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15:00 01.01.2020
Renee Zellweger spielt Judy Garland in "Judy". Quelle: eOne Germany
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Göttingen

Zwei Legenden des Showgeschäftes stehen im Mittelpunkt der Kinostarts in dieser Woche. In „Judy“ spielt Renée Zellweger die todunglückliche Judy Garland. Der DokumentarfilmMiles Davis“ von Regissseur Stanley Nelson ist ein vielschichtiges Porträt, das Lust auf einen großen, wenn auch schwierigen Künstler macht. Eine überraschende Auflösung bietet schließlich die Kriminalkomödie „Knives Out“. Daniel Craig ermittelt im Stil eines Hercule Poirot, zerpflückt ein Alibi nach dem anderen und lässt die bürgerliche Fassaden bröckeln.

Renee Zellweger als Judy Garland in dem Film "Judy". Quelle: Entertainment One Germany

Judy“: Der Vogel flattert noch

Judy Garlands Geburtstagsparty ist mal eben um zwei Monate vorverlegt worden. Zum eigentlichen Termin würde die Feier nicht in ihren Drehplan passen. Judy wird gerade 16, spult aber Filme im Akkord ab: 13 hat sie ihren Fans und vor allem ihrem Studio schon beschert.

Letztlich ist der Geburtstagstermin aber auch egal: Es ist ja sowieso alles nur Fake bei dieser Party. Die Freunde, die beim Pool herumstehen, sind gar keine, sondern Statisten. Das Wasser im vermeintlich so verlockenden Becken ist eiskalt. Und sogar in die riesige Geburtstagstorte kann niemand hineinbeißen, sie ist aus Pappmaschee.

 

Judy ist auf Pillendiät

Judy dürfte aber sowieso nicht hineinbeißen. Sie ist auf strenger Pillendiät, so wie sie auch Pillen nimmt, um ihre überlangen Arbeitstage durchzustehen, und andere Pillen, um danach nachts schlafen zu können. Eine Art Gouvernante, sozusagen die böse Version von Mary Poppins, schiebt ihr die Pillen zu.

Gefeiert wird der 16. trotzdem: So lassen sich schon jetzt die Bilder abdrehen, die man in zwei Monaten braucht. Dann kann der Welt eine vermeintlich glückliche Judy präsentiert werden.

Garlands Teenagerleben war eines, das frösteln macht – jedenfalls wenn man dem Biopic „Judy“ glaubt. Es spricht einiges dafür, dass es wirklich so war. Schon im Alter von zwei Jahren stand die kleine Judy das erste Mal vor der Kamera.

In einem der wenigen Akte jugendlicher Rebellion wird Judy (als junge Frau gespielt von Darci Shaw) trotzdem in den Pool springen. Schon wenig später wird sie ein weißer alter Mann in den Kulissen ihres nächsten Films besuchen – es soll ihr berühmtester werden: der Musicalfilm „Der Zauberer von Oz“ (1939).

Garlands Teenagerleben war eines, das frösteln macht – jedenfalls wenn man dem Biopic „Judy“ glaubt. Quelle: eOne Germany

Der Studioboss hat die Macht über Judy

Der Mann wird sich einen Moment allein mit ihr ausbedingen und ihr mit diabolisch ruhiger Stimme und unbarmherziger Härte klarmachen, dass er sie jederzeit wieder zurück in die Provinz und in die Vergessenheit schicken kann. Der Mann hat Macht über ihr Leben. Er ist der Studiochef von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), Louis B. Mayer (Richard Cordery).

Beinahe würde man erwarten, dass der Hollywoodmogul auch anderweitig übergriffig würde. Aber auf solche Andeutungen verzichtet Regisseur Rupert Goold in seinem Werk, das lose auf dem Theaterstück „End of the Rainbow“ von Peter Quilter beruht. Auch so werden die Konturen des diktatorischen Studiosystems kenntlich, das seine Stars nach den Ideen von Marketingleuten kreiert.

Greta Garbo, Jean Harlow, Marilyn Monroe: Sie alle waren von Studios gemachte Leinwandgöttinnen. Welche Haarfarbe sie tragen, was sie essen durften und manchmal sogar, wen sie heiraten durften: Darüber entschieden die Studios. Das galt genauso für Männer: „Alle wollen Cary Grant sein. Ich auch“, soll Cary Grant mal gesagt haben.

Die letzten Jahre Judy Garlands

Es ist wohl kein Zufall, dass gut zwei Jahre nach Beginn der #MeToo-Debatte der düstere Film „Judy“ in unseren Kinos startet, der vom kurzen Leben des Kinderstars erzählt. Wer „Judy“ sieht, versteht ein wenig besser, wieso es so endlos lange dauerte, bis die sexuellen Ausbeutungen eines Harvey Weinstein aufflogen – und welchen Mut es Frauen immer noch kostet, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Den Schwerpunkt legt der Regisseur auf die letzten Jahre Garlands. Da ist sie Mitte vierzig, ausgebrannt und doch gewillt, den Kampf mit bitterem Sarkasmus noch mal aufzunehmen. Sie liegt im Scheidungskrieg mit ihrem vierten Mann, braucht dringend Geld, und sie will ihren zwei Kindern eine gute Mutter sein.

1968 bekommt sie das Angebot, im Londoner Club von Bernard Delfont (Michael Gambon) aufzutreten. Der Haken dabei: Sie muss Sohn und Tochter in Los Angeles beim Vater, dem Showproduzenten Sidney Luft (Rufus Sewell), zurücklassen.

Am 22. Juni 1969, zwölf Tage nach ihrem 47. Geburtstag, starb Judy Garland (Renée Zellweger) an einer Tablettenüberdosis. Vermutlich war es kein Selbstmord, sondern nur ein Versehen. Quelle: eOne Germany

Judy Garland, zu Tode erschöpft

Renée Zellweger spielt die erwachsene Garland, und es hätte kaum eine bessere Wahl geben können. Der ehemalige Hollywoodliebling Zellweger, der zwischendurch in der Versenkung verschwand und nach dessen Rückkehr vornehmlich über Schönheitsoperationen spekuliert wurde, kennt den Weg über den Regenbogen und zurück.

Wie ein zerbrechlicher Vogel hockt Zellwegers Judy in ihrem Londoner Hotelzimmer, immer noch süchtig nach Tabletten und immer noch zu Tode erschöpft, so wie ihr ganzes Leben schon. Doch wenn sie es auf die Bühne geschafft hat, dann breitet sie die zarten Flügel aus und flattert. Es gibt noch eine andere Sucht in Judy Garlands Leben: Sie will vom Publikum geliebt werden.

Zellweger singt selbst und mit erstaunlicher Souveränität. Die Musik nimmt aber nicht den Stellenwert ein wie in den beiden Biopics „Rocketman“ über Elton John und „Bohemian Rhapsody“ über Freddie Mercury, die im vorigen Jahr für Furore sorgten. Aber das macht nichts: Die Traurigkeit in ihrer Stimme ist abgrundtief, wenn sie noch einmal „Over the Rainbow“ anstimmt und die Gefühle sie überwältigen.

Am 22. Juni 1969, zwölf Tage nach ihrem 47. Geburtstag, starb Judy Garland an einer Tablettenüberdosis. Vermutlich war es kein Selbstmord, sondern nur ein Versehen.

Judy“, Regie: Rupert Goold, mit Renée Zellweger, Darci Shaw, Rufus Sewell, 119 Minuten, FSK 0

Szene aus dem Film "Knives Out – Mord ist Familiensache". Quelle: Universum Film GmbH

„Knives Out“: Der Detektiv hat da ein paar Fragen

Amüsanter könnte das neue Kinojahr kaum anfangen. Dem flotten Werbespruch eines Weinguts „Familie kann man sich nicht aussuchen, den Rotwein schon“ würden die Abkömmlinge des weltberühmten Krimiautors Harlan Thrombey (Christopher Plummer) samt Anhang zustimmen. Jeder von ihnen würde wohl lieber im stillen Kämmerlein ein Gläschen trinken, statt mit der Mischpoke im herrschaftlichen Landhaus den 85. Geburtstag des Patriarchen zu feiern.

Niemand sagt die Wahrheit

Und dann das: Am nächsten Morgen wird der schwerreiche Mann tot aufgefunden mit einem Messer in der Hand und einer Halswunde. Klarer Fall von Selbstmord, oder? Dann taucht der von einem unbekannten Auftraggeber engagierte Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) auf und beginnt ganz harmlos, „ein paar Fragen“ zu stellen – und damit die Gäste in Panik zu versetzen.

Niemand sagt hier die Wahrheit. Trauer wird nur geheuchelt, es regiert die Gier nach Geld. Bald wetzt jeder das Messer. Nun legt Spürnase Blanc erst richtig los.

Regisseur Rian Johnson, dessen Liebe zum Genre in jeder Szene zu spüren ist, entwickelt in bester „Agatha Christie“-Tradition ein Meisterstück aus Verdacht und Verrat, Verirrungen und Verwirrungen in einem Labyrinth aus Lügen.

Christopher Plummer als Harlan Thrombey in einer Szene des Films "Knives out - Mord ist Familiensache". Quelle: Universum Film

In Rückblenden rekonstruiert der Detektiv den Abend noch einmal. Alle scheinen hier Geheimnisse zu verbergen – ob Harlans Tochter Linda (Jamie Lee Curtis), ihr untreuer Gatte (Don Johnson) oder ihr Bruder Walt (Michael Shannon), die verwitwete Schwiegertochter Joni (Toni Collette) oder Enkel Ransom (Chris Evans). Nicht zu vergessen Oma Thrombey (K. Callan), die zwar wenig sieht, aber alles mitkriegt.

Böser Witz und schwarzer Humor

lm Mittelpunkt steht die entzückend naive hispanische Pflegerin und Vertraute des Verblichenen Marta (Ana de Armas), die sich übergeben muss, falls sie lügt. Kann sie dadurch zur Klärung des Falls beitragen?

Daniel Craig als Benoit Blanc in dem Film "Knives Out – Mord ist Familiensache". Quelle: Universum Film GmbH

 

Bissige Gesellschaftssatire und raffinierte Eleganz münden in ein opulentes, mit bösem Witz und schwarzem Humor garniertes „Murder Mystery“-Fest, das mit immer neuen Twists überrascht.

Schrecklich nette Familie

Spitze ist Daniel Craig. Der aktuelle James Bond gibt hier eine Art moderne Reinkarnation von Hercule Poirot, den von Agatha Christie erfundenen Meisterdetektiv. Wenn er in dieser schrecklich netten Familie die Verdächtigen schmallippig verhört, ein Alibi nach dem anderen zerpflückt, Motive herauskitzelt und bürgerliche Fassaden bröckeln lässt, wirkt er gefährlich sanft. Doch schlussfolgert er so präzise wie ein Uhrwerk.

Höhepunkt ist schließlich die Verlesung des Testaments, wenn exzentrische Attitüde und moralischer Anspruch der Sippe wie ein schlechtes Soufflé in sich zusammenfallen.

Und wer war’s nun? Die überraschende Auflösung dieses furiosen Kinotrips macht beste Laune.

„Knives Out – Mord ist Familiensache“, Regie: Rian Johnson, mit Daniel Craig, Christopher Plummer und Jamie Lee Curtis, 130 Minuten, FSK 12. In der Movietown Eichsfeld in Duderstadt, im Cinemaxx in Göttingen

Miles Davis“: Er war so cool wie schwierig

Er ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der Jazzgeschichte: Miles Davis. Regisseur Stanley Nelson, bekannt geworden mit engagierten Filmen über die afroamerikanische Geschichte, würdigt den Musiker mit dem DokumentarfilmMiles Davis – Birth of the Cool“.

Nelson hat auf bisher nicht veröffentlichtes Archivmaterial zugreifen und mit Weggefährten des legendären Jazztrompeters sprechen können. In seinem vielschichtigen Porträt beschreibt Nelson auch die düsteren Seiten Davis’, den langjährigen Drogenmissbrauch, die Gewalt gegen Frauen und den bisweilen schäbigen Umgang mit Kollegen.

 

Beeindruckend ist das meist schwarz-weiße Fotomaterial, das einen unglaublich cool wirkenden Musiker zeigt. Davis beherrschte diverse Posen, stets trat er mit Sonnenbrille und glimmender Zigarette auf. Und immer widersetzte er sich dem allgegenwärtigen Rassismus in den USA.

Gleichwohl steht im Film die Musik des vor 28 Jahren Verstorbenen im Mittelpunkt. Davis wollte Grenzen überschreiten und sich immer wieder neu erfinden. Wer diese Doku sieht, bekommt Lust auf die Stücke dieses großen, wenn auch schwierigen Künstlers.

Miles Davis – Birth of the Cool“, Regie: Stanley Nelson, 113 Minuten, FSK 0

Von Margret Köhler, Stefan Stosch und Ernst Corinth / RND

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