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Regional Marion Brasch stellt ihren Roman „Lieber woanders“ vor
Nachrichten Kultur Regional Marion Brasch stellt ihren Roman „Lieber woanders“ vor
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00:24 15.04.2019
Leben und Überleben: Marion Brasch im Literarisches Zentrum. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Schuldgefühle quälen die 25-jährige Kellnerin Toni, die immer zeichnet, seit dem Unfalltod ihres kleinen Bruders. Eine dunkle Schuld lastet auf Alex, der als Roadie, als mitreisender Veranstaltungstechniker einer Band, arbeitet. 24 Stunden lang bewegen sich die beiden, die nichts voreinander wissen, in Braschs Roman aufeinander zu, kommentiert von einem allwissenden Erzähler.

Mit faulen Kompromissen leben

Die traumatisierte Toni lebt in einem Wohnwagen, ernährt sich von dem, was in ihrem Garten wächst. Sie träumt von einer Reise nach Neuseeland, wohin ein ehemaliger Mitschüler gezogen ist. In der nahen Kleinstadt will sie ihren Vater treffen, der die Mutter vor vielen Jahren verlassen hat. Er hat versprochen, Toni Geld für die Reise zu geben. Außerdem hat sie einen Termin bei einer Galeristin, die Interesse an den Zeichnungen hat.

Alex ist auch auf dem Weg in die Stadt. Seine kleine Tochter liegt mit Blinddarmentzündung im Krankenhaus. Die Nacht hat der Roadie bei seiner Geliebten verbracht. Die Ehefrau, die bereits in der Klinik ist, weiß davon nichts. Auch nichts von der Schuld, die Alex seit Jahren wie ein schwarzer Schatten begleitet. Die Romanfigur ist feige, lebt mit faulen Kompromissen und bedauert sich wegen ihres mangelnden Ehrgeizes.

„Alles in der Welt endet durch Zufall und Ermüdung“

Doch im Krankenhaus redet sich Alex dann alles von der Seele. Bleich und fassungslos rennt seine Frau aus dem Zimmer. Worüber Alex sprach und wie es weiter geht, verriet Brasch während der Lesung nicht. Nur die letzten Worte des allwissenden Erzählers trägt sie noch vor. „Alles in der Welt endet durch Zufall und Ermüdung“, zitiert der Erzähler Heinrich Heine. Damit schloss sich der Kreis zu Göttingen, wo Heine 1820/21 und 1824/25 Jura studiert hat, sein Examen bestand und promoviert wurde.

Sie habe, erklärte Brasch im Gespräch mit der Lyrikerin und Literaturvermittlerin Carolin Callies, im Gegensatz zu ihren älteren Brüdern lange kein künstlerisches Sendungsbewusstsein verspürt. Während Thomas und Peter Brasch als Schriftsteller und Klaus Brasch als Schauspieler von sich reden gemacht hätten, habe sie es sich in der Rolle der kleinen, vermeintlich unbegabten Schwester bequem gemacht.

Braschs Vater war in der DDR stellvertretender Kulturminister

Das habe sich nach dem frühen Tod der Eltern und der Brüder geändert, erzählte die Autorin, die Schriftsetzerin gelernt hat und seit 1987 als Hörfunkjournalistin arbeitet. Sie habe die Geschichte ihrer Familie erzählen wollen. Ihr Vater, ein Kommunist, sei nach dem Krieg aus dem Exil in Großbritannien in die spätere DDR gezogen. Dort habe er es zum stellvertretenden Minister für Kultur (1966 bis 1969) gebracht. Ganz unmusisch sei der Vater gewesen. Außer Parteiliteratur habe er nichts gelesen. Ihre Brüder habe es dagegen zur Kunst gezogen. Sie hätten gegen den Vater rebelliert, der seine Träume von einer besseren Welt gegen das Parteiprogramm ausgetauscht habe. Davon berichte ihr erster Roman.

Weitere Termine im Literarischen Zentrum

Familiengeschichte erzählen die Schriftsteller Katharina Adler und Saša Stanišić in ihren neuen Romanen. Am Mittwoch, 24. April, um 20 Uhr stellen sie sie im Literarischen Zentrum Göttingen, Düstere Straße 20, vor. Adler berichtet in „Ida“ von ihrer jüdischen Urgroßmutter Ida Bauer, die mit 18 Jahren ihre Behandlung bei Sigmund Freud abbrach und damit als „Fall Dora“ in die Geschichte der Psychoanalyse einging. Stanišić stellt in „Herkunft“ seine Großmutter vor.

Auf 100 Seiten verdichtet Eric Vuillard in „14. Juli“ die Vorkommnisse des brütend heißen Sommers 1789, in dem die franzöische Revolution ausbrach. Er beschreibt, wie die Wut der Armen auf die Willkür und Dekadenz der herrschenden Klassen in den engen Behausungen in Prais langsam den Siedepunkt erreicht. Das Buch präsentiert er am Dienstag, 30. April, um 20 Uhr im Literarischen Zentrum.

Von Michael Caspar

Unter dem Motto „Brückenschlag“ stehen die Bursfelder Sommerkonzerte vom 16. Juni bis 8. September. Die Konzerte bestreiten das Tangosextett „fauxpas“, „triMOTION“, das Duo „ParnassoLatino“ und das Blockflötenensemble „Trio Viaggio“.

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