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Regional „Die Rebellion/Hotel Savoy“ im Goethe-Institut Göttingen
Nachrichten Kultur Regional „Die Rebellion/Hotel Savoy“ im Goethe-Institut Göttingen
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19:42 28.03.2014
Von Peter Krüger-Lenz
Chorisches Spiel: ein Trupp Heimkehrer mit den Protagonisten Dan (Martin Hagenguth, links), Pum (Klaus Berg, zweiter von links) und Ignaz (Johanna Gsell, rechts). Quelle: EF
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Göttingen

Der Erste Weltkrieg begann nicht nur, natürlich endete er auch. Das ist der Zeitpunkt, an dem Costanza mit seiner Produktion ansetzt. Er schaut auf die Heimkehrerströme, die nach Hause zurück kehrten.

In dokumentarischen Filmaufnahmen zeigt der Regisseur die Tausende von Männern, die in die Heimat kamen, erst wieder zusammengeflickt werden mussten – oder sich körperlich unversehrt, aber seelisch gepeinigt in ihr altes Leben zurück kämpfen wollten.

Einer von ihnen ist Andreas Pum. Seine fiktive Geschichte schrieb Joseph Roth in seinem Roman „Die Rebellion“.

Dieses Werk nahm Costanza als Ausgangspunkt und verschränkte es mit der surrealen Roth-Geschichte „Hotel Savoy“, in der der ehemalige Kriegsgefangene Gabriel Dan nach Hause kommt und sich in besagtem Hotel einquartiert, in dem lauter schräge Gestalten in den 864 Zimmern leben. Als Liftboy arbeitet hier Ignaz.

Den spielt Johanna Gsell, die auch schon am Deutschen Theater Göttingen engagiert war. Sie ist eine von zwei professionellen Schauspielern der Produktion. Martin Hagenguth hat den Beruf ebenfalls erlernt und gibt Dan, der sich seinen Lebensunterhalt verdient, indem er die Toiletten des Hotels verwaltet.

Laufsteg des Elends

Die Rolle des Heimkehrers Pum hat Costanza mit Klaus Berg besetzt, der vor Jahrzehnte künstlerischer Leiter des Jungen Theaters war und in den Jahren danach immer wieder am Theater im OP spielte und inszenierte.

Unterstützt wird dieses Trio von überwiegend jungen Akteuren, die viel chorisch auftreten. Das ergibt Sinn, wenn es um die Heimkehrerströme geht, Menschen, die von den gleichen Problemen geplagt werden, die gleichen Erlebnisse teilen, eine Sprache sprechen. Auf der Bühne allerdings wirkt dieses Stilmittel oft wenig mitreißend.

Frank Campoi hat als Bühnenbild einen stilechten Hotelflur mit rotem Teppich entworfen – einen Laufsteg des Elends und der Grausamkeit. Viele Koffer hat er den Schauspielern bereitgestellt.

Die dienen nicht nur zum Aufbewahren der wenigen Habseligkeiten, sondern werden auch zu Schreibmaschinen. Ein schöner Einfall. Die Verschränkung der beiden so ähnlichen Stoffe funktioniert allerdings nur mäßig. Hier wird die Handlung nicht vielschichtiger, sondern eher ausgebremst.

Weitere Vorstellungen: am 4., 5. und 16. April um 20 Uhr, am 14. April bereits um 14 Uhr im Goethe-Institut Göttingen, Merkelstraße 4. Kartentelefon: 0551 / 20 19 28 66.