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Regional Erich Sidler inszeniert „Warten auf Godot“
Nachrichten Kultur Regional Erich Sidler inszeniert „Warten auf Godot“
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18:00 30.10.2019
Intendant Erich Sidler führt Regie. Quelle: Peter Krüger-Lenz
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Göttingen

Die Mäntel der beiden Männer sind in die Jahre gekommen. Der Stoff ist abgewetzt, hier und da sind Löcher zu sehen. Im Hintergrund zieht sich eine Allee durch eine Landschaft. Estragon und Wladimir heißt die beiden, die ihre Tage hier verbringen und auf Godot warten. Wer das ist, und warum sie auf ihn warten, wissen sie nicht. Sie warten halt.

Flucht vor den Nationalsozialisten

Samuel Beckett schrieb das Stück Ende der 1940er-Jahre. Vor dem Krieg lebte er in Berlin. Vor den Nationalsozialisten floh er nach Frankreich und wird dort Juden getroffen haben, die sich in den nicht besetzten Teil in Frankreichs Süden geflohen waren. Viele Hinweise in dem Text deuteten darauf hin, dass es sich bei Estragon und Wladimir um Juden handeln könnte, die auf ihre Schlepper warten, der sie über die Alpen führen soll, sagt Sidler. „Aber das Stück ist viel zu stark, als sich an so einer Idee festzuhalten. Es geht um mehr.

Beckett habe diesen Klassiker des Absurden Theaters unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs, von Hiroshima und Auschwitz geschrieben, erklärt Sidler. Er habe die Frage danach gestellt, wo Gott in dieser Welt geblieben sei. Vielleicht aber sei das Leben ja eine Ansammlung von Zufällen,erläutert Sidler seine Sicht auf das Stück. Was bedeute dies an Verantwortung für den Menschen? Und was würde es für das Menschsein bedeuten, wenn das Leben mit dem Tod auf ewig vorbei ist?

Große Qualität des Wartens

Das Stück sei „ein großes Manifest für das Warten“, sagt Sidler. Beckett habe die große Qualität des Wartens untersucht. „Wir warten ständig“, und dieses Warten schaffe ein Vakuum, in denen Gedanken entstehen, die sonst nicht gedacht würden. Und das Warten sei ein Zustand, der zum Menschsein dazugehöre.

Warten auf Godot“ sein ein „maßgebendes Stück für das 20. Jahrhundert, aber auch für die Theatergeschichte“, meint Sidler. „Zwei Menschen warten – und verhandeln den Kosmos.“ Beckett habe „eine Partitur geschrieben, da stimmt jedes Detail.“ Das Werk sei „stärker als jede Regieidee“. „Warten auf Godot“ hat Sidler zuvor noch nicht auf die Bühne gebracht. „Die Auseinandersetzung mit dem Stück ist ein großes Geschenk.“

Grübeln über Selbstmord

Paul Wenning und Gerd Zinck spielen Estragon und Wladimir, zwei erfahrene Mitglieder im Ensemble des Theaters. Sie streiten und vertragen sich. Schon lange leben sie so zusammen und denken doch immer wieder darüber nach, sich zu trennen – nur um die Idee jedesmal schnell wieder zu verwerfen. Sie grübeln über Selbstmord, über die schwierigen Füße des einen und den Knoblauchgeruch des anderen. Sie warten schon länger auf Godot, der nicht kommt.

Statt seiner tauchen der Landbesitzer Pozzo und sein Diener Lucky auf. Pozzo wird sehr herrisch und laut von Bastian Dulisch gespielt, der neu im Ensemble ist. Lucky (Roman Majewski) geht tief gebeugt und trägt eine Schlinge um den Hals, an der Pozzo immer wieder reißt. Lucky kann laut Denkens und würdigt in einer atemlosen Rede Gott und die Welt herab. „Zwar gibt es für Vladimir und Estragon keinen Beweis für die Sinnhaftigkeit ihrer Existenz, aber in ihrem Warten manifestiert sich ein Rest von Hoffnung, diese doch noch erfahren zu können“, teilt das Regieteam mit. Sidler fragt schließlich ein wenig herausfordernd: „Wenn Gott mich beobachtet, würde er mich einen Diesel fahrenlassen?“

Weitere Vorstellungen und Tickets

Die Premiere der Produktion am Sonnabend, 2. November, im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, beginnt um 19.45 Uhr. Die nächsten Vorstellungen sind für den 11., 22. und 30. November, sowie am 6. und 27. Dezember geplant. Sie beginnen immer um 19.45 Uhr. Karten gibt es an der Theaterkasse unter der Telefonnummer 0551/4969300.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Von Peter Krüger-Lenz

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