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Regional Austausch über die Kunst des Puppenspiels
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12:39 27.08.2018
Mutiger werden: Alice Therese Gottschalk und Mervyn Millar lehren und gestalten Puppenspiel. Quelle: Böhm
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Northeim

Organisiert wird die Figurentheater Konferenz gemeinsam vom Theater der Nacht, der Unima (Union Internationale de la Marionnette) und dem Verband deutscher Puppenspieler. Die Konferenz startete mit einem Symposium bevor in verschiedenen Workshops Themen wie das „Genähte Gesicht“, „Den Moment finden“ oder „Objects and Ghosts“ erarbeitet werden.

Thema des Symposiums war in diesem Jahr „Die menschliche Vorstellungskraft – Puppenspiel und Neurologie“. „Wir wollten wissen, wie wirkt Figurentheater, warum wirkt es“, erzählte Alice Therese Gottschalk vom Vorstand der Unima. Er beobachte sein Publikum oft bei den Vorstellungen, erzählt Mervyn Millar, britischer Puppendesigner und -regisseur, da er ja nicht selbst spiele, habe er dazu genug Zeit. Immer falle ihm dabei auf, wie intensiv die Zuschauer teilnehmen. „Sie beugen sich beispielsweise meist vor zur Bühne.“

Eigene Wirklichkeit erschaffen

In zwei Vorträgen haben der Neurologe Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primaten Zentrums und Professor für Kognitive Neurowissenschaften und Biopsychologie an der Universität Göttingen und der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther den Figurentheatermachern vieles bestätigt, was sie intuitiv wussten, so Gottschalk. Figurentheater werde vom Zuschauer tatsächlich intensiver genutzt als klassisches Theater oder Film. In unserer Gesellschaft zerfalle momentan vieles in kleinste Teilchen, so habe Hüther in seinem Vortrag erklärt. Der Zuschauer im Figurentheater erhalte die Möglichkeit, eine Welt zusammenzusetzen. Denn der Mensch brauche nur wenige Anhaltspunkte, um sich eine eigene Wirklichkeit zu schaffen. Angedeutete Bewegungen oder Körperformen beispielsweise.

„Figuren lassen mehr Raum“, so Gottschalk. Raum für eigene Fantasie, Gedanken, Erinnerungen. Der Mensch sei belegt. Eine Figur oder Puppe sei dagegen abstrakt. Im Figurentheater entstehe eine Gemeinschaft der aktiv mitmachenden Zuschauer, auch wenn sich jeder etwas anderes vorstelle.

Avatare werden als unheimlich empfunden

Figuren müssten gar nicht lebensecht sein, im Gegenteil, Studien zeigen, dass Avatare als unheimlich empfunden werden. Puppenspieler könnten sich verlassen auf bestimmte Muster der Erkennung, habe Treue beispielsweise ausgeführt. Das sollte die Figurentheatermacher bewegen, mutiger zu sein, so Millar, der genauso wie Gottschalk Puppenspieler unterrichtet. Nur zu machen, was nötig ist, die Magie komme vom Publikum.

Abschluss mit Nacht der Puppen

Die Figurentheater Konferenz schließt mit einer Veranstaltung fürs Publikum. In der „Nacht der Puppen“ zeigen die Figurenspieler am Sonnabend, 1. September, kleine Inszenierungen, die in den Workshops entstanden sind. Sie versprechen „Überraschungen aus der Welt des Puppenspiels, Musik mit Blech+Schwefel und eine stärkende Suppe“. Karten gibt es unter der Telefonnummer 05551/ 1414, per Kontaktformular unter theater-der-nacht.de oder im Theater-Cafe, Obere Straße 1, in Northeim freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Von Christiane Böhm

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