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Regional Die Niedersächsischen Musiktage haben Freundschaft zum Thema
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20:25 22.08.2013
Auf musikalischer „Flugreise“ in Niedersachsen: Die Schweizer Band „Hildegard Lernt Fliegen“. Quelle: EF
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Göttingen/Hannover

Denn die beiden Männer nahmen die diesjährigen Niedersächsischen Musiktage (die von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung veranstaltet werden) zum Anlass, öffentlich ein bisschen über ihre Freundschaft zu plaudern. Das haben ein paar andere Leute auch gemacht. An zehn Orten in Niedersachsen hatten die Organisatoren im Vorfeld des Festivals (7. September bis zum 6. Oktober) Schaukeln aufgebaut und Interessierte gebeten, über sich und ihre Freunde zu reden. Der Anlass? Freundschaft ist das Motto der 27. Niedersächsischen Musiktage. Und Mang und Kleine?

Deren Männerfreundschaft, das zeigte ein Film bei der gestrigen Pressekonferenz, besteht seit mehr als 35 Jahren – und verschaffte ihnen Vorteile: „Wir wussten es, wenn man uns im Beruf gegeneinander ausspielen wollte“, sagt Kleine: „Die anderen nicht.“

Feindschaft und Verrat

Freundschaft: Das kann persönliche Freundschaft, Künstlerfreundschaft, politische Freundschaft sein. Sie kann aber auch in Feindschaft und Verrat münden. In diese Blöcke teilte Intendantin Karin Zagrosek das Thema ein – und fand in 65 Konzerten an 50 Orten musikalische Mitstreiter. Ein Glanzlicht wird zu Beginn am 7. September in Lüneburg ein Konzert in der Kirche St. Michaelis sein. In einer für die Musiktage eingerichteten Fassung führt die NDR Radiophilharmonie die „Götterdämmerung“ von Richard Wagner auf: ein Beispiel dafür, so Zagrosek, wie Freundschaft durch Missgunst zerstört werde.

Wie schon 2012 wird Zagrosek die Musiktage auch diesmal mit einer Art Paukenschlag, einem opulent bespielten Eröffnungswochenende, beginnen: Fünf Konzerte werden allein am 7. und 8. September in Lüneburg zu hören sein. Das Spektrum dieses Wochenendes zeigt auch die Handschrift der Intendantin, die die Musiktage seit 2012 leitet. Neben einer Vorliebe für ungewöhnliche Konzertorte und -formen öffnet sie das Festival auch für Musik jenseits der Klassik. Auftritte von Musicalstar Ute Lemper – in Göttingen (1. Oktober), Peine (2. Oktober), Oldenburg (4. Oktober) und Osnabrück (5. Oktober) – und Sophie Hunger in Lingen (18. September), Wilhelmshaven (19. September) und Celle (20. September) sind Beispiele dafür. Thomas Mang, Präsident der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, sagte dazu gestern: „Katrin Zagrosek macht die Musiktage durch innovative Konzertformen, aber auch durch einen Schwerpunkt bei der Musikvermittlung, zukunftsfähig.“

Musik bei einem Spaziergang

Ungewöhnlich ist es beispielsweise, Musik statt in einem Konzertsaal bei einem Spaziergang (von der Kirche St. Michaelis bis zum Kulturforum Gut Wienebüttel am 8. September) zu erleben. Auf eine musikalische „Flugreise“ in eine Welt voller Stimmakrobatik geht es gar bei einem Konzert mit der Schweizer Band „Hildegard Lernt Fliegen“ in Lüneburg (8. September), Stade (13. September), Alfeld (14. September), und Quakenbrück (15. September).

Zagrosek lädt ihr Publikum zu einer musikalischen Radtour durch das Braunschweiger Land ein, mit musikalischen und kulinarischen Stationen bei Kirche und Schloss in Destedt bei Braunschweig und dem Rittergut Lucklum (15. September, Treffpunkt Bahnhof Schandelah). Frei nach dem Motto „Gastfreundschaft“ bereiten die Konzertbesucher im Freilichtmuseum am Kiekeberg (28. September) ihr Essen selbst zu, lauschen einem Vortrag über gesunde Ernährung und verspeisen das Selbstgemachte danach zu Tafelmusik des Elbipolis Barockorchesters Hamburg. Ein „Piano Battle“ liefern sich die Pianisten Paul Cibis und Andreas Kern mit Schubert und Pop, Improvisation und Flügelrundlauf: in Einbeck (26. September), Achim (1. Oktober) und Bad Münder (2. Oktober).

„11 Freunde sollt ihr sein“

Fußballfans und Liebhaber des klassischen Konzerts standen sich – so meinte man bislang jedenfalls – oft eher feindlich als freundschaftlich gegenüber. Auch das wird sich unter Zagrosek ändern. „11 Freunde sollt ihr sein“ hat sie ein ungewöhnliches Konzertformat im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen (21. September) überschrieben, jenem Hotel also, in dem auch die deutsche Nationalmannschaft schon abgestiegen ist. Fußball soll hier unter anderem von dem A-cappella-Quintett Wishful Singing musikalisch interpretiert werden. Die Zuschauer erwartet dazu ein Vortrag von Stefan Mertesacker, Vater von Nationalspieler Per Mertesacker, und Spiele, die den Teamgeist stärken.

Das ist nur ein Höhepunkt der Konzerte in der Region Hannover. Der Auftritt des Arcanto Quartetts und Jörg Widmann in der Galerie Herrenhausen (20. September) mit dem schönen Titel „Saite an Saite“ und das Abschlusskonzert zur politischen Freundschaft zwischen Deutschland und Polen mit dem Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks Katowice im Funkhaus Hannover (6. Oktober) werden weitere sein.

Auftritte in der Region

Dienstag, 1. Oktober, um 20 Uhr: Chansonniere Ute Lemper im Deutschen Theater Göttingen (ausverkauft).
Freitag, 20. September, um 20 Uhr: Akkordeonist Richard Galliano in Nörten-Hardenberg, Atrium auf dem Gräflichen Landsitz.
Sonnabend,  29. September, um 17 Uhr:  das European Union Chamber Orchestra und Schüler des Eichsfeld-Gymnasiums in der Eichsfeldhalle in Duderstadt. Sonnabend,  29. September, um 17 Uhr: Schauspieler Ulrich Pleitgen liest  in der Northeimer, St. Sixti-Kirche.
Donnerstag, 26. September, um 20 Uhr: Paul Cibis und Andreas Kern liefern sich ein „Piano Battle“ in der Rathaushalle in Einbeck.
Sonnabend, 14. September, um 20 Uhr:  „Hildegard Lernt Fliegen“ im Fagus-Werk in Alfeld (ausverkauft). pek

►  Karten gibt es unter anderem in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Jüdenstraße 13c in Göttingen und Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt.

Von Jutta Rinas