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Regional Dichter aus der Region präsentieren ihre Werke im Göttinger Apex
Nachrichten Kultur Regional Dichter aus der Region präsentieren ihre Werke im Göttinger Apex
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19:38 12.09.2014
Autoren auf der Apex-Bühne: Regina Hilsberg, Freimund Pankow, Nikolaus Kahlen, Roland Tammer, Michael Kleiner und Kerstin Riechel (von links). Quelle: Pförtner
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Göttingen

Die Dichtergruppe Lyrik 37 stellt ihren lyrischen Vortragsabend unter das Motto „Dichtung von der Leine“. Von der Leine heißt aus der Umgebung, denn alle Autoren stammen aus Göttingen oder den umliegenden Ortschaften. Von der Leine heißt hier aber auch, dass Geschichten zwischen Beschaulichkeit und Bedrohung erzählt werden. Der Abend ist wie beides: ein spielender Hund, ein knurrender Hund.

Der Saal im Apex ist gut gefüllt, als Nikolaus Kahlen den Lyrikabend einläutet: „Die meisten der Lyrik 37 Autoren lesen heute das erste Mal vor Publikum.“ Ihre Gedichte haben die Autoren zu Themenblöcken zusammengefasst, was sich als großer Gewinn herausstellt. Texte beleuchten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven und reagieren aufeinander.

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So preist Michael Kleiner in „Ins Körbchen“ die Schönheit der weiblichen Brust, während Kahlen sich mit seinem Text „Bildschön“ über den grassierenden Schönheitswahn auslässt. „Das Denkgut im Gehirn bleibt rar / da kann man nichts kaschieren“, lauten seine Schlussverse.

Mit ihren Texten zu Jahreszeiten, Alter und Liebe kommen auch klassische Lyrikthemen auf das Tableau; manchmal sogar mit einem kleinen Kniff. „Im Kongo“ heißt ein Gedicht von Kleiner, das ein blühendes Landschaftsbild entwirft. „Hier ist im Juni, Juli alles zugewachsen: / Der Kongo liegt in dieser Zeit in Niedersachsen“, lautet der Schluss.

Auch weniger häufige Themen

Doch die Autoren wagen sich auch an weniger häufige Themen. So beschäftigt sich Kerstin Riechel, die ihre Gedichte stets an der Gitarre vertont, mit dem schwarzen Humor. „Galgenhumor / ist ein schwarzer Tumor / denn wir lachen über Sachen / die uns noch kaputter machen / als wir sind“, heißt es im Refrain.

Einen anderen Ansatz verfolgt Regina Hilsberg. Sie nimmt ein abstraktes Gemälde zum Anlass, um selbst mit Worten der Abstraktion nachzuspüren: „Es schnagelt grün der Frogel, / der hinterm Quesel glitzt. / O maukel nicht, du Pfründler, / wenn dich der Kogel bitzt!“

Die Texte von Freimund Pankow wirken dagegen bedeutungsschwer und tiefgründig. Sein Stück „Tierversuche“ beschreibt einen Jungen, der aus purer Lust einen Vögel tötet. Mit dem Text „Today, the 24th of July 2005“ entwirft Roland Tammer eine ungereimte Verscollage: „Alle lächeln wie verblödet, alles ist möglich. / Die Eier, Tomaten, Milch – alles billig, / Aber immer noch gibt es Krebs. Muss das sein?“, heißt eine Strophe. Sein Gedicht birgt Rätsel, entwirft aber zugleich offen eine bedrückende Atmosphäre.

Die Gedichte des Abends sind eine gelungene Mischung, die  Komik und Nachdenkliches bietet. Dabei behält jeder Autor seinen eigenen Stil. Dem Publikum hat es hörbar gefallen. Am Ende gibt es langen Applaus für die Dichter von der Leine.

Von Daniela Lottmann