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14:46 19.12.2018
Emily Blunt als Mary Poppins in einer Szene des Films "Mary Poppins· Rückkehr". Quelle: Walt Disney Germany /dpa
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Göttingen

Die Kinostarts der Woche im Überblick:

Schutzengel im Anflug

Für diese Nanny ist alles möglich: Disneys Familienfilm „Mary Poppins’ Rückkehr“

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Von Stefan Stosch 

Ob der Buchautorin die Rückkehr ihres Kindermädchens auf die Leinwand nach mehr als einem halben Jahrhundert gefallen würde? P. L. Travers hat sich ja schon bei dem mit fünf Oscars ausgezeichneten Film „Mary Poppins“ von 1964 schwer getan, egal wie ausgelassen Julie Andrews darin sang und tanzte. Von Travers‘ geballtem Unmut wissen Kinogänger seit dem Film „Saving Mr. Banks“ (2013), in dem Walt Disney und P. L. Travers (gespielt von Tom Hanks und Emma Thompson) sich einen amüsanten Kampf um die Filmrechte an den Büchern lieferten.

Jetzt erleben wir „Mary Poppins‘ Rückkehr“. Vieles sieht in dem Werk des Musicalroutiniers Rob Marshall („Chicago“, „Nine“, „Into The Woods“) so aus, als sei die Zeit stehen geblieben (obwohl er eine Generation später spielt). Das ist durchaus als Kompliment gemeint. Der neue Film ist von der ersten bis zur letzten Minute eine Hommage an den alten. Ihm haftet etwas Altmodisches an. Das muss kein Schaden sein, wenn sich alte und junge Fans einvernehmlich in einem Familienfilm versammeln sollen. Der Nachteil dabei: Man könnte sich streckenweise glatt in ein Remake versetzt fühlen.

Schauplatz ist noch immer der Kirschbaumweg Nummer 17 in einem reichlich künstlich ausschauenden London. Das Erzähltempo ist eingangs so gemächlich, wie man es sich im hektischen Superhelden-Zeitalter kaum mehr vorstellen kann – und auch Mary Poppins ist ja gewissermaßen eine Superheldin mit besonderen Fähigkeiten. Wieder verschmelzen Real- und Animationsfilm, und wieder tanzt Mary Poppins mit Pinguinen – eine ähnliche Einlage mit den „lächerlichen Cartoons“ hat Autorin Travers schon vor 54 Jahren beanstandet.

Einiges hat sich aber doch geändert. Mary Poppins schwebt nicht mit dem Regenschirm heran, sondern hält sich elegant an einem Basteldrachen fest, die Hacken ihrer Schuhe in exakt im richtigen Winkel aneinandergedrückt. Ihre Ruppigkeit hat sich auf ein Minimum reduziert, und auf Folgsamkeit legt sie nur scheinbar Wert. Sie lächelt vielin sich hinein.

Mary Poppins‘ eigentlichen pädagogischen Ziele gehen dahin, den Banks – egal ob klein oder groß – Mut, Selbstständigkeit sowie eine gehörige Portion Eigensinn nahezubringen. Ihr bester Freund ist ein hilfsbereiter Lampenanzünder namens Jack (mit Rap-Einlage: US-Musicalstar Lin-Manuel Miranda), der mit seinen Kollegen genauso viel tanzen darf wie einst die Schornsteinfeger. Meryl Streep hat als Cousine von Mary Poppins einen schrulligen Gastauftritt.

Zwei Jahrzehnte nach dem ersten Film setzt die Handlung um 1930 ein: Mary Poppins‘ einstige Schützlinge Jane (Emily Mortimer) und ihr Bruder Michael (Ben Whishaw) Banks sind längst erwachsen und staunen nicht schlecht, als ihre einstige Nanny (Emily Blunt) durch die Tür hereinspaziert, als wäre dies das Selbstverständlichste von der Welt. Michael hat drei ziemlich wohlgeratene Kinder, die der festen Überzeugung sind, keine Erziehungsbevollmächtigte zu benötigen.

Doch können sie Mary Poppins‘ Charme kaum mehr als ein paar Minuten widerstehen. Mit wem sonst kann man so viel Verrücktes erleben? Etwa in einer Badewanne wie in einem Ozean eintauchen oder sich plötzlich in der aufgemalten Szenerie einer angeknacksten Porzellanschüssel wiederfinden? „Alles ist möglich, auch das Unmögliche“ lautet der Wahlspruch ihres neuen, alten und gar nicht gealterten Kindermädchens. Den will sie den Erwachsenen mindestens ebenso sehr nahebringen wie dem Nachwuchs.

Mary Poppins 1964 und 2018: Schauspieler Dick Van Dyke

Sein Kinostern ging erst so richtig auf, als er 35 Jahre alt war. Dick Van Dyke, ein Gentleman aus Missouri, wurde 1960 mit dem Musical „Bye-Bye Birdie“ bekannt. Er bekam den Tony für seine Rolle des Albert Peterson, Songwriter eines elvisartigen Rockstars. Im Fernsehen lief schon ab 1961 die „Dick Van Dyke Show“, deren letzte Neuauflage 2017 zu sehen war.

„Ich wollte nie ein Schauspieler sein“, sagte Van Dyke in einem Interview, „ein Schauspieler will jemand anderes sein. Ich bin ein Mann für Gesang und Tanz und erfreue mich sehr daran, ich zu sein. Das ist alles, was ich kann.“ Er dachte, Walt Disney hätte ihn 1964 aufgrund dieser Talente für „Mary Poppins“ angeheuert. Später erfuhr er, dass er den Job für Aussagen bei einer Radiosendung bekommen hatte. Van Dyke hatte gesagt, dass in der Familienunterhaltung die Unmoral Einzug gehalten hätte. Disney sah in ihm einen Gesinnungsgenossen.

Ruhm bescherte van Dyke 1968 das Musical „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ um einen fliegenden Oldtimer. Ein Auftritt in der Serie „Jake & McCabe“ 1991 mündete in einer eigenen Krimireihe. In 178 Folgen von „Diagnose: Mord“ spielte er bis 2001 Doktor Mark Sloan, der mit seinem Sohn Steve, einem Detektiv, Fälle löst.

 

„Ich habe mich so oft in den Ruhestand begeben, dass das langsam eine Angewohnheit wird“, hat der soeben 93 Jahre alt gewordene Van Dyke gesagt. Derzeit ist er schon wieder im Unruhestand, und wieder hat er mit Kindermädchen zu tun: In „Mary Poppins’ Rückkehr“ hat er einen herzerwärmenden Überraschungsauftritt. Big

Erst vor Kurzem haben Annabel, Georgie und John ihre Mutter verloren. Nun scheint eine weitere Tragödie heraufzuziehen: Die Familie droht ihr geliebtes Haus an den scheinheiligen Bankdirektor William Weatherall Wilkins (Colin Firth) zu verlieren. Wenn Big Ben am Freitag um Mitternacht schlägt und die Banks bis dahin den Kredit nicht abbezahlen können, müssen sie ausziehen.

Aber nun ist der Schutzengel mit dem roten Hut, der roten Fliege, den roten Handschuhen und dem rot bemalten Mund da. Emily Blunt kann vielleicht nicht ganz so perfekt tanzen wie Julie Andrews (in der deutschen Fassung hören wir beim Singen leider nicht ihre Originalstimme), aber ihre Wandlungsfähigkeit ist enorm – egal ob sie in einer Komödie wie „Der Teufel trägt Prada“, einem Horrorfilm wie „Wolfman“, einem Thriller wie „Sicario“ mitspielt oder nun ganz verschmitzt in einem nostalgischen Kinderfilm.

Am Ende kommt man recht beschwingt aus dem Kino (auch wenn die neuen Lieder nur begrenzt Ohrwurm-Potenzial haben dürften). Vielleicht würde P. L. Travers das ja genauso sehen.

„Mary Poppins’ Rückkehr“, Regie: Rob Marshall, mit Emily Blunt, Ben Whishaw, 130 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Schiller-Lichtspiele Hann. Münden

 

Im Garten eines Kraken

Jason Momoa kämpft in „Aquaman“ gegen den heiligen Ernst von DC-Comicfilmen an

Von Matthias Halbig

Aquaman! Jason Momoas Figur ist cool: Lange Haare, Rock-’n’-Roll-Optik, kühner Blick, Sixpack und die Angewohnheit, den Moment, in dem die fliegenden Exkremente den Ventilator treffen, mit einer witzigen Bemerkung zu quittieren. Das Superheldenpathos, das alles Heroische in Comicfilmen oft kollabieren lässt wie ein Kartenhäuschen – der Titelheld torpediert’s.

James Wan, Regisseur des ersten „Saw“-Films, fängt seinen Ausflug ins Comicfach klein und märchenhaft an. In einer stürmischen Nacht findet der Leuchtturmwärter Tom (Temuera Morrison) eine Schönheit, die ihm auf die Felsen geworfen wurde. Atlanna, Königin von Atlantis (Nicole Kidman), und der kleine Mann am Meer verlieben sich, bekommen ein Kind und sind fortan mit Glück eingeölt. Bis Soldaten die Königin nach Atlantis holen. Tom und Klein-Arthur bleiben zurück, der Filius, der stark wird wie Superman und mit achtfacher Flipper-Geschwindigkeit taucht, rettet mittags russische Atom-U-Boot-Besatzungen und macht abends in der Kneipe Selfies mit ihn bewundernden Bikern. Alltag an der Küste von Maine.

Der endet, als eines Tages auch bei Arthur eine schöne Meeresfrau auftaucht. Mera (Amber Heard) fordert ihn auf, König zu werden und damit den Krieg zu verhindern, den sein Bruder Orm (Patrick Wilson) gegen die Menschheit anzettelt. Arthur hat zuerst keine Lust, den legitimierenden Dreizack des mythischen Königs Atlan zu suchen. Dann macht er’s doch. Und mit Witz, Ironie und Charisma reißt er auch einen Film an sich, der sich mit seiner relativ schlichten und dennoch überbordenden König-Artus-unter-Wasser-Geschichte ungeniert beim Kino des Fantastischen bedient – bei Henry Levins „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, Steven SpielbergsIndiana Jones“ oder Peter JacksonsHerr der Ringe“-Filmen.

Dabei ist „Aquaman“ zuvörderst ein Fest aus Licht und Design, eine Maschinerie des Staunens, die die Herzen aller Zehnjährigen und Zehn-Jahre-Gebliebenen in Sprechblasen anspricht. Hier kommt der ultimative Farbrausch. Dessen Wirkung indes getrübt wird durch künstliche Kulissen und Laserkanonen, die aussehen wie die Dreiliter-Wasserpistolen aus dem Spielzeugladen. Uneinheitlichkeit stört die Illusion, „Aquaman“ ist nicht Fisch, nicht Fleisch und endet im Schlachtengetöse. Die Augen schmerzen. Alles verschwimmt.

Die schönste Szene kommt zu Beginn, wenn die wehrhafte Atlanna ihren Fünfzack in den Fernseher ihres Retters Tom pfeffert. Eine Kampfansage gegen Netflix und Co, die dem Kino derzeit das Wasser abgraben. Ein Film wie dieser, sagt uns Kidman mit ihrem Wurf, ist zu gewaltig für den kleinen Bruder TV. Leider ist dieses Statement eine kleine große Lüge, denn Kidman und Momoa haben längst das Serienformat erobert. Und „Game of Thrones“ hat gezeigt, dass riesige Drachen auch auf Bildschirmen maximale Wirkung erzeugen.

Aquaman“, Regie: James Wan, mit Jason Momoa, Amber Heard, 143 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Central-Lichtspiele Herzberg am Harz

Romanze: „Die Poesie der Liebe“

Szenen einer Ehe: Die französische Tragikomödie „Die Poesie der Liebe“ erzählt von einer mehr als 40-jährigen Beziehung, ist jedoch eher komisch als traurig. Der Film hat düstere Momente, ist dann aber wieder ungemein witzig, angenehm politisch unkorrekt und schön boshaft. Inszeniert hat ihn der Franzose Nicolas Bedos, der auch in der Hauptrolle an der Seite seiner Lebenspartnerin Doria Tillier zu sehen ist. Beide sind also im wirklichen Leben Experten in Beziehungsfragen, und das merkt man ihrem Spiel auch an.

Bedos verkörpert den Schriftsteller Victor Adelman. Allerdings ist Adelman gerade gestorben. Bei seiner Beerdigung taucht ein Autor auf, der über ihn eine Biografie schreiben möchte. Nach kurzem Zögern lässt sich seine Witwe Sarah (Tillier) auf ein längeres Gespräch ein. Madame macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Am Ende nimmt der Film eine überraschende Wendung. Diese Lovestory unterhält auch Zuschauer prächtig, die Romanzen eher skeptisch gegenüberstehen.

„Die Poesie der Liebe“, Regie: Nicolas Bedos, mit Nicolas Bedos, Doria Tiller, 115 Minuten, FSK 12, Lumière

 

Transformers für die ganze Familie

Als Charlie (Hailee Steinfeld) auf einem Schrottplatz den gelben VW Käfer entdeckt, ist das Liebe auf den ersten Blick. Aber ihr erstes Auto hat es in sich. Denn wir befinden uns im „Transformers“-Universum, wo sich auch ein harmloser deutscher Kleinwagen in einen riesigen Roboter verwandeln kann. Das Franchise von Kracherregisseur Michael Bay wird in den Händen von Travis Knight zum Familienfilm. Zwar kommen auch in „Bumblebee“ die bösen Decepticons vom anderen Planeten. Aber der Film hat „E. T.“- Charme und stellt das Thema Freundschaft in den Mittelpunkt. schw

„Bumblebee“, Regie: Travis Knight, mit Hailee Steinfeld, John Cena, 113 Minuten, FSK o. A., Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Central-Lichtspiele Herzberg am Harz

Von RND