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Regional Drama im Fridtjof-Nansen-Haus
Nachrichten Kultur Regional Drama im Fridtjof-Nansen-Haus
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19:45 12.07.2019
Das Ensemble probt im Fridtjof-Nansen-Haus: Carsten Hentrich, Moritz Schulze und Andreas Jeßing (von links). Quelle: R
Göttingen

Das Feuer lodert in dem großen Kamin, davor stand der Flügel. Zahlreiche klassische Konzerte haben hier in gediegener Atmosphäre stattgefunden, organisiert vom Goethe-Institut, das Jahrzehnte im Fridtjof-Nansen-Haus residierte und dort ausländischen Studenten Deutsch beibrachte und Deutschlehrer aus der ganzen Welt fortbildeten. Jetzt liegen Knochen und Vogelschwingen zwischen allerlei Unrat vor der Feuerstelle in dem ehemals herrschaftlichen Saal. Hier haust Philoktet.

Schlangenbiss am Fuß

Auf der Fahrt zum Krieg gegen Troja ließ sich der Kämpfer als Opfer an die Götter von einer Schlange beißen. Die Wunde am Fuß schwärte. Der Gestank und die Schmerzensschreie Philoktets schwächten die Moral der Truppen, Heerführer Odysseus setzte ihn auf der einsamen Insel Lemnos aus. Er ließ ihn zum Sterben zurück.

Im zehnten Kriegsjahr, der Kampf um Troja dauert an, erinnert sich Odysseus an Philoktet. Mithilfe seines Bogens will er den Krieg gewinnen. Mit dem jungen Idealisten Neoptolemos kehrt er auf die Insel zurück. Der Sohn des Achilleus soll Philoktet zur Rückkehr in die griechischen Truppen überreden, im Zweifel auch mit Lügen. Doch Philoktet sinnt auf Rache. In einen Krieg will er ziehen, doch in seinen ganz persönlichen. In den Krieg gegen Odysseus.

Ausschließlich am Tisch geprobt

Beim ersten Lesen habe er den Text nicht verstanden, gesteht Regisseur Perrig. Drei Wochen hätten sie mit den Schauspielern ausschließlich am Tisch geprobt. Doch inzwischen ist er überzeugt, dass der große Dramatiker Müller einen Text für das gesprochene Wort verfasste, also einen, der auf der Bühne verstanden wird. Und er ist davon überzeugt, dass Müller große Themen verhandelt, Fragen nach Gesellschaft, nach Männlichkeit, nach Konflikten und vieles mehr. Wird er sich in seiner Inszenierung auf wenige Aspekte konzentrieren? Nein, sagt Perrig, er wohl die ganze Breite des Stücks.

Zwei Schauspieler wirken in dieser Produktion mit, die das Deutsche Theater (DT) gerade verlassen haben: Moritz Schulze als Neoptolemos und Andreas Jeßing als Philoktet. Schultze lebt inzwischen in Berlin und arbeitet als freier Schauspieler. Bei einem Regisseur, mit der er in Göttingen zusammengearbeitet hat, habe er sich als Ausstatter einer Produktion versucht, heißt es. Andreas Jeßing habe nicht mehr als Schauspieler arbeiten wollen, war aus Kreisen des Theaters über seinen Weggang zu hören gewesen. Er habe Abstand gebraucht, sagt Jeßing. DT-Intendant Erich Sidler habe ihm versichert, dass er zu ihm kommen könne, wenn er arbeiten wolle. Inzwischen will er wieder. Neben seinem Engagement bei „Philoktet“ bereite er gerade einen Wilhelm-Busch-Abend vor, mit dem er über die Dörfer ziehen wolle. Der dritte Akteur, Carsten Hentrich, spielt Odysseus. Er arbeitet zum ersten Mal am DT in Göttingen. In Hildesheim zählte er zum Ensemble des Theaters Mahagoni und gründete später mit Kollegen das freie Theater fensterzurstadt und zählt dort zur künstlerischen Leitung.

Morbide Atmosphäre

Alle Gesprächspartner an diesem Abend sind sich einig, dass das Fridtjof-Nansen-Haus ein großartiger Ort für die „Philoktet“-Inszenierung ist. Sie schwärmen von der leicht morbiden Atmosphäre in dem sichtlich verlassen Gebäude mit der großen Vergangenheit. Von den Fassaden blicken steinerne Drachen und ähnliche Figuren herab. An drei Seiten der imposanten Halle, den Hauptspielort, hat das Produktionsteam die Stühle für das Publikum aufgestellt. Weniger als 50 Plätze sind bislang vorgesehen.

Premiere ist am 24. August um 20 Uhr im Fridtjof-Nansen-Haus, Merkelstraße 4 in Göttingen. Anschließend wird es bis zum 22. September nahezu täglich gespielt. Karten gibt es während der Sommerpause ausschließlich online unter dt-goettingen.de.

Von Peter Krüger-Lenz

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