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12:37 25.09.2019
„Shaun das Schaf - UFO-Alarm: Shaun, Bizzer und Timmy am Beginn eines großen neuen Abenteuers. Quelle: Studiocanal GmbH
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Göttingen

Der regnerische Herbst ist da. Zeit für einen Kinobesuch. Hoch hinaus ins All geht es für Shaun das Schaf in „UFO-Alarm“. Das zu Herzen gehende Drama „Der Distelfink“ mit starken Bildern und epischer Wucht dreht sich um die bewegende Frage nach Schicksal oder Zufall.

Der französische Regisseur François Ozon klagt in seinem aufrüttelnden Drama „Gelobt sei Gott“ die katholische Kirche an. Und Ralph Fiennes hat mit „Nurejew“ die Geschichte von Rudolf Nurejew verfilmt – von einem Künstler, der wusste, dass er ins Rampenlicht gehört.

Boyed Gaines als Mr. Barbour, Oakes Fegley als junger Theo Decker und Nicole Kidman als Mrs. Barbour (v. l.) in einer Szene des Films "Der Distelfink". Quelle: Warner Bros.

„Der Distelfink“ – Trauer, die nicht enden will

Das Drama „Der Distelfink“ über einen traumatisierten jungen Mann geht zu Herzen – und stellt die Frage nach Schicksal oder Zufall.

Ein einziger schrecklicher Moment kann ein Leben prägen und einen Menschen entwurzeln: Davon erzählt Regisseur John Crowley nach dem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman von Donna Tartt.

Der 13-jährige Theo (Oakes Fegley) verliert seine Mutter bei einem Bombenattentat im Museum, ein Sterbender gibt ihm einen Ring und bittet ihn, das kleine und sehr wertvolle Bild „Der Distelfink“ zu stehlen.

Nach Stationen bei einer Pflegefamilie (Nicole Kidman als Pflegemutter) und bei seinem Vater macht der junge Mann (gespielt nun von Ansel Elgort) Karriere als Antiquitätenhändler in New York. Doch dann durchrütteln Intrigen um das gestohlene Bild seine Existenz. Die Suche nach einem festen Platz im Leben bleibt trotz tiefer Freundschaften und auch Liebesbeziehungen erfolglos.

Trauer und Schuldgefühle definieren den Charakter eines Mannes, dem Hoffnung und Zukunft aufgrund der traumatischen Vergangenheit immer wieder entgleiten. Dieses zu Herzen gehende Drama mit starken Bildern und epischer Wucht dreht sich um die bewegende Frage nach Schicksal oder Zufall.

„Der Distelfink“, Regie: John Crowley, mit Ansel Elgort und Nicole Kidman, 150 Minuten, FSK 12, in Göttingen im Cinemaxx

 

Der französische Regisseur François Ozon klagt in dem aufrüttelnden Drama „Gelobt sei Gott“ die katholische Kirche an Quelle: Pandora Filmverleih

„Gelobt sei Gott“ – Ein monströses Schweigekartell

Im Wettlauf mit der Wirklichkeit: Der französische Regisseur François Ozon klagt in dem aufrüttelnden Drama „Gelobt sei Gott“ die katholische Kirche an – und mischt sich in einen noch nicht abgeschlossenen Missbrauchsfall ein.

Dieses Kinodrama hat es in sich: „Gelobt sei Gott“ ist eine gesellschaftspolitische Anklage, gedreht im Wettlauf mit der Wirklichkeit. Normalerweise hält sich das Kino aus laufenden Verfahren heraus. Wie soll man auch mit fertigem Drehbuch, knappem Budget und noch knapperer Drehzeit auf aktuelle Entwicklungen reagieren?

In diesem Fall aber wollte Regisseur François Ozon nicht warten. Für ihn war klar: Es war schon viel zu lange geschwiegen worden über den Missbrauch in der katholischen Kirche. Sein Film hat noch mehr Dringlichkeit als das auf wahren Begebenheiten beruhende Oscar-Drama „Spotlight“ (2015), in dem ein Journalistenteam die katholische Kirche in Boston in Bedrängnis brachte – denn bei Ozon sind die Opfer selbst die Aufklärer.

Bis in Details rekapituliert Ozon, wie die Opfer Jahrzehnte nach den Verbrechen den Mut aufbringen, sich zur Wehr zu setzen. In ihrem Namen zieht der Regisseur gegen ein Kartell zu Felde, in dem das Schweigen System hat.

„Gelobt sei Gott“: Dieser Stoßseufzer rutschte dem Erzbischof von Lyon, Philippe Barbarin, vor ein paar Jahren heraus. Die Missbrauchsfälle des Priesters Bernard Preynat aus den achtziger Jahren an etwa 70 Jungen seien verjährt, er müsse also nichts unternehmen. Dieser Plan ging nicht auf.

Alles beginnt im Film damit, dass der 40-jährige Familienvater Alexandre (Melvil Poupaud) zu seinem Schrecken entdeckt, dass sein einstiger Peiniger Preynat (Bernard Verley) noch immer in Amt und Würden ist – und ihm auch immer noch Minderjährige anvertraut werden. Alexandre will etwas unternehmen, Verjährungsfrist hin oder her: Schließlich muss er auch seine eigenen fünf Kinder schützen.

Alexandre ist gläubiger Katholik. Den immer wieder beteuerten Aufklärungswillen der Kirche möchte er zunächst nicht anzweifeln. Bloß dann passiert: nichts.

Melvil Poupaud (l) als Alexandre Guérin mit seiner Tochter in einer Szene des Films "Gelobt sei Gott". Quelle: Pandora Filmverleih

Irgendwann lässt sich Alexandre nicht mehr von Gesprächen abspeisen, in denen der Bischof (François Marthouret) ihn vertröstet und der Priester sich als Pädophiliekranker selbst als Opfer betrachtet. Diese Kirchenvertreter beten lieber mit dem Opfer, als dass sie Reue zeigen.

Alexandre begibt sich auf die Suche nach Mitgliedern aus der früheren Pfadfindergruppe Preynats, die ebenfalls missbraucht wurden. Schnell wird er fündig, doch stößt er nicht immer auf Rückendeckung: Auch manche Betroffene und deren Angehörige wollen die Vergangenheit nicht wieder aufwühlen.

Allmählich jedoch erwachen einige Opfer aus ihrer Erinnerungsstarre. Zusammen mit François (Denis Ménochet) und Emmanuel (Swann Arlaud) gründen die drei den Selbsthilfeverein „La Parole Liberée“ (Das befreite Wort).

Akribisch geht Ozon zu Werke, beinahe dokumentarisch und niemals sensationsheischend: Immer wieder werden Daten eingeblendet, aus E-Mails und auch aus Gerichtsakten wird vorgelesen. Der Gesprächsbedarf ist groß.

Atemlos springt Ozon von Opfertreffen zu Polizeiverhören und blendet auch dezent zurück ins Pfadfinderlager. Vom Missbrauch wird vorrangig aus der Erinnerung heraus erzählt – und dann brechen die längst erwachsenen Opfern in Tränen aus.

Nacheinander zeichnet Ozon die Schicksale nach. Jeder hat anders reagiert auf die durchlittene Pein. Dadurch ergibt sich die Anmutung eines Episodenfilms, was durchaus gewöhnungsbedürftig ist.

Doch verbirgt sich hinter dieser Erzählstrategie ein Sinn: Ozon besteht darauf, dass der Kinozuschauer die ganze Monstrosität des Schweigens und die daraus erwachsenden Folgen erkennt.

Eines aber haben alle Opfer gemeinsam: Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kostet sie viel. Verdrängter Schmerz kommt wieder hoch, Beziehungen drohen zu zerbrechen. Und wie halte ich es mit Gott, wenn dessen Vertreter auf Erden so viel Schuld auf sich laden? Hier steht ein ganzes System unter Anklage.

„Gelobt sei Gott“ hatte bei der Berlinale Premiere. Dort schilderten die Produzenten, wie schwer es gewesen sei, den Film zu finanzieren. Das Interesse ist groß: In Frankreich hatte das Drama rund eine Million Besucher. Der Verteidiger des angeklagten Priesters hatte versucht, den Kinostart zu verhindern. „Gelobt sei Gott“ wirkt über die Kinoleinwand hinaus in die Wirklichkeit.

Erzbischof Barbarin ist im März zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden und lässt sein Amt ruhen. Sein Rücktrittsangebot hat Papst Benedikt nicht akzeptiert, jedenfalls so lange das Urteil nicht rechtskräftig ist. Der Erzbischof ist in Berufung gegangen.

Ein Kirchengericht hat Pater Preynat im Juli des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen für schuldig befunden und ihn aus dem klerikalen Stand entfernt. Das Zivilverfahren gegen ihn steht noch aus.

Bereits im Vorjahr ist ein Gesetz in Frankreich in Kraft getreten: Die Verjährungsfristen für sexuelle Straftaten ist demnach von 20 auf 30 Jahre ab Erreichen der Volljährigkeit der Opfer angehoben worden.

„Gelobt sei Gott“, Regie: François Ozon, mit Melvil Poupaud, Denis Ménochet, Swann Arlaud, 138 Minuten, FSK 6

 

Ralph Fiennes als Alexander Pushkin und Oleg Ivenko als Balletttaenzer Rudolf Nurejew (re.) in dem Film "Nurejew – The White Crow Quelle: Alamode Film

Nurejew“ – Ein Russe tanzt im Kalten Krieg

Ballett als Thriller: Ralph Fiennes verfilmt mit „Nurejew“ die Geschichte von Rudolf Nurejew - von einem Künstler, der wusste, dass er ins Rampenlicht gehört.

Auf drei Zeitebenen erzählt Ralph Fiennes aus dem frühen Leben des legendären Tänzers Rudolf Nurejew (1938-1993). Neben den Lehrjahren am renommierten Choreographischen Institut in Leningrad und Rückblenden zu einer bettelarmen Kindheit in der russischen Provinz konzentriert sich Fiennes auf Nurejews erste Reise nach Paris. Das Leningrader Kirow-Ballett wird 1961 eingeladen, um die sowjetische Überlegenheit auf dem Gebiet des Balletts vorzuführen.

Es ist die heiße Zeit des Kalten Krieges, die Tänzer werden überwacht. Doch hält sich Nurejew nicht an Gesprächsverbote. Er taucht tief in die Kultur der westlichen Metropole ein und wird auf der Bühne gefeiert. Schließlich kommt es am Pariser Flughafen zum Showdown, als er nach Moskau ausgeflogen werden soll.

Vor den Augen der Presse spielt sich ein Geheimdienstkrimi ab, den der Schauspieler Fiennes („Schindlers Liste“, „Der englische Patient“) in seiner dritten Regiearbeit mit subtiler Hochspannung in Szene setzt und dabei die lauernde Aggressivität der Kalten-Kriegs-Ära freilegt. Mit dem Ukrainer Oleg Ivenko hat Fiennes einen unerfahrenen Schauspieler, aber versierten Balletttänzer gefunden – ein Glücksgriff. Mit beträchtlichem Leinwand-Charisma gelingt es Ivenko, die Anziehungskraft, die Selbstbezogenheit, die Lebensneugier und das atemberaubende Talent eines Mannes zu verkörpern, der weiß, dass er ins Rampenlicht gehört, wo ihm die Aufmerksamkeit der ganzen Welt gewiss ist.

Nurejew – The White Crow“, Regie: Ralph Fiennes, mit Oleg Ivenko, Ralph Fiennes, 127 Minuten, FSK 6

 

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Alles was Spaß macht, verbietet Bitzer: „Shaun das Schaf – UFO-Alarm“ startet am Donnerstag. Quelle: Studiocanal GmbH

„Shaun das Schaf“ – Wollknäuel im Weltall

Stop-Motion als Antriebskraft: „Shaun das Schaf“ erlebt ein außerirdisches Abenteuer, bei dem noch ein weiteres Knuddelwesen mit von der Partie ist. Shaun das Schaf hat bereits 24 Jahre auf seinem Wollebuckel, hat sich aber stets sein kindliches Gemüt bewahrt. Der kleine Knetkamerad startete 1995 als Statist in einer Folge von „Wallace & Gromit“ seine Medienkarriere, entwickelte sich zum Helden einer eigenen TV-Serie und stieg 2015 gar zum Kinostar auf. Allein in Deutschland wollten zwei Millionen Zuschauer die Abenteuer des Wollknäuels sehen.

Das Leinwanddebüt führte Shaun von der heimischen Mossy-Bottom-Farm in eine Stadt. Im zweiten Langfilm nun wird Shauns Aktionsradius weitaus größer. Da schwirrt das Schaf zeitweise im Weltall herum.

Zuvor treibt Schaun freilich mit seinen Artgenossen auf dem Hof allerhand Schabernack. Hütehund Bitzer kann neue Verbotsschilder gar nicht schnell genug aufstellen. Derweil landet ein Ufo in der Nähe von Mossy Bottom. An Bord ist ein Alienmädchen namens Lu-La, das mit dem Raumschiff seiner Eltern auf der Erde gestrandet ist – und von Shaun im Schafstall aufgestöbert wird.

Das Schaf freundet sich mit der jungen Außerirdischen an und will ihr helfen, zu ihrem Heimatplaneten zurückzukommen. Die Ufolandung ist jedoch nicht unbemerkt geblieben. Geheimagentin und Alienjägerin Red setzt alles daran, Lu-La mit Unterstützung ihrer nicht unbedingt hellen Gehilfen in ihre Hände zu bekommen.

Unschwer zu erkennen, dass sich die Story an Steven Spielbergs „E.T. – Der Außerirdische“ orientiert. Auch auf andere Science-Fiction-Filme wird kräftig angespielt. Hier klingt „2001: Odyssee im Weltraum“ an, da wird sich auf die „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ bezogen. Regierungsagentin Red wiederum könnte eine Kollegin der „Men in Black“ sein.

Auch junge Shaun-Fans, denen sich parodistische Kinoverweise eher nicht erschließen, haben Spaß. Der Film bietet reichlich Slapstick und neben dem Titelhelden eine weitere knuffige Knetfigur. Man muss das Alienmädchen Lu-La einfach mögen. Und dann kann Lu-La auch noch Stimmen imitieren und verfügt über telekinetische Fähigkeiten. Die Filmemacher haben ihr eine gelungene Mischung aus Unschuld und Vorwitzigkeit mitgegeben.

Vor den Knetmeistern der Aardman-Studios kann man nur den Hut ziehen. Sie haben einmal mehr ein ansehnliches und mit 70 verschiedenen Sets auch komplexes Werk in Stop-Motion-Technik auf die Beine gestellt. Die Geschichte vermittelt sich ohne Worte allein über Bilder und Geräusche.

Die Nebenhandlung, in der sich der Mossy-Bottom-Bauer das ausgebrochene Ufofieber mit der Errichtung eines „Farmageddon“ genannten Themenparks zunutze machen will, lenkt ein wenig vom roten Faden ab. Immerhin fallen ein paar nette Gags ab – und der Park spielt noch eine wichtige Rolle: beim aufregenden Actionfinale, nach dem das „Farmageddon“-Premierenpublikum zu Recht applaudiert – und auch etwas gerührt ist.

„Shaun das Schaf – Der Film: Ufo-Alarm“, Regie: Richard Phelan, Will Becher, 86 Minuten, FSK 0, in Göttingen im Cinemaxx, in der Duderstadt in der Movietown, in Northeim in der Neuen Schauburg

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