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Regional Diese Filme laufen ab Donnerstag in den Kinos in und um Göttingen
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15:10 28.08.2019
Die Schauspielerin Emma Thompson in dem Film "Late Night". Quelle: epd
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Göttingen

Satire, Spannung und Spaß bietet das Kinoprogramm in Göttingen und der Region ab dieser Woche. Dazu zeigt das Lumière wieder drei Filme im Open-Air-Kino am Brauweg. Die Kinofilme für diese Woche im Überblick:

Mittelalt, weiß, Frau

Katherine Newbury hat es geschafft: Seit fast drei Jahrzehnten ist sie Gastgeberin ihrer eigenen Late-Night-Show im US-Fernsehen. Sage und schreibe 43 Emmys verstauben bei ihr zu Hause in den Regalen. Sie ist da, wo sonst nur Männer in der Unterhaltungsindustrie ankommen.

Ach ja, Newbury ist eine erfundene Figur: In den USA – und genauso wenig bei uns – gibt es bis heute keine Late-Night-Talkerin ihres Ranges. Ein „funkelndes Einhorn“ hat die „New York Times“ diese Frau in ihrer Filmkritik amüsiert beschrieben, um sogleich hinzuzufügen, dass der in dieser Komödie zur Schau getragene Sexismus der Wirklichkeit wohl ziemlich nahekommen dürfte.

Newbury (Emma Thompson) ist denn auch schlimmer als jeder männliche Chef – und vielleicht gerade deshalb ganz oben. Unter ihren Gagschreibern gibt es keine einzige Frau, und bei ihren männlichen Untergebenen ist sie gefürchtet.

Fordert einer eine Gehaltserhöhung mit Verweis auf seine größer gewordene Familie, wird er umstandslos gefeuert. Die kuriose Begründung der Chefin: Der Mann sei Sexist, keine leistungsbewusste Frau würde heute noch mit Kindern argumentieren.

Zynismus ist Newburys Überlebensstrategie im knallharten Mediengeschäft. Die Namen ihrer Mitarbeiter kann sie sich nicht merken – und hat diese deshalb der Einfachheit halber durchnummeriert. Sie wechseln ja sowieso ständig oder sterben, ohne dass sie dies auch nur bemerken würde.

Man könnte sagen: Newbury ist in ihrem Denken und Handeln ein alter, weißer Mann – nur eben im Körper einer mittelalten, weißen Frau. Emma Thompson spielt diese Talk-Lady mit großer Lust an der Beleidigung ihrer Mitmenschen und mit der Überheblichkeit eines Bosses, der sich für unersetzlich hält.

Emma Thompson (M) als Katherine Newbury in einer Szene des Films "Late Night - Die Show ihres Lebens". Quelle: eOne Germany

Allein ihre „herrische“ Garderobe ist ein Beweis für ihre Arroganz – und für die Zuschauer ein Augenschmaus. In welchem Kostüm wird sie wohl gleich wieder hereinrauschen?

Doch ihre Selbstgefälligkeit könnte sich jetzt rächen: Newburys Zeit droht abzulaufen. Die Senderchefin will die Veteranin aus dem Fernsehstudio verbannen und durch einen jüngeren, männlichen Spaßmacher ersetzen, der auch etwas von den sozialen Medien versteht.

Noch einmal erwachen Newburys Kampfinstinkte, angefeuert von ihrem parkinsonkranken Pianisten-Ehemann (John Lithgow) zu Hause: „Solange das Publikum dich liebt, bist du unersetzlich.“

Newbury will eine Alibifrau an Bord holen. „Reicht nicht auch ein Schwuler?“, fragt ihr genervter Produktionschef (Denis O’Hare). Nein, reicht Newbury nicht: Aus Mangel an Kandidatinnen wird vom Fleck weg die indischstämmige Molly (Mindy Kaling) angeheuert, bis dahin in einer Chemiefabrik in Pennsylvania tätig – als Qualitätskontrolleurin.

Ein frischer Blick von außen auf die Inhalte ihrer angestaubten Show kann Newbury nicht schaden. Nur schade, dass sie Kritik der neuen Mitarbeiterin an ihrer Person nicht erträgt.

Liberal, engagiert und viel gefragt: Emma Thompson

Man mag es kaum glauben: Mitte April ist Emma Thompson 60 geworden – aber eigentlich spielt das Älterwerden für die Britin keine Rolle. Sie gehört zu den wenigen Schauspielerinnen, für die Jahreszahlen keine Jobhürde darstellen. Ihr flattern viele Angebote ins Haus. Vor Kurzem war sie im vierten „Men in Black“-Film zu sehen, und auch für die romantische Weihnachtskomödie „Last Christmas“ (Start: Mitte November) ist sie gebucht.

In ihrem Fall war die Berufswahl alles andere als überraschend: Emma Thompson wurde 1959 als Tochter zweier Schauspieler geboren. Sie wuchs in einer liberalen Familie auf. Als Schülerin demonstrierte sie gegen Atomwaffen, sie unterstützte Bergleute bei ihren Streiks und engagierte sich für Greenpeace. Vor drei Jahren bespritzte sie ein wütender Bauer bei einer Anti-Fracking-Demo im englischen Lancashire mit Gülle.

James Ivorys Romanverfilmung „Wiedersehen in Howards End“ (1992) brachte Thompson Golden Globe und Oscar ein. Den zweiten Oscar erhielt sie für ihr Drehbuch zu „Sinn und Sinnlichkeit“ (1995). Damit hatte sich erstens definitiv ihr Englischstudium in Cambridge gelohnt (wo sie nebenbei mit Stephen Fry und Hugh Laurie in Sketchen auftrat), und zweitens war so ein Doppelschlag noch niemandem gelungen. Unvergesslich dürfte Thompson auch durch „Harry Potter“ sein: Sie spielte die exzentrische Hogwarts-Lehrerin Sybill Trelawney. Wahlfach: Wahrsagen.

Rasiermesserscharfe Dialoge durchziehen die Komödie „Late Night“ der kanadischen Regisseurin Nisha Ganatra, die sich mit der TV-Serie „Better Things“ einen Namen gemacht hat. Mit erfrischender Bösartigkeit verkörpert Emma Thompson ihre Figur – und diese entwickelt bei ihrem Versuch, die Liebe des Publikums zurückzugewinnen, sogar Selbstironie: „Ich bin so alt wie Tom Cruise. Aber während er immer noch gegen Monster kämpfen darf, bin ich inzwischen das Monster.“

Nur vertragen sich so viele Spitzen – ausgeteilt vornehmlich gegen andere – schlecht mit der Verwandlung, die Thompsons Figur in gut eineinhalb Kinostunden in dieser Satire abverlangt wird: Newburys Charakter macht eine Runderneuerung durch, sie entdeckt nach Jahrzehnten der selbstgewissen Ruppigkeit plötzlich ihre sozialen Fähigkeiten. Die neue Mitarbeiterin Molly holt all das Gute aus ihrer Chefin hervor, von dem diese bis dahin vermutlich gar nicht wusste, dass es in ihr schlummert.

Schauspielerin Mindy Kaling hat auch das Drehbuch verfasst. Sie kennt sich als Kopf hinter der Comedyserie „The Mindy Project“ bestens aus in der Branche – auch wenn sie zwischen all den männlichen Duckmäusern unwahrscheinlich viel Selbstbewusstsein an den Tag legt.

Nichtsdestotrotz: Männer im Showgeschäft sollten sich hier ganz klein im Kinosessel machen. Man kann verstehen, dass der Streamingdienst Amazon die Rechte für den beschwingten Film gleich nach dessen Premiere in Sundance kaufte – für 13 Millionen US-Dollar, ein Rekordpreis bei dem von Robert Redford gegründeten Festival, das dem Kino außerhalb des immer langweiliger werdenden Studiosystems eine Bühne bietet.

Die Pointe in der Satire „Late Night“ ist nur konsequent: Newbury gerät in die Mühlen der #MeToo-Debatte – aber nicht aufseiten der Opfer.

Late Night“, Regie: Nisha Ganatra, mit Emma Thompson, Mindy Kaling, 102 Minuten, FSK 0, cinemaxx Göttingen, Schiller-Lichtspiele Hann. Münden

Aus dem Innenleben einer Spionin

Fernab von allem James-Bond-Glamour legt der israelische Regisseur Yuval Adler seinen Spionagethriller „Die Agentin“ an. Kein omnipotenter Alleskönner im Smoking steht im Zentrum des Films, sondern eine Frau, die eher zufällig im Geheimdienstmilieu landet. Mal hier, mal dort hat Rachel (Diane Kruger) gelebt, bevor sie in Israel – dem Heimatland ihrer früh verstorbenen Mutter – Fuß fasste. Gerade aufgrund ihrer fehlenden familiären Bindungen gerät die vereinsamte Kosmopolitin ins Visier des israelischen Geheimdienstes.

Der in Leipzig lebende britische Jude Thomas Hirsch (Martin Freeman, „Der Hobbit“) wird vom Mossad beauftragt, die junge Frau als Agentin anzuwerben. Rachel sieht eine Chance, ihrem dahindriftenden Dasein einen Sinn zu geben, und willigt ein, getarnt als Englischlehrerin in den Iran zu reisen. Einen konkreten Auftrag hat sie zunächst nicht.

Erst einmal geht es darum, in Teheran eine glaubwürdige Existenz aufzubauen. Es ist ein langwieriger Prozess, sich in den Alltag des fremden Landes einzuarbeiten, die gefälschte Identität zur eigenen Persönlichkeit werden zu lassen und ohne Angst, entdeckt zu werden, einzuschlafen. Der Zustand dauernder Selbstverleugnung unterminiert allerdings das eigene Sein.

Schließlich wird Rachel auf den Ingenieur Farhad (Caz Anvar) angesetzt. Dessen Firma versucht, der Mossad defekte und verwanzte Computertechnologie zum Atombombenbau unterzujubeln. Dass Rachel sich auf eine Affäre mit der Zielperson einlässt, gehört allerdings nicht zum Plan. Als verantwortlicher Kontaktmann fällt es Thomas zunehmend schwerer, seine Agentin zu kontrollieren.

Adler geht es in seinem zweiten Film nicht um wilde Action und illustres Ambiente. Er konzentriert sich auf die weibliche Perspektive und die psychologischen Aspekte des Berufsstandes: Er schildert die Einsamkeit, die mit einem Undercover-Einsatz einhergeht, sowie das komplexe emotionale Abhängigkeitsverhältnis zwischen Agentin und Kontaktmann, der ebenfalls in Loyalitätskonflikte gerät.

Die Schauspieler Diane Kruger und Martin Freeman in dem Film "Die Agentin". Quelle: Weltkino Filmverleih

Adler kann auf kompetentes Insiderwissen zurückgreifen. Der Autor der Romanvorlage, Yiftach Reicher Atir, war über Jahrzehnte als Brigadegeneral beim israelischen Geheimdienst tätig. So lebt „Die Agentin“ ein wenig vom John-le-Carré-Effekt und kann mit einer authentischen Innenansicht aus dem Spionagegeschäft punkten.

Doch gelingt es Adler nicht, aus diesem Kapital eine spannungsgeladene Story zu entwickeln. Die konventionelle Rückblendendramaturgie kann die lahme Plotkonstruktion nur notdürftig verschleiern, und auch im Zusammenspiel der Charaktere fehlt es an Dynamik. Diane Kruger hat in Fatih Akins NSU-Drama „Aus dem Nichts“ bewiesen, dass sie einen Film allein tragen kann. Hier gelingt es ihr nicht, sich aus der indifferenten Figurenzeichnung des Drehbuches herauszuarbeiten. Dem Film fehlen die emotionale Anbindung und die notwendige Suspense.

„Die Agentin“, Regie: Yuval Adler, mit Diane Kruger, Martin Freeman, 116 Minuten, FSK 12, cinemaxx Göttingen

Mach mir den Wikinger!

Was dem einen Spielzeughersteller recht ist, ist dem anderen billig. Und so kommt nun ein Playmobil-Film in unsere Kinos, der nach ähnlicher Rezeptur zusammengesetzt ist wie die beiden „Lego Movies“ – inklusive Kinoreferenzen, Musicaleinlagen und einer Realfilm-Rahmenhandlung.

Die 18-jährige Marla muss sich nach dem Unfalltod ihrer Eltern um ihren jüngeren Bruder Charlie kümmern. Bei einer Spielzeugmesse werden die beiden in das Playmobil-Universum gezogen, in dem sie sich als Figuren wiederfinden. Schnell gerät der in einen Wikinger verwandelte Charlie in die Gefangenschaft des konstantinopolischen Kaisers Maximus. Schwester Marla begibt sich auf Rettungsmission.

Optisch braucht „Playmobil“ den Vergleich mit der Konkurrenz nicht zu scheuen. Die Animatoren um den Regisseur und Ex-Disney-Mann Lino DiSalvo haben ansehnliche Arbeit geleistet. Die Zitate aus „Star Wars“ oder „James Bond“ aber sind längst nicht so pfiffig wie bei den „Lego Movies“. Bei der Story scheint die Devise gewesen zu sein, möglichst viele Unternehmensprodukte zu präsentieren. Zudem beschweren die Autoren ihr Drehbuch mit dem Tod der Eltern unnötig.

Playmobil – Der Film“, Regie: Lino DiSalvo, 99 Minuten, FSK 0, cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Central-Lichtspiele Herzberg

Filme im Open-Air-Kino im Freibad Brauweg

„Green Book“

Die USA im Jahr 1962: Dr. Don Shirley ist ein begnadeter, schwarzer Pianist und geht auf eine Tournee, die ihn aus dem verhältnismäßig toleranten New York bis in die rassistisch geprägten amerikanischen Su?dstaaten fu?hrt. Als Fahrer engagiert er den Italo-Amerikaner Tony Lip, der sich bislang mit Gelegenheitsjobs u?ber Wasser gehalten hat. Während der langen Fahrt, bei der sie sich am sogenannten ‚Negro Motorist Green Book’ orientieren, in dem die wenigen Unterkünfte und Restaurants aufgelistet sind, in denen auch schwarze Gäste willkommen sind, entwickelt sich langsam eine Freundschaft zwischen den beiden sehr gegensätzlichen Männern. r

„Green Book“ (OmU), Regie: Peter Farrelly, mit Viggo Mortensen, Mahershala Ali, 130 Minuten, FSK 6, Donnerstag, 29. August, 21 Uhr

„303 - Die Liebe und das Leben“

Jan ist davon überzeugt, dass der Mensch von Natur aus egoistisch ist. Deswegen ist er auch nicht weiter überrascht, als ihn in Berlin seine Mitfahrgelegenheit versetzt. Jule hingegen glaubt, dass der Mensch im Kern empathisch und kooperativ ist, und bietet Jan einen Platz in ihrem „303“-Oldtimer-Wohnmobil an. Beide sind unterwegs Richtung Atlantik. Jan will nach Spanien, um seinen leiblichen Vater kennenzulernen, Jule zu ihrem Freund nach Portugal. Eigentlich soll die gemeinsame Fahrt in Köln enden, doch mit jedem Kilometer eröffnet sich etwas mehr von der Welt des Anderen. Macht der Kapitalismus den Menschen zum Neandertaler? Führt Monogamie ins Unglück und kann man sich aussuchen, in wen man sich verliebt? Die beiden durchqueren Frankreich und erreichen Spanien, ihre fesselnden Gespräche werden immer persönlicher. Und es fällt ihnen immer schwerer, sich nicht ineinander zu verlieben.r

„303 - Das Leben und die Liebe“, Regie:Hans Weingartner, mit Anton Spieker, Mala Emde, Caroline Erikson, 139 Minuten, FSK 12, Freitag, 30. August, 21 Uhr

„Bohemian Rhapsody“

1970 gründen Freddie Mercury und seine Bandmitglieder Brian May, Roger Taylor und John Deacon die Band „Queen“. Schnell feiern die vier erste Erfolge und produzieren bald Hit um Hit, doch hinter der erfolgreichen Bandfassade gibt es bald Probleme: Freddie Mercury, der mit bürgerlichem Namen Farrokh Bulsara heißt und aus dem heutigen Tansania stammt, kämpft mit seiner inneren Zerrissenheit und versucht, sich mit seiner Homosexualität zu arrangieren.Schließlich verlässt Mercury „Queen“, um eine Solokarriere zu starten. Doch er muss schon bald erkennen, dass er ohne seine Mitstreiter aufgeschmissen ist. Obwohl er mittlerweile an AIDS erkrankt ist, gelingt es ihm, die Bandmitglieder noch einmal zusammenzutrommeln und beim Live Aid einen grandiosen Auftritt auf die Bühne zu zaubern, der in der Musikgeschichte legendär ist.r

„Bohemian Rhapsody“, Bryan Singer, mit Rami Malek, Gwilym Lee, Lucy Boynton, 135 Minuten, FSK 6, Sonnabend, 31. August, 21 Uhr

Von Stefan Stosch/Martin Schwickert/Jörg Brandes

Die Torhaus-Galerie am alten Stadtfriedhof startet mit einer Werkschau der Göttinger Malerin Anne Schleevoigt in die zweite Jahreshälfte. Die Ausstellung wird am Freitag, 30. August, um 17 Uhr eröffnet.

27.08.2019

Schriftsteller Axel Hacke gastiert erneut im Deutschen Theater Göttingen. Am 14. Januar 2020 unterhält er das Publikum mit seinem neuen Programm: „Hacke liest und erzählt.“ Beginn ist um 19.45 Uhr.

27.08.2019

Die Galerie Alte Feuerwache und der Künstler Jens Thiele eröffnen am Sonntag, 1. September, die Ausstellung „Der stille Augenblick“. Die Schau mit den Collagen wird um 12 Uhr eröffnet.

27.08.2019