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Regional Diese Filme laufen ab Donnerstag in den Kinos in und um Göttingen
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13:00 30.10.2019
Frederick Lau als Simon, Jessica Schwarz als Eva, Florian David Fitz als Pepe, Karoline Herfurth als Carlotta, Wotan Wilke Möhring als Rocco, Elyas M'Barek als Leo und Jella Haase als Bianca in einer Szene des Films "Das perfekte Geheimnis" Quelle: constantin film Verleih
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Göttingen

Lachen oder Gruseln – in dieser Woche ist im Kino beides möglich. Mit der Komödie „Das perfekte Geheimnis“ gelingt Regisseur Bora Dagtekin die Balance zwischen Unterhaltsamkeit und Tiefe. Spannung verspricht der Thriller „Scary Stories to Tell in the Dark“. Alle Kinostarts in Göttingen und der Region im Überblick:

Flugschreiber unseres Lebens

In drei Folgen „Fack Ju Göhte“ hat Regisseur Bora Dagtekin insgesamt 20,7 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt und seine Pennäler ins Happy Abi-End geführt. Dann stellte sich auch für ihn die Frage, wie das Leben nach der Gesamtschule weitergeht. Mit „Das perfekte Geheimnis“ bleibt er der Komödie treu, begibt sich aber in einen anderen sozialen Mikrokosmos: Schluss mit prolligen Jugendlichen, hinein ins bürgerliche Establishment.

Austragungsort des Kammerlustspiels ist eine noble Münchner Dachgeschosswohnung, in die Schönheitschirurg Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Psychologin Eva (Jessica Schwarz) zum Abendessen geladen haben. Rocco kocht gern und schlecht. Aber das ist okay: Mit seinen Freunden Leo (Elyas M’Barek), Pepe (Florian David Fitz) und Simon (Frederick Lau) hat er in der dritten Klasse einen blutsbrüderlichen Treueschwur abgelegt.

Am Tisch sitzen auch Leos Ehefrau Carlotta (Karoline Herfurth) sowie Bianca (Jella Haase), die als Simons Verlobte erst kürzlich in den Freundeskreis aufgenommen wurde. Bei allen anderen ist die langjährige Vertrautheit spürbar. Hier zeigt sich erneut Dagtekins Talent fürs Dialogische. Im gut geölten Schlagabtausch werden die Beziehungen skizziert – erste Konfliktlinien tun sich auf. Da sitzt man gern als unsichtbarer Gast mit am Tisch.

Irgendwann kreist das Gespräch um die Omnipräsenz von Smartphones. „Das sind die Flugschreiber unseres Lebens“, sagt Eva und schlägt ein Spiel vor: Alle legen ihr Mobiltelefon auf den Tisch. Jede eintreffende Nachricht wird sofort vorgelesen und jeder Anruf auf Lautsprecher gestellt. Eine solche Transparenz dürfte unter Freunden doch wohl kein Problem sein.

Mit deutlichem Unbehagen lassen sich die sieben Freunde auf den Vorschlag ein. Schön, dass wir da nicht mitmachen müssen und dennoch zusehen können, wie mit jeder SMS und jedem Anruf immer neue Wahrheiten ans Licht kommen.

Die Idee von „Das perfekte Geheimnis“ stammt aus der italienischen Komödie „Perfetti sconosciuti“, die sich zum Exportschlager entwickelte. Die Rechte wurden nach Spanien, Frankreich, Griechenland, Korea, China und in andere Länder verkauft.

Dagtekin hat den Stoff mit sicherem Gespür im deutschen Hier und Jetzt vernetzt. Da geht es nicht nur um heimliche Affären, sondern auch um das Rollenverständnis von Männern und Frauen im #MeToo-Zeitalter, elterliche Verantwortung, Karrieredruck und Homophobie.

Mit leichter Hand und beherzt aufspielendem Ensemble inszeniert Dagtekin die hochdramatische Gruppendynamik. Nur punktuell sackt der Humor auf „Fack Ju Göhte“-Niveau, wenn etwa über die Gemächtgröße eines Ex-Liebhabers diskutiert wird. Insgesamt stimmt die Balance zwischen Unterhaltsamkeit und Tiefe. Auf das Massen-Happy-End hätte man allerdings getrost verzichten können.

„Das perfekte Geheimnis“, Regie: Bora Dagtekin, mit Elyas M’Barek, Florian David Fitz, Karoline Herfurth, 118 Minuten, FSK 12

In diesen Kinos zu sehen: Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Neue Schauburg Northeim, Schiller Lichtspiele Hann. Münden, Central Lichtspiele Herzberg

Die Monster sind echte Handarbeit

Es ist nicht die klügste Idee, zu Halloween in ein Spukhaus einzudringen. Und doch begibt sich eine Gruppe Jugendlicher um die introvertierte Stella just am Gruselfeiertag in eine leer stehende Villa. Dort rumort der rachsüchtige Geist einer gewissen Sarah, die Stellas Familie einst weggesperrt hatte. Das Grauen folgt wie bestellt – nach und nach werden all die Horrorgeschichten wahr, mit denen sich Sarahs Notizbuch selbsttätig gefüllt hat.

Pate gestanden hat eine mit Kurzgeschichten gefüllte Buchreihe von Alvin Schwartz. Das Skript verknüpft einige der „Scary Stories“ mit einem Handlungsfaden, der zwar nicht übermäßig originell ist, aber den Zuschauer doch an die Teenagerfiguren bindet. Zudem atmet der von Guillermo del Toro mitproduzierte Film Retrocharme – und das nicht nur, weil er 1968 in einer US-Kleinstadt spielt. Auch einige der Monster sind noch echte Handarbeit.

Regisseur André Övredal versteht es ausgezeichnet, das absehbare Ende für seine Opfer spannungsfördernd hinauszuzögern. Und siehe da: Man kann Gänsehaut auch ohne Splattereffekte erzeugen.

„Scary Stories to Tell in the Dark“, Regie: André Övredal, mit Zoe Colletti, Michael Garza, 109 Minuten, FSK 16

In diesen Kinos zu sehen: Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld

Lawine des Widerstands

Alexandre lebt mit Frau und Kindern in Lyon. Eines Tages erfährt er per Zufall, dass der Priester, von dem er in seiner Pfadfinderzeit missbraucht wurde, immer noch mit Kindern arbeitet. Er beschließt zu handeln und bekommt bald Unterstützung von zwei weiteren Opfern, François und Emmanuel. Gegenseitig geben sie sich Kraft und kämpfen gemeinsam dafür, das Schweigen, das über ihrem Martyrium liegt, zu brechen. Ihr Widerstand formiert sich und wird zu einer Lawine, die am Ende nicht mehr aufzuhalten ist. r

„Gelobt sei Gott“ OmU, Regie: François Ozon, mit Alexandre Guérin, François Debord, Emmanuel Thomassin, 137 Minuten, FSK 6, im Lumière

Horrortrip zur Sommersonnenwende

Alle 90 Jahre feiern die Bewohner eines verschlafenen schwedischen Dorfes die Sommersonnenwende. Ganze neun Tage lang halten die Feierlichkeiten an, die mit den altbekannten, traditionellen Festivitäten der Region allerdings nur wenig gemeinsam haben. Das weckt Christians Neugier, der unbedingt an „Midsommar“ teilnehmen will und dafür auch gemeinsam mit seiner Freundin Dani extra die weite Reise ins skandinavische Hinterland auf sich nimmt. Ohne eine wirkliche Ahnung davon zu haben, was sie dort überhaupt erwartet, müssen die beiden allerdings schon kurz nach ihrer Ankunft feststellen, dass hier irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Statt fröhlicher Tänze und Blumenpflücken stehen nämlich unheimliche, groteske Rituale auf dem Programm, die den vermeintlich romantischen Urlaub zu einem Horrortrip werden lassen. Wo ist das junge Paar hier nur reingeraten? r

„Midsommar“ OmU, Regie: Ari Aster, mit Florence Pugh, Jack Reynor, Will Poulter, 147 Minuten, FSK 16, im Lumière

M. C. Eschers Werk

Treppen, die gleichzeitig aufsteigen und hinabgehen, um sich in einem Kreis zu verbinden. Figuren, die sich in 2D-Schablonen verwandeln, um wieder plastisch zu werden. Paradoxe Landschaften und surreale Stadtszenen. Metamorphosen, in denen sich Vögel zu Fischen und wieder zu Vögeln transformieren - M. C. Eschers Werk fasziniert Millionen von Fans. Der niederländische Grafiker (1898-1972) inspiriert auch heute noch Filmemacher, Maler und Musiker gleichermaßen. r

„M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit“, Regie: Robin Lutz, Erzähler: Matthias Brandt, 80 Minuten, FSK 0.A., im Lumière

Von Martin Schwickert/Jörg Brandes/r

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