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Regional Die „Soulmates“ von Groovy Cellar im Nörgelbuff
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15:00 04.10.2019
„These are days when we keep the faith. We are soulmates“: The Groovy Cellar. Quelle: R
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Göttingen

Gefangen im Retro-Sound? The Groovy Cellar wollen nicht in die Falle tappen, in der sich unzählige Mod-Bands verheddert haben, die sich wie das Berliner Quintett zwischen den Koordinaten Beat, Soul, Pop bewegen. „Wir versuchen eigentlich mit Groovy Cellar immer, etwas abwechslungsreich zu klingen, weil wir uns darüber ärgern, dass andere 60s-Bands häufig so einen einheitlichen Sound haben und ein Song klingt wie der nächste“, sagt Groovy-Cellar-Schlagzeuger Gunnar „Cecil Merryweather“ Berndorf, der in Göttingen aufgewachsen ist.

The Groovy Cellar – Soulmates

Barock-Pop-Song mit Cembalo

Auf der im Frühjahr auf Firestation Records in Berlin erschienenen LP „Soulmates“ versucht die Band, genau das zu vermeiden. „Wir haben jetzt hier das erste Mal einen Barock-Pop-Song mit Cembalo. Das ist ,Keep in touch’.“ Die Strophe wird von einer kleinen Cembalo-Melodie getragen, der Refrain vom mehrstimmigen Gesang der Band. Der Song sei all seinen Freunden gewidmet, sagt Songwriter, Sänger und Gitarrist Olaf „Mr. Magic“ Schumacher. „Die Grundtendenz ist einfach: Bleibt in Kontakt. Keep in touch!“

„Wir haben Easy Listening mit ,Another you’. Und wir haben das allererste mal überhaupt einen R’n’B-Song aufgenommen. Der heißt ’The Faker’“, zählt Berndorff weiter auf. Wo auf der einen Seite das Fender Rhodes perlt und Trompeten erklingen, ist es in „The faker“ Iggy Pops „Lust for life“, das zumindest rhythmisch Pate gestanden hat. Im Hintergrund heult die Hammond Orgel auf wie einst bei den Prisoners.

Olaf „Mr. Magic“, Matty „Pierre le fou“, Ziggy „Sergeant Davis“, Berndorff Sr. „Cecil Merryweather“ und Knut „Eigler Nordwand“ (v. l.). Quelle: R / Montage: mib

Große Zitate-Sammlung

„Und ganz zum Schluss mit ,How do you sleep’ versuchen wir, uns sogar mal an die Pariser Bohéme der 60er Jahre heranzuschleimen“, sagt Berndorff weiter

Überhaupt ist das ganze Album eine große Zitate-Sammlung. Die Referenzen an die Swinging Sixties und englische Pop-Kultur vor allem der 60er- und 80er-Jahre finden sich zuhauf. Es macht Spaß, sie zu entdecken.

So lehnt sich das Coverdesign von Dunja Berndorff an die Werke des von der Band „sehr geschätzten“ englischen Pop-Art-Künstler Peter Blake an. „Und dass wir den mögen, dass lässt sich auch an dem Text von ,This is tomorrow’ ablesen. Darin kommt nämlich dieser Künstler auch noch einmal vor.“

Und nicht nur Blake. Das Namedropping beginnt beim Künstler Richard Hamilton und Fotografen Terence Donovan und führt zum Kunsthändler Robert „Groovy Bob“ Fraser bis hin zu Mick Jagger und Marianne Faithfull. Die Songzeile „Our little works of art in your picture gallery“ ist eine ziemlich tolle Hommage an die Kultbands „The Times“ und „Television Personalities“.

The Times – Picture Gallery

Telefon-Joker bei „Wer wird Millionär“

Die Namensgeberin für „Jennifer Gentle and me“ stammt aus dem von Syd Barrett für Pink Floyds Debütalbum „The Piper at the Gates of Dawn“ geschriebenen Song „Lucifer Sam“ – ein Stück über Barrets Katze. Der aufgewühlte Psychedelic-Rock des Vorbilds weicht bei Groovy Cellar allerdings einem äußerst melodiösem Pop-Song.

Pink FloydLucifer Sam

„Dann gibt es den Song ,Ladybug’, der ein bisschen an Nancy Sinatra und Lee Hazlewood erinnert und mit Metaphern aus der Insektenwelt durchsetzt ist“, sagt Schumacher. Der Song „She’s an academic“ handele wiederum davon, „dass meine Frau klüger als ich ist, und ich sie gerne als Telefon-Joker bei ,Wer wird Millionär’ einsetzen würde.“ Wer hier Anleihen an The Jam raushört, dürfte ebenso wenig falsch liegen wie bei dem offensichtlicheren aus „Can’t explain“ von The Who entnommenen Riff in „February Girl“.

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„We keep the faith. We are soulmates“

Und dann ist da noch der Titelsong und Opener des Albums: „Soulmates“. Das bedient sich hemmungslos an einer der größten Northern-Soul-Hymnen: „Out in the floor“ von Dobie Gray.

Dobie Gray – Out in the floor

Das Stück handele davon, „wie ein alter Freund mir den Northern Soul nahe gebracht hat“, sagt Schumacher. „Und hier gefällt mir auch besonders gut die Doppelbedeutung. Einmal sind wir seelenverwandt, aber eben auch Kumpels, Freude, die zusammen Northern Soul auflegen, zu Northern Soul tanzen, Northern-Soul-Singles sammeln“, erklärt Schumacher. „These are days when we keep the faith. We are soulmates“, singt Schumacher.

Angesichts der Bandbreite auf „Soulmates“ sagt Berndorf: „Und deshalb macht es immer viel Spaß, diese Aufnahmen zu machen.“

Das Konzert im Göttinger Nörgelbuff, Groner Straße 23, beginnt am Donnerstag, 17. Oktober, um 21 Uhr. Einlass ist ab 20 Uhr.

Mehr Konzerte

Nach dem Göttinger Konzert im Nörgelbuff spielen Groovy Cellar am Freitag, 18. Oktober, in Darmstadt im Kulturzentrum Bessunger Knabenschule. Weitere Konzerte stehen im November und Dezember in Berlin an: am Sonnabend, 16. November, im Wiener Blut und am Freitag, 13. Dezember, in der Bar Bobu zur „Groovy Christmas Show“.

Die LP „Soulmates“ ist über das Berliner Indie-Pop-Label „Firestation Records“ erhältlich. Zudem lässt es sich digital über die gängigen Streaming-Dienste hören.

Auch der Nörgelbuff macht keine Pause. Am Freitag, 18. Oktober, nach dem Groovy-Cellar-Konzert stehen ab 21 Uhr „Make A Move“ zusammen mit Marti Fischer auf der Bühne. „Brass Funk Rap“ ist angekündigt. Einen Tag später tritt dann der Singer-Songwriter Norman Keil auf. Das Konzert beginnt am Sonnabend, 19. Oktober, um 21.30 Uhr.

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Von Michael Brakemeier

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