Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Diese Filme laufen in den Kinos an
Nachrichten Kultur Regional Diese Filme laufen in den Kinos an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:18 08.01.2020
Laila Marie Noelle Padotzke als Flame in einer Szene des Films "Vier zauberhafte Schwestern". Quelle: -/Walt Disney Germany/dpa
Anzeige
Göttingen

Diese Filme laufen in dieser Wochen in den deutschen Kinos an: In dem Kinodrama „Queen & Slim“ vermischt sich Fluchtdrama und Rassismus in den USA. Das flüchtende Paar wird von der schwarzen Community zu Helden erklärt, deren Geschichte Regisseurin Melina Matsoukas als mythische Reise inszeniert. In dem Fantasyfilm „Vier zauberhafte Schwestern“ dreht sich alles um eine Zauberquelle. Die Story um die vier Schwestern mit einer überkandidelten Katja Riemann ist zwar schwach, dafür sind die Effekte prima. „Milchkrieg in Dalsmynni“ heißt ein Kinodrama aus Island. kämpft eine Frau gegen Machtstrukturen.

Regisseur Grímur Hákonarson zeigt wie schon in „Sture Böcke“ starkes Kino aus Island. Die Figuren sind hier so ambivalent, wie das Thema Landwirtschaft komplex ist. In dem Horrorthriller „The Grudge“ geht es um ein Haus, in dem eine böse übernatürliche Einheit ihr Unwesen treibt, ein Haus, das niemand unbeschadet betritt.

Helden der schwarzen Community: Slim (Daniel Kaluuya) and Queen (Jodie Turner-Smith). Quelle: R

„Queen & Slim“: Die Rettung liegt im Süden 

Das erste Date verläuft wenig vielversprechend. Über die Onlineplattform Tinder haben sich die beiden in einem Schnellrestaurant in Cleveland verabredet. Queen (Jodie Turner-Smith), die Strafverteidigerin, hat gerade einen Prozess verloren und kann den ungelenken Smalltalk-Versuchen des Warenhausangestellten Slim (Daniel Kaluuya) wenig abgewinnen.

 

Wahrscheinlich würden sich die beiden nie wiedersehen, aber dann geraten sie in eine Verkehrskontrolle. Das kann für Afroamerikaner in den USA schnell zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit werden.

Der Polizist zieht eine Waffe

Slim muss aus dem Wagen steigen und die Hände aufs Dach legen. Als Queen die Szene mit dem Smartphone filmen will, zieht der Polizist die Waffe und schießt ihr ins Bein. Im Kampf löst sich ein weiterer Schuss, der den Cop tödlich trifft.

Abhauen oder den Rest des Lebens hinter Gittern verbringen – so fasst Rechtsanwältin Queen die Handlungsoptionen nüchtern zusammen. Und so begeben sich die beiden auf die Flucht Richtung Süden, wo sie in Florida auf eine Überfahrt nach Kuba hoffen. Schnell ist der Vorfall in den Medien und das Video, das mit der Autokamera des Beamten aufgenommen wurde, geht viral. Während die Polizei im ganzen Land sie sucht, steigen die Flüchtigen in der schwarzen Community zu Volkshelden auf.

Als afroamerikanische Version von „Bonnie & Clyde“ werden die beiden bezeichnet. Die filmgeschichtlichen Referenzen, auf die Melina Matsoukas mit ihrem herausragenden Kinodebüt anspielt, sind weiter gestreut. Ihr Drama steht auch in einer Reihe mit klassischen Flucht-Roadmovies wie „Thelma & Louise“ (1991) und „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ (1969). Das Genre bettet die Regisseurin in die „Black Lives Matter“-Kampagne ein – und bietet noch weit mehr.

Matsoukas inszeniert die Flucht zunehmend als mythische Reise, die vom Norden in die Südstaaten und damit in die umgekehrte Richtung angetreten wird, die entflohene Sklaven einst einschlugen. Die Überlebensfrage aber lautet auch hier: Wem kann man vertrauen?

Normalität für die Dauer eines Songs

Diese Ungewissheit lässt sich nicht immer anhand der ethnischen Zugehörigkeit klären. „Hier seid ihr sicher“ flüstert die Kellnerin in einer Bluesbar, in der nur Schwarze verkehren. Zumindest für einen Song lang können Queen und Slim in eine frisch verliebte Normalität abtauchen, die ihnen für immer genommen wurde.

Mit ungeheurem Stilwillen inszeniert Matsoukas, die durch das provokanten Musikvideo zu Beyoncés „Formation“ bekannt wurde, ihr politisches Roadmovie, das differenziert über den rassistischen Status Quo der amerikanischen Gesellschaft meditiert und gleichzeitig eine bewegende Liebesgeschichte erzählt.

Daniel Kaluuya („Get Out“) und die britische Newcomerin Jodie Turner-Smith spielen sowohl in den hochdramatischen als auch in den leisen Momenten der Annäherungen mit enormer Intensität.

„Queen & Slim“, Regie: Melina Matsoukas, mit: Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith, 132 Minuten, FSK 12. In Göttingen im Cinemaxx

Hedda Erlebach als Marina, Laila Marie Noelle Padotzke als Flame, Lilith Julie Johna als Flora und Leonore von Berg als Sky (v.ln.r.) in einer Szene des Films „Vier zauberhafte Schwestern“. Quelle: Walt Disney Germany

„Vier zauberhafte Schwestern“: Glenda spuckt Kröten

Normale Schwestern sind die vier nur auf den ersten Blick. Tatsächlich verfügen sie über magische Kräfte. Flame, Marina, Flora und Sky beherrschen die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft.

Als die vier im Keller der Villa, in der sie mit ihren Eltern wohnen, eine alte Elbenstaubquelle reaktivieren, ruft das die gemeine Gunda auf den Plan. Die will sich den Quellenzauber selbst zunutze machen, um damit Schindluder zu treiben – und versucht, einen Keil zwischen das Quartett zu treiben.

So einfach, wie die magischen Fähigkeiten den Schwestern mit den sprechenden Namen zuzuordnen sind, so leicht durchschaubar entwickelt sich die Geschichte, die auf Sheridan Winns Mädchenbuchreihe „The Sprite Sisters“ basiert. Die dominante Flame muss lernen, sich kooperativer zu verhalten. Und am Ende wird alles gut.

Mehr als mit der Story überzeugt der Fantasyfilm mit Schauwerten. Dazu zählt das muntere Spiel der vier Nachwuchsaktricen – nicht in jedem Fall hingegen die arg überkandidelten Auftritte von Katja Riemann als Antagonistin Glenda, die Kröten spuckt, wenn sie sich aufregt.

„Vier zauberhafte Schwestern“, Regie: Sven Unterwaldt, mit Laila Marie Noelle Padotzke, Leonore von Berg, Katja Riemann, 93 Minuten, FSK 0. In Duderstadt in der Movietown Eichsfeld, in Göttingen im Cinemaxx und der Kinowelt Herzberg.

 

Arndís Hrönn Egilsdóttir als Inga in einer Szene des Films „Milchkrieg in Dalsmynni“. Quelle: Alamode Film

Milchkrieg in Dalsmynni“: Kriegerin im Kuhstall

Dass die Welt nicht so heil ist, wie sie im abgelegenen Norden Islands sein sollte, sieht man gleich. Die besorgte Miene von Bauer Reynir, der mit Ehefrau Inga eine hoch verschuldete Milchfarm betreibt, spricht ebenso Bände wie das Getuschel über den Kollegen, der von der örtlichen Genossenschaft geschnitten wird, seit er seine Düngemittel billiger anderswoher bezieht. Als Reynir bei einem dubiosen Autounfall stirbt, spürt Inga den Machenschaften nach.

Eine Frau von stoischer Hartnäckigkeit

Wie schon in „Sture Böcke“ (2015) zeigt Regisseur Grímur Hákonarson auch in „Milchkrieg in Dalsmynni“ den Kampf des Individuums gegen aus dem Ruder gelaufene Machtstrukturen. Inga ist eine Heldin, die von der Trauer in den Zorn wächst und dann wie ferngesteuert ihr Ziel verfolgt – eine neue, faire Kooperative will sie gründen. Arndís Hrönn Egilsdóttir entwickelt die wortkarge Bäuerin zur Kriegerin von stoischer Hartnäckigkeit.

In engen Räumen und leerer Landschaft wird die Einsamkeit der Heldin in Szene gesetzt, die sich von der Genossenschaft nicht einschüchtern lässt. Oft sind die Bilder brutal realistisch wie in einer Doku: Die Natur ist unerbittlich und die Landwirtschaft entfremdet – Inga steuert den Stallbetrieb per Computer.

Dabei sind die Figuren so ambivalent, wie das Thema komplex ist – als reine Bösewichte taugen die Genossenschaftler, die einst einen gerechten Kampf gegen die Übermacht der Städter ausfochten, eben nicht. Auch wenn dieser Aspekt etwas baden geht – die starke Heldin trägt diese Geschichte einer späten Entwicklung.

Milchkrieg in Dalsmynni“, Regie: Grímur Hákonarson, mit Arndís Hrönn Egilsdóttir, 92 Minuten, FSK 6

Lin Shaye als Faith in einer Szene des Films „The Grudge“". Quelle: -/ Sony Pictures /dpa

„The Grudge“: Neuinterpretation von Horrorfilm

Zwei Filme hat der junge Filmemacher Nicolas Pesce aus den USA bisher gedreht: „The Eyes of My Mother“, sein Debüt, feierte 2016 beim Festival von Sundance seine Premiere. Mit „Piercing“ legte Pesce 2018 ein weiteres Gruselwerk vor.

Jetzt kommt „The Grudge“ bei uns in die Lichtspielhäuser – die Neuinterpretation eines unheimlichen Films aus dem Jahr 2004, damals mit Sarah Michelle Gellar in einer Hauptrolle. Es geht um ein Haus, in dem eine böse übernatürliche Einheit ihr Unwesen treibt, ein Haus, das niemand unbeschadet betritt. Nebst Mimen wie Andrea Riseborough und Tara Westwood ist auch John Cho („Star Trek“) zu sehen.

„The Grudge“, Regie: Nicolas Pesce, mit Tara Westwood, Junko Bailey, David Lawrence Brown, 93 Minuten, FSK 16. In Göttingen im Cinemaxx. Ab 16. Jnauar auch in der Movietown Dudertstadt.

Von RND

Buch vom Autorenkreis Plesse - Gedichte und Geschichten über „Flügel“

Der Autorenkreis Plesse hat ein neues Buch herausgegeben. 36 Gedichte und Geschichten drehen sich um das Thema „Flügel“.

08.01.2020

Laut und ungestüm soll es werden und zwischendurch mit Balladen die Herzen berühren – das Junge Theater (JT) feiert am Sonnabend, 18. Januar, die Premiere der Musikshow „Wild Thing“. Die Regisseurin Michaela Dicu und der musikalische Leiter Fred Kerkmann erzählen, was auf das Publikum zukommt.

07.01.2020

Die Internationalen Händel-Festspiele feiern vom 20. Mai bis 1. Juni mit 120 Veranstaltungen ihr 100-jähriges Bestehen. Für zwei Produktionen, „Ariodante“ und „Xerxes“, wird ein eigenes Vokalensemble zusammengestellt, für das noch versierte Sängerinnen und Sänger gesucht werden.

07.01.2020