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Regional Die Alternative in Wurst und Fleisch
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19:43 06.09.2009
Sie spielen immer noch: die Torfrock-Gründungsmitglieder Raymond Voß (links) und Klaus Büchner in Gladebeck.
Sie spielen immer noch: die Torfrock-Gründungsmitglieder Raymond Voß (links) und Klaus Büchner in Gladebeck. Quelle: Heller
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In der Dunkelheit führt der falsche Weg zu Heinz Steckels Birkenhoffest direkt über Heinz Steckels Birkenhof – einen Bauernhof in Gladebeck. Es geht vorbei an Gänsen und Schweinen, es riecht nach Tierdung. Schlagerstar Rosanna Rocci, die perfekt gestylt in der frisch eröffneten Reithalle auftritt, passt insofern gar nicht so recht zur ländlichen Umgebung. Zusammen mit der Gruppe Torfrock gehört sie zum prominenten Geschütz, das Steckel auffährt.

Noch im vergangenen Jahr landete der Landwirt einen Überraschungserfolg: Schlagersängerin Helene Fischer lockte rund 1500 Zuhörer auf den Birkenhof. Bei der diesjährigen Auflage sind es weit weniger: 600 Besucher benötigt Steckel, um Kostendeckung zu erreichen, aber selbst die werden voraussichtlich weit verfehlt – enttäuschend. Steckel führt die starke Konkurrenz auf dem Eichsfeld-Festival mit Nena und Peter Maffay als Erklärung an. Der mit 24 Euro im Vergleich zum vergangenen Jahr doppelt so teure Eintritt dürfte sein übriges getan haben.

„Volle Granade, Renade“

Der Imbiss vor der Reithalle wirbt mit „Die Alternative in Wurst und Fleisch“, ein Slogan, der in gewisser Hinsicht den Unterschied zwischen Rocci und Torfrock illustriert. Die Gruppe mit dem kleinen Klaus von „Klaus und Klaus“ als Frontmann, die weiland mit ihrem Song „Beinhart“ aus dem Werner-Film einen Nummer-eins-Hit landete, lässt es à la Werner so richtig kesseln. Gitarrist und Publikumsliebling Raymond Voß sieht aus wie ZZ Top und hat eine Stimme wie Roberto Blanco, dem eine Käsereibe im Hals stecken geblieben ist. „Volle Granade, Renade, Renade“, grölt er im plattdeutschen Idiom, und 150 Fans des deftig-witzigen Folkrock, die sich vor der Bühne versammelt haben, grölen mit.

Nach eineinhalb Stunden Torfrock-Lyrik („Wir saufen den Met, bis keiner mehr steht“) werden aus vielen von ihnen selbst schwankende Gestalten, be-, aber auch freudetrunken vom höchst unterhaltsamen Auftritt ihrer Lieblinge. Ein Fan mit Wikinger-Helm aus Plastik auf dem Kopf torkelt hinaus in die Dunkelheit, in Richtung Schweinegatter. Er bleibt verschwunden.

Von Eduard Warda

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