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13:40 29.11.2017

Pixar: Mit „Coco“ geht’s zum Advent ins mexikanische Totenreich

Von Matthias Halbig
Von Mexiko ist nichts Gutes zu erwarten. Ein Land der Faulpelze und Drogengangs, der korrupten Eliten und der flüchtenden Armen, die alle über den Rio Grande wollen, um guten Amerikanern den Job zu stehlen. Ein Land so bedrohlich, dass man sich dagegen abschotten muss, bevölkert von Leuten so dumm, dass man ihnen die Kosten einser Mauer  locker aufdrücken zu können glaubt. In der Mexiko-Sichtweise Donald Trumps gipfelt indes nur das ein Jahrhundert alte Trugbild, das Hollywood in seinen Western vom Mexikaner gezeichnet hat: Große Sombreros, nix darunter. Sapristi!

Und jetzt kommen die Pixar-Leute und befinden, es sei Zeit für eine Korrektur. Und feuern eine Breitseite gegen den herabwürdigenden Mex-Text des Präsidenten. In „Coco“ springt einem ein quirliges Gegenmexiko in die Augen. Erzählt wird von der Macht der Mariachi-Musik, die den kleinen Miguel in Widerspruch zu seiner Schusterfamilie bringt. Der Ururgroßvater hatte Frau und Töchterchen Coco für eine Karriere verlassen, seither ist in der Familie Singen, Spielen, Liederhören auf dem Index. Oma wacht über die Einhaltung des Verbots. Die verräterische Gitarre auf einem Familienfoto aber (auf dem der Kopf des untreuen Altvorderen abgerissen wurde) erleuchtet Miguel: Ernesto, der berühmteste Sänger Mexikos, war sein Ururopi. Am magischen Día de los Muertos, dem Tag der Toten, findet er sich per Abrakadabra im Jenseits wieder. Ein Orpheus, der den Bann der Musik lösen möchte, steigt in die Unterwelt.
Und die ist atemberaubend schön –  eine Fiesta-Vision in tausend glühenden Farben. Überall klappern Skelette, aber (fast) nur nette. Zerplatzen sie mal nach einem zu heftigen Sprung, zuppen sie – schwupp! – wieder zusammen, als gäbe es Knochenmagnetismus. Nie waren Tote so liebreizend, lustig, lebensecht.
Die Tradition ist eh sympathisch: Am Día de los Muertos treffen die Toten mit ihren Hinterbliebenen zusammen. Kein gebeugtes Allerseelen, kein trüber Totensonntag, alles läuft ganz ohne Gram und Trauer, dafür mit Blumen, Süßigkeiten und Umarmungen. Die Toten kommen, solange man ihrer gedenkt, danach verschwinden sie in eine Sphäre hinter dem Tod. So muss Miguel seinen hilfreichen Begleiter Hector vor dem Vergessenwerden retten, und die Sache mit der Familie birgt auch noch eine Überraschung. Was dann auch klärt, warum der Film „Coco“ heißt und nicht „Miguel“.
Die Pixards, die Wizards of Pixar, erzählen wieder eine wundersame Geschichte, holen Grinser aus den Gesichtern aller Generationen, versetzen sie die Zuschauer in Spannung, rühren sie zu Tränen. Keiner sonst kann das auch nur annähernd so gut! Caramba!
„Coco“, Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina, 109 Minuten, FSK 0
Cinemaxx Göttingen, Feilenfabrik Duderstadt, Schiller Lichtspiele Hann. Münden, Central-Lichtspiele Herzberg

Vier Frauen hauen auf den Putz

Eine frisch von ihrem Liebsten getrennte Bestsellerautorin lädt ihre alten College-Freundinnen auf ein wildes Wochenende nach New Orleans ein. Man hat sich Jahre nicht gesehen, nichts ist geworden, wie man es sich erträumte. So hauen die vier Frauen in „Girls Trip“, ihrer täglichen Sorgen entrissen, so derb auf den Putz wie damals die Kerle in „Hangover“. Sie kbetrinken sich und drehen durch.


Da ist der Witz natürlich im Nu hysterisch, sind Überraschungen dünn gestreut, und alles dreht sich vornehmlich um die gute alte Pussypower. Aber obwohl diese Filmerfolgsformel abgedroschen ist (und nicht wenige Kameraeinstellungen ein wenig nach dem schlüpfigen Weinstein-Hollywood anmuten), machen die schwarzen Heldinnen Regina Hall, Queen Latifah, Jada Pinkett-Smith und die  Newcomerin Tiffany Haddish gute Figur in dieser mit über zwei Stunden zu langen und allzu vollgepackten amerikanischen Sommerkomödie. Die es jetzt erst im Advent nach Deutschland geschafft hat. Auch nur relativ gut Ding will eben Weile haben. rnd         
„Girls Trip“, Regie: Malcolm D. Lee, 122 Minuten, FSK: k. A.
Cinemaxx Göttingen, Neue Schauburg Northeim

Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel

Die Kinder Ben (Stimme: Maximilian Frisch) und Charlotte erleben an Weihnachten ein unglaubliches Abenteuer, als während eines starken Gewitters der letzte echte Weihnachtsmann Niklas Julebukk (Thomas M. Held) unsanft in der Straße, in der sie wohnen, notlandet – mitsamt seinem Wohnwagen, den frechen Kobolden Fliegenbart (Stefan Schmieder) und Ziegenbart (Andreas Ströbl), dem Rentier Sternschnuppe und dem Weihnachtsengelchen Matilda (Christl Peschke). Gemeinsam müssen sie es mit dem fiesen Waldemar Wichteltod (Peter Pius Irl) und seiner Armee von Nussknackern aufnehmen, die Weihnachten in zu einem Fest des Konsums machen wollen. Zum Glück hat Julebukk mit Ben und Charlotte zwei Kinder gefunden, die noch an den ursprünglichen Zauber des Weihnachtsfests glauben...

„Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel - Augsburger Puppenkiste“, Regie: Martin Stefaniak, Julian Köberer, FSK: 0

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