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Regional Georg Christoph Lebemännchen
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00:17 02.03.2017
Von Peter Krüger-Lenz
Zwerg Heise Quelle: r
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Göttingen

Lichtenberg, am 1. Juli 1742 in Ober-Rammstadt geboren und am 24. Februar 1799 in Göttingen gestorben, war kleinwüchsig und von einem mächtigen Buckel gezeichnet. Ein prägender Makel, der auch Autor Schanz offensichtlich nachhaltig beeindruckte. Sein Stück ist nicht in Akte oder Kapitel gegliedert, es wird durch Buckel strukturiert. Jeder Buckel befasst sich mit einer anderen Facette aus dem Leben Lichtenbergs. So präsentiert er ihn als Forscher, als Frauenheld, als Kranker, als Familienvater, als Gastwissenschaftler in England und auch als trinkfreudigen Weinliebhaber und „Lebemännchen“, wie es in der Inszenierung heißt. Ein Crashkurs in Sachen Lichtenberg.

Wie eine Vorlesung, die er in seinem Wohnhaus, Gotmarstraße 1, gehalten hat, ist der Abend gestaltet. Eine lange Tafel steht längst im Theatersaal, auch für das Bühnenbild zeichnet Schanz verantwortlich. Hier ist das sechsköpfige JT-Ensemble unterwegs. Vier Kinder Lichtenbergs werden hier geboren, Blitze eingefangen, ein großer Wetterballon steigt unter die Decke des Hauses. Lichtenberg gerät in schwere See, stehend auf einem umgedrehten Tisch, den die Kollegen mächtig ins Schwanken bringen.

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Karten reservieren

Die Inszenierung „Der größte Zwerg“ von Peter Schanz läuft im Jungen Theater, Hospitalstraße 6. Weitere Vorstellungen sind für den 2., 10., 18. und 29. März sowie den 29. April, 17. Mai, 9. und 30. Juni, 1. Juli angesetzt. Karten können unter Telefon 0551/ 495015 an der JT-Kasse reserviert werden. Sie ist montags bis sonnabends von 11 bis 14 Uhr, freitags und sonnabends auch von 17 bis 20 Uhr und immer eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

Jeder der Schauspieler ist für einen Buckel zuständig, jeder darf mal Lichtenberg sein. Ein umgeschnallter Buckel, eine weiße Perücke und eine Jacke kennzeichnen den jeweiligen Spielführer. Das bringt Tempo und Leben ins Spiel. Wenig mehr als 100 Minuten dauert der Parforce-Ritt und vermittelt doch einen Eindruck von dem, was das Leben dieses Mannes geprägt hat.

Die sechs Schauspieler Linda Elsner, Agnes Giese, Franziska Lather Jan Reinartz, Peter Christoph Scholz und Karsten Zinser treten diesmal sehr geschlossen auf. Sie unterstützen und befeuern sich gegenseitig. Mit viel Spaß gehen sie zur Sache, und das Publikum sitzt ganz dicht dran an diesem Spektakel, für das es am Ende ausgiebigen Applaus gab.

Auch Klaus Hübner, Geschäftsführer der Göttinger Lichtenberggesellschaft, hatte die Uraufführung verfolgt. Im Anschluss bescheinigte er der Produktion, gut geeignet zu sein für jemanden, der beginnt, sich mit Lichtenberg zu beschäftigen. Und beim Rausgehen nach der Vorstellung mag der eine oder andere einen begehrlichen Blick auf die umschnallbaren Buckelkissen geworfen haben – vielleicht eine Idee für das Stadtmarketing: der Göttingen-Rucksack im lichtenbergschen Buckeldesign.