Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Moritz Beichl ist neuer Hausregisseur
Nachrichten Kultur Regional Moritz Beichl ist neuer Hausregisseur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:31 30.09.2019
Der Österreicher Moritz Beichl ist neuer Hausregisseur am Deutschen Theater Göttingen. Quelle: R
Anzeige
Göttingen

Drei Produktionen hat Moritz Beichl im Deutschen Theater Göttingen bereits auf die Bühne gebracht. Zwei weitere kommen 2019 noch dazu. Jetzt hat ihn die DT-Intendanz zum Hausregisseur ernannt.

Beichl sieht beim Treffen im DT-Bistro ein wenig abgespannt aus. Das Haar, das er zu Premieren gerne offen trägt, hat er zu einem langen Zopf geflochten. Er inszeniert gerade Shakespeares „Was ihr wollt“, eine große Produktion, die am Sonnabend, 12. Oktober, Premiere im Großen Haus hat. „Man hat immer was zu tun bis zur Premiere. Man ist müde, aber ich liebe das auch.“ 70 bis 80 Stunden in der Woche arbeitet er dann. „Aber es gibt auch andere Phasen, in denen man eher recherchiert und liest“, sagt der 27-Jährige.

Akzentfreies Hochdeutsch

Der Österreicher Beichl ist in einem kleinen Dorf bei St. Pölden aufgewachsen, eine Stunde von Wien entfernt. Anders als die meisten seiner Landsleute spricht er akzentfreies Hochdeutsch. Seine Eltern waren Apotheker, die auch mit den Kindern ohne Färbung gesprochen hätten, sagt Beichl. Kein Dialekt also? „Ich habe es nie gelernt“, sagt Beichl und fügt an: „Ich bin ein sprachlicher Cocktail.“ Er mische Hochdeutsch mit österreichischen Begriffen.

Auf ein katholisches Privat-Gymnasium ist er gegangen. „Das war schrecklich für mich.“ Nach dem Abitur dann der Umzug nach Wien, das Coming-Out. „Mit 18 hat sich viel verändert für mich.“

Sehr gefragte junge Regisseure ausgebildet

Mit 19 ging Beichl an die Junge Burg, ein semiprofessionelles Ensemble am Burgtheater, das auch bei den großen Produktionen mitwirkt. Regisseur habe er damals schon werden wollen, aber er habe erleben wollen, „wie das auf der Bühne ist“.

Sein Schauspielregie-Studium absolvierte der an der Theaterakademie Hamburg, die in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe sehr gefragter junger Regisseure ausbildete. Hat er sich genau diese Akademie ausgesucht? „Ich wusste, was ich nicht wollte“, erklärt Beichl. Wien und Berlin sollten es nicht sein. „Zu verstaubt“, meint er.

Zu Festivals eingeladen

Eine seiner Produktionen während der Studienzeit, „kleinstadtnovelle“, wurde zu einer ganzen Reihe von Festivals eingeladen. DT-Intendant Erich Sidler und DT-Dramaturgin Sonja Bachmann hätten die Produktion auf unterschiedlichen Festivals erlebt, berichtet Beichl – und ihm unabhängig voneinander Jobs gegeben. Wurden auch andere Häuser auf ihn aufmerksam? „Ich habe gut zutun.“ Der an sich schwierige Übergang vom Studium in die Arbeitswelt sei bei ihm gut gelaufen.

Neben dem DT inszenierte Beichl bereits Thalia Theater Hamburg, am Schauspielhaus in der Hansestadt, am Theater Konstanz dem Theater Bremen und auf Kampnagel. Als DT-Hausregisseur wird er künftig zwei Produktionen jährlich auf die DT-Bühne bringen, ein bis zwei Inszenierungen an anderen Häusern kann er darüber hinaus bewältigen, sagt der junge Mann.

Alles außer Boulevard

Die Frage danach, was er gerne noch inszenieren möchte, löst einen ganzen Schwall an Möglichkeiten aus. Derzeit sei er eher bei den Klassikern zu Hause, sagt Beichl. Feministisches und queeres Potenzial wolle er ausloten. Und: „Shakespeare ist der Größte.“ Ibsen steht auf seiner Liste und antike Stoffe. Zeitgenössische Stücke will er auch weiterhin bearbeiten, etwas von Elfriede Jelinek beispielsweise. Uraufführung sollen dabei sein, und Kinder- und Jugendtheater auch. Dann also andersherum: Was will er denn nicht machen? Beichl: „Boulevard interessiert mich eher nicht. Da wäre ich auch nicht der Richtige.“

Mehr zu Beichls Inszenierungen am Deutschen Theater Göttingen:

„Lazarus“

„Die bitteren Tränen der Petra von Kant“

„Ein Känguru wie du“

Wie eine Ehe

„Das DT und ich, wir mögen uns“, sagt Moritz Beichl, der neue Hausregisseur am Deutschen Theater (DT) Göttingen. Das Ensemble soll ihn auch mögen, wird erzählt. Es ist interessant, einen jungen Regisseur zu fördern, erklärt DT-Intendant Erich Sidler. Er wolle Verbindungen schaffen, die prosperieren. „Wer ist interessant, wen möchte man mit dem Haus verbinden?“ „Ein Känguru wie Du“ und „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ hatte Beichl bereits am DT inszeniert, „da war es mit bereits klar“, sagt Sidler. Dann inszenierte der junge Regisseur noch „Lazarus“, das David-Bowie-Musical, ein großer Erfolg. Einen Vertrag gibt es nicht, sagt Beichl. Zwei Stücke pro Spielzeit soll er inszenieren. Vor ihm ist Sidler schon mit Antje Thoms eine solche Absprache eingegangen. Sie war die erste DT-Hausregisseurin. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, „einen anderen ästhetischen und erzählerischen Akzent zu setzen“, erläutert Sidler. „Moritz ergänzt das sehr gut.“ Auch Beichl ist begeistert. „Das heißt, das wir eine engere Verbindung haben – wie ein Eheversprechen.“ Und: Ich möchte mit dem Haus einen Weg gehen.“

Von Peter Krüger-Lenz

Regional Konzert in der Musa: Bluesrocker Henrik Freischlader gibt Konzert in der Musa „Unsere Musik hat Persönlichkeit“

Henrik Freischlader ist einer der bekanntesten deutschen Bluesrocker. Anfang Oktober gibt er mit seiner Band ein Konzert in der musa.

30.09.2019

Bei der 17. Göttinger Gitarrennacht, die von Peter Funk eröffnet wurde, waren Jule Malischke und Susan und Martin Weinert dabei.

29.09.2019

Sechs junge Frauen aus Göttingen und Umgebung wollen das neue Gänseliesel werden. Die Wahl steigt am heutigen Sonntag (29. September) ab 18.30 Uhr in der Innenstadt. Schon ab 11 Uhr gibt es drumherum ein umfangreiches Programm.

29.09.2019