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Regional „Deutschland. Ein Wintermärchen“ feiert am 11. Oktober Premiere im Jungen Theater
Nachrichten Kultur Regional „Deutschland. Ein Wintermärchen“ feiert am 11. Oktober Premiere im Jungen Theater
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20:00 01.10.2019
Katharina Brehl und Jan Reinartz sind ab dem 11. Oktober in Tobias Sosinkas Inszenierung von „Deutschland. Ein Wintermärchen“ zu sehen. Quelle: Jochen Quast
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Göttingen

Mit Heinrich HeinesDeutschland. Ein Wintermärchen“ bringt Tobias Sosinka einen Klassiker auf die Bühne des Jungen Theaters. In einem Pressegespräch am Dienstag erklärte er, was den satirischen Reisebericht Heines auszeichnet und weshalb das Versepos von ungebrochener Aktualität ist.

„Heine beschäftigt mich schon lange“, erzählt Sosinka. Der Dichter habe ihm im Alter von 15 oder 16 Jahren einen Zugang zu Lyrik ermöglicht. „Da verstand ich plötzlich Gedichte.“ Für ihn sei Heine einer der ganz Großen, der nur „scheinbar ganz leichtfüßig daher kommt“. Den einfachen Ton des Dichters hätten einige Kritiker wie Karl Kraus als Zeichen inhaltlicher Einfachheit missgedeutet.

Abgedankter Fabelkönig der Romantik

Heine sei ein Ausgestoßener gewesen, der sich selbst als letzten abgedankten Fabelkönig der Romantik bezeichnete. Gleichzeitig aber habe er diese als reaktionäre, rückwärtsgewandte Strömung verunglimpft, die deutschtümelnde Nationalisten hervorbrachte. Der Dichter greife den Klang der Sprache und die Bilderwelt der Romantik auf, um sie im nächsten Moment zu diskreditieren. „Alle zwei Strophen dreht er es um und zeigt: Es ist alles Quatsch“, sagt Sosinka. Diese Dialektik spiegele Heines Ambivalenz zwischen Liebe zum Vaterland und Hass auf die Zustände wider, die den Dichter quält. Er hat Sehnsucht nach der Heimat, in der er sich gleichzeitig doch nie wirklich ganz zu Hause gefühlt hat. „Mit diesen beiden Bällen jongliert er durch ganz „Deutschland. Ein Wintermärchen“, sagt Sosinka.

Szenische Passagen

Das Versepos, das „eigentlich ein großer Monolog“ sei, habe er im Kern so gelassen. Dazu kämen Passagen aus anderen Texten Heines, in denen er manches „einfach klarer auf den Punkt bringt“, sagt Sosinka. Dennoch gebe es „viele szenisch geschriebene Passagen“ in „dialogischer Form“, mit denen er habe arbeiten können. In der Inszenierung trifft derjenige, der von seinen Reisen erzählt (Jan Reinartz), einer Frau (Katharina Brehl) wieder, die vor seinem Weggang irgendwie „eine Rolle gespielt haben muss“. Es sei wie bei der Begegnung mit einer alten Liebe, wo die Jahre der Trennung mit viel Sehnsucht verbunden waren, dann aber sehr schnell klar werde, warum man sich getrennt hatte.

Brehl schlüpft während des Stücks in mehrere Rollen. Eine „seltsame Figur“ („Ich bin die Tat deiner Gedanken“), eine Schattengestalt tauche immer wieder auf, quasi wie jemand, „der die Gedanken überprüft“ und der wie „ein ausführendes Organ“ gemäß dem Motto „Pass auf, was du denkst“ handelt.

Premiere am 13. Oktober

Vor 175 Jahren habe Heine eine politische „Weichenstellung“ erlebt, wie sie heute in ganz ähnlicher Form zu finden sei. Damals hätten sich zwei Strömungen entwickelt: Die eine, die einem liberalen Frankreich nacheiferte, das sich in zwei Revolutionen gerade Freiheiten wie die Pressefreiheit erkämpft hatte, und die andere, die einen starken Wunsch nach einem Nationalstaat und einen Hass gegen alles Fremde vor sich hertrug. Blicke man nach heute nach Europa, wo Parteien mit nationalistischen und populistischen Tendenzen mittlerweile 30 Prozent der Stimmen auf sich vereinigten, zeige sich, dass Heine damals „einen Konflikt beschreibt, der heute noch virulent ist und nicht gelöst wurde“. Auch in Deutschland werde die Politik um Koalitionen mit Parteien wie der AfD irgendwann nicht mehr herumkommen. Für Sosinka ein Zeichen: „Das passiert wieder.“

Deutschland. Ein Wintermärchen feiert am 11. Oktober um 20 Uhr Premiere im Jungen Theater, Bürgerstraße 15. Weitere Aufführungstermine, jeweils um 20 Uhr: 16. und 26. Oktober, 2., 8., 15., und 21. November sowie 18. und 30. Dezember. Karten sind unter 0551/495015 oder kasse@junges-theater.de erhältlich.

Von Nora Garben

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