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Regional Die Zukunft aushalten, die wir jetzt aushecken
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17:45 24.11.2016
Von Christiane Böhm
Gut aufgelegt: Eugen Ruge und Marie Schmidtfoto: Wenzel
Gut aufgelegt: Eugen Ruge und Marie Schmidtfoto: Wenzel Quelle: Harald Wenzel
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Göttingen

Den Deutschen Buchpreis gewann Ruge für seine Familiengeschichte „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, die in der DDR spielt. Jetzt hat er den Schauplatz in die Zukunft verlegt. Im Jahr 2055 reist Nio Schulz durch China. Er ist Vertreter und hier, um die neueste Geschäftsidee seiner Firma zu vermarkten: True Barefoot Running. Nio führt den Leser in eine Welt, „in der keine Dinge mehr verkauft werden, sondern Zugehörigkeiten“, sagte Ruge. Die Staaten sind privatisiert und werden an der Börse gehandelt, alles ist Markt. In Australien werden Wasserstoff-Bomben gezündet, um durch genügend Staub in der Atmosphäre die Klimakatastrophe zu verhindern.

Warum er seine Utopie nicht weiter in die Zukunft verlagert habe, fragte Marie Schmidt. Die Kulturredakteurin bei der Zeit führte das Gespräch mit dem trotz übersichtlicher Besucherzahl gut aufgelegten Ruge. Seine Geschichte sollte weit weg sein, aber nicht zu weit weg. „Ich wollte eine Figur schaffen, die die Zukunft, die wir jetzt aushecken, aushalten muss“, erklärt der Autor. Es sollte eine Fortschreibung dessen sein, was jetzt passiert. Auch deswegen sei Nio der Enkel einer der Hauptfiguren seines ersten Romanes.

Verhältnis zwischen Technik und Mensch

Nio ist mit seiner Datenbrille jederzeit online und mehr als gut informiert. „In diesem Strom ist es nicht leicht sich zu konzentrieren“ so Ruge. Nio versinkt darin, sein Bewusstsein ist irgendwie perforiert. Ruge spielt in dem Roman - meist hochvergnüglich - mit der Frage nach dem Verhältnis zwischen Technik und Mensch.

In Nios Welt gehen auch die Worte verloren. Ständig werden die Protagonisten überwacht, auch durch Werbung und Medien. Alles Gesagte muss politisch-korrekt sein. Alle werden immer vorsichtiger, was man überhaupt noch sagen kann. „Ich kann nicht glauben, dass man die Welt verändert, wenn man ein Wort streicht. Begriffe verändern die Welt nicht“, sagte Ruge.

Eugen Ruge: Follower. Rowohlt Verlag 2016, 320 Seiten, 22,95 Euro.