudesman und Gürtler, die beinahe echter klangen als die Originale, in der perfekten „Horror Movie“-Musik mit ihren rabenschwarzen Klangfarben oder im fünften ungarischen Tanz von Brahms mit den schmalztriefenden Soloviolin-Einlagen von Igudesman und Gürtler. Auch ohne Orchester ist das Duo musikalisch und darstellerisch brillant, vor allem in der Kurzoper „Romeo und Julia“, angelegt als Fehde zwischen den beiden italienischen Pasta-Dynastien Barilla und De Cecco, die – Erleichterung! – im Gegensatz zu Shakespeare aber gut ausgeht. Wie Gürtler dabei als Einzelperson gleich ein ganzes Terzett singt und sich dazu auf der Violine begleitet, macht ihm wohl schnell niemand nach.

Am Ende gab es tosenden Applaus, Zugaben über Zugaben – und den ausdrücklichen Hinweis von Igudesman ans Publikum: „Es ist Ihr Orchester, meine Damen und Herren.“ Aber, so viel Dank muss auch umgekehrt ausgesprochen werden, es waren Igudesman und Gürtler, die diese sonst verborgenen Qualitäten des Orchesters herausgelockt haben.

Von Michael Schäfer

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