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Regional Die Band „Scherbekontrabass“ zu Gast in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Die Band „Scherbekontrabass“ zu Gast in Göttingen
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20:38 30.06.2013
Ein Bass, eine Scherbe: Akki Schulz und Marius del Mestre.
Ein Bass, eine Scherbe: Akki Schulz und Marius del Mestre. Quelle: EF
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Göttingen

Der Name „Scherbekontrabass“ ist schnell erklärt. „Das ist die Scherbe, und das ist der Kontrabass“, sagt Schulz und deutet zunächst auf del Mestre und dann auf sein eigenes Instrument. Tatsächlich hat der Rhythmusgitarrist bei „Ton Steine Scherben“ gespielt, einer der einflussreichsten deutschen Polit-Punk-Rockgruppen der 70er und 80er Jahre.

Langeweile kommt während des Konzerts nicht auf. Das Programm ist gut strukturiert. Die Musiker verbinden Lieder durch kleinen Geschichten und Ansagen. Für Sympathie müssen sie beim knapp 70-köpfigen Publikum im Nörgelbuff nicht viel tun. Allein die Tatsache, dass es heute einen Abend mit Songs von Reiser und seiner Band mit einer echten „Scherbe“ gibt, scheint zu anzukommen.

Das schlägt sich auch in der Lautstärke der mitsingenden Besucher nieder. Bei Liedern wie „Keine Macht für Niemanden“, „Junimond“ oder „Unser Haus“ singen viele so laut mit, dass „Scherbekontrabass“ an manchen Stellen nicht mehr richtig zu hören ist.

Die Lautstärke ist auch im zweiten Teil auffällig. „Der nächste Song ist unplugged“, meint del Mestre ironisch und schlägt seine Akustikgitarre an, deren Klang mittlerweile verzerrt ist. Die ist leider so laut, dass der Gesang und der Kontrabass nicht mehr richtig wahrgenommen werden können. Nach wenigen Liedern finden die Musiker die Abstimmung aber wieder.

Del Mestre spielt sein Instrument gut und kommt mit seinem Gesang erstaunlich nahe an den von Reiser heran. Musikalische Finesse bringt Schulz in die Arrangements.

Auch wenn ihm zum Ende des Konzerts die Konzentration abhanden zu kommen scheint, spielt er den Kontrabass präzise und das mit einer Leichtigkeit, die dem Auftritt zusätzlichen Charme verleiht. Zum Schluss erfüllen „Scherbekontrabass“ ihrem Publikum den anscheinend größten Wunsch: Sie spielen Rio Reisers „König von Deutschland“.

Von Friedrich Schmidt