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Regional Rache ist Marswurst!
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11:18 22.03.2017
Szene aus "Life"
Szene aus "Life" Quelle: r
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Life

FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Schiller Lichtspiele Hann. Münden, Feilenfabrik Duderstadt

Von Matthias Halbig

Der Mars. Gebannt schauen wir jedes Mal auf Bilder seiner Oberfläche. Wir interpretieren Felsen, die wie Figuren aussehen, als Lebewesen. Wir glauben jenen Forschern gern, die in länglichen Vertiefungen ehemalige Flussbette sehen und daraus schlussfolgern: „Dort war Wasser, da war Leben.“ Und wenn da in Wirklichkeit auch immer nur Sand und Stein zu erkennen sind, weit und breit nur triste, rote Wüstenei, hoffen wir, dass eines Tages ein irdischer Spacerover hinter einer Düne Überreste von Zivilisation finden wird, eine Pyramide oder ein Mars-Palmyra. Eine seltsame Erwartung. Deren Erfüllung uns doch nur daran erinnern würde, dass auch bei uns auf Erden „all things must pass“, wie es der Beatle George Harrison mal mit einem Albumtitel ausdrückte. Alles muss vergehen, sogar der Rock ’n’ Roll und das Kino. Und es wäre dann auch aus mit der Einzigartigkeit, unserem Bewusstsein als Krone der Schöpfung. Wir würden vom Zentrum der Welt, in dem wir uns trotz allen Wissens um Heliozentrik und Kosmos noch wähnen, zu einer von diversen Adressen im All werden.

Es ist trotzdem ein Wunsch vieler Zeitgenossen, den ersten Kontakt, die „Begegnung der dritten Art“, noch zu erleben. So als könnten fremde Lebewesen uns mit Weisheit und Weltfrieden impfen. Aus der Popkultur können wir dieses Vertrauen gewiss nicht gewonnen haben, im Kino kommen auf eine friedfertige 20 feindselige außeriridische Spezies. Die Engel, die Dantes Himmel bewohnten, sind im Himmel der Sterne rar, das nüchterne All gehört in der Popkultur vornehmlich interstellaren Teufeln. Die recht häufig vom roten Nachbarplaneten kommen.

Wie auch im neuen Film des schwedischstämmigen Regisseurs Daniel Espinosa („Kind 44“). Der muss Ridley Scotts „Alien“ intravenös verabreicht bekommen haben, bevor er an die Arbeit zu „Life“ ging. Ablauf, Atmosphäre, Personal sind ähnlich, auch wenn die Leute auf der Internationalen Raumstation (ISS) kultivierter sind als weiland die Streithähne auf Scotts düsterrostigem Raumfrachter „Nostromo“. Sie fangen die Sonde „Mars Pilgrim“ auf, analysieren Bodenproben und finden einen borstigen Einzeller, der unter Glukose aus dem Jahrtausendschlaf erwacht. Dem ersten Alien begegnet die Menschheit also beim Blick auf den Objektträger eines Mikroskops. Schon bald ist der unsichtbare Winzling eine sichtbare, in der Petrischale tänzelnde Glasblume geworden, dann eine lustige Flossenschnecke, die sich an den Handschuh eines Wissenschaftlers (Ariyon Bakare) schmiegt. Alle an Bord lieben den niedlichen Organismus, den sie
Calvin nennen, bis der jäh in den Verdrängungsmodus wechselt und mit der Eliminierung der Besatzung beginnt. Nach einem Evolutionsgeschwindigkeitsrekord stehen die Astronauten einem intelligenten, unbesiegbaren Monsterchen gegenüber, das an seinen Morden buchstäblich wächst und bald schon aussieht wie der hässlichste Oktopus aller Galaxien. Gut besetzt ist diese Raumstation übrigens: Hier fürchten unter anderem Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson und Ryan Reynolds um Leib und Leben. Und eine Vermutung steigt in ihnen auf, dass diese Spezies einst alles Sein auf dem Mars ausgelöscht haben könnte. Es geht ab jetzt nicht nur ums eigene Fortbestehen, sondern darum, dass Calvin unter keinen Umständen auf die Erde gelangen darf.
Ist die erste Hälfte des Films noch gruselig und spannend, gelingt es Espinosa bald schon nicht mehr, sich vom großen Vorbild „Alien“ abzusetzen. Er beginnt Standardsituationen aneinanderzureihen: Ständig schweben seine Helden schwerelos in Lebensgefahr, es gibt die üblichen kleinen Fluchten durch die Schotts und immerfort klebt ihnen Calvin am Raumanzug. Im Weltraum nichts Neues – gegen Ende hängt der Film mangels Originalität schwer durch, und der Zuschauer gleich mit. Da kann der Weltuntergangssoundtrack von Jon Ekstrand noch so unheilvoll tröten. Alles läuft zudem recht eindimensional, es fehlt eine zweite Ebene, höhere Perfidie. In „Alien“ gingen die Astronauten ihrem Arbeitgeber auf den Leim, der – um die angriffslustigen schwarzen Bananenschädelwesen zu Hause als Biowaffen einzusetzen – den Tod der Besatzung eingeplant hatte.
„Life“ ist einfacher gestrickt, und dennoch als Scotts Klassiker, der im Grunde ein Rücksturz ins Scifi-Angriffskino der Fünfzigerjahre war. Die Aggressoren kommen aus dem Mikrokosmos, sie sind nicht bösartig im moralischen Sinn, sondern einzig auf unbedingte Existenzsicherung programmiert. Der „Life“-Plot spielt mit heutigen Ängsten. Wir haben in jüngerer Zeit erlebt, wie verheerend Viren auf die Menschheit einwirken können. Mikroorganismen wurden schon in bewaffneten Konflikten eingesetzt und immer wieder gibt es Berichte über Laborversuche zur Optimierung tödlicher Mikroben. Dass Winzlinge von anderen Planeten gigantische Streitkräfte vernichten können, bekamen in der Science-Fiction übrigens als erste die Außerirdischen zu spüren. In H. G. Wells’ Roman „Krieg der Welten“ (1898) wurden die Invasoren von irdischen Krankheitserregern gestoppt. Die Aliens kamen vom Mars. „Life“ ist – wenn man so will – der Versuch, es uns mit gleicher Münze heimzuzahlen. Rache ist Marswurst!

Zurück in die Zukunft: Science-Fiction im Kino

Der Blick in die Zukunft ist verlängert worden: Die Berliner Ausstellung „Things to Come. Science-Fiction-Film“ im Kinomuseum am Potsdamer Platz ist nun noch bis Sonntag, 14. Mai, zu sehen – nur ein Indiz dafür, dass sich das Genre momentan besonderer Beliebtheit erfreut. Der Hype könnte mit Fluchtgedanken aus der Wirklichkeit zu tun haben, andererseits sieht die Zukunft in vielen Filmen auch nicht hoffnungsvoll aus.

Prestigeträchtige Filme sind für dieses Jahr angekündigt: Regisseur Ridley Scott steckt in den Vorbereitungen für seine Kinoreise „Alien: Covenant“ (Start: 18. Mai). Die Fortsetzung von „Blade Runner“ (5. Oktober) über die Auseinandersetzung (und die verwischende Grenze) zwischen Mensch und Maschine hat der Brite an seinen kanadischen Kollegen Denis Villeneuve übertragen. Scott ist in diesem Fall nur als Produzent an Bord. Wer nun Lust hat, sich auf die Spuren der Originalfilme zu begeben, dem sei das Buch „Science-Fiction-Kultfilme“ (Schüren, 29,90 Euro) empfohlen. In dem Band wird ebenso die „Raumpatrouille“ des Raumkreuzers Orion wie die „Rocky Horror Picture Show“ oder natürlich auch Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ gewürdigt. Denn merke: Was Kult wird, entscheiden allein die Zuschauer, nicht die Produktionsbudgets. sto

Die Joints glimmen wieder in Würzburg

Lommbock, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Von Martin Schwickert

Danny Boyle hat 20 Jahre gebraucht, um seine Junkie-Gang für „Trainspotting 2“ zusammenzutrommeln. Christian Zübert schafft es schon nach 15 Jahren, die Würzburger Kiffer-Kumpel Stefan (Lucas Gregorowicz) und Kai (Moritz Bleibtreu) in „Lommbock“ zu vereinen. Die Komödieum zwei Freunde, die einen Pizza-Lieferservice in einen Marihuana-Handel umwandeln, entwickelte sich 2001 zum Kinohit.


„Lammbock“ war ohne Zuhilfenahme von Betäubungsmitteln saukomisch. Das lag auch an den grandios verschlungenen Monologen. Auf diese Kernkompetenzen besinnt sich auch das Sequel. Während Stefan über den Dächern von Dubai eine edle Reggae-Bar eröffnet, ist Kai dem Kiffer-Leben in Würzburg treu geblieben. Kurz vor der Hochzeit mit der patenten Yasemin (Melanie Winiger) muss Stefan zurück nach Deutschland um die Papiere zu besorgen. Er gerät in den Sog des Chaoskumpels.
Zugegeben: Die Story ist an den Haaren herbeigezogen. Aber als Revival-Komödie funktioniert der Film ordentlich. „Lommbock“ amüsiert in manchem Moment – mit und ohne Joint.

Power Rangers

FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Die Teenager Jason (Dacre Montgomery), Kimberly (Naomi Scott), Billy (RJ Cyler), Trini (Becky G.) und Zack (Ludi Lin) haben nichts miteinander zu tun, außer zufällig auf dieselbe Schule im Städtchen Angel Grove zu gehen. Doch eines Tages stoßen Jason und Billy auf etwas, das wie uralte Fossilien aussieht und erwecken damit versehentlich eine außerirdische Macht, die alle Menschen ausrotten will: Die Außerirdische Rita Repulsa (Elizabeth Banks) plant dazu mit ihrer Alien-Armee einen Angriff auf die Erde.

Doch unser Planet wird den Invasoren nicht schutzlos ausgeliefert sein, denn die fünf Freunde kommen durch den Zwischenfall mit den Fossilien auf unerklärliche Weise in den Besitz von Superkräften – sie werden Power Ranger! Wenige Tage bleiben, um unter Anleitung von Zordon (Bryan Cranston), dem Hologramm des einstigen Red Rangers, zu lernen, wie sie mit ihren neuen Kräften am besten umgehen…

Neruda

FSK 12, Lumière Göttingen

1948 bezichtigt der chilenische Senator Pablo Neruda (Luis Gnecco), seines Zeichens berühmter Dichter und Kommunist, die Regierung von Präsident Videla (Alfredo Castro) des Verrats. Die Retourkutsche folgt sofort in Form von Nerudas Amtsenthebung, seiner Verhaftung kann er nur durch Flucht entgehen.

Zusammen mit seiner Frau Delia del Carril (Mercedes Morán) versucht er, das Land unbemerkt zu verlassen. Doch der Polizist Peluchonneau (Gael García Bernal) ist ihnen bereits hartnäckig auf den Fersen, wodurch ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, dem Neruda einen gewissen Reiz abgewinnen kann. Immer wieder führt er seinen Verfolger mit falschen Spuren in die Irre und schon bald verbreitet sich seine Geschichte in die ganze Welt – selbst Künstler wie Pablo Picasso setzen sich für seine Freiheit ein. In der beeindruckenden Bergwelt Chiles macht sich Neruda dann für das endgültige Ende seines Duells mit Peluchonneau bereit…