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15:16 27.11.2019
Soul- und Gospelsängerin Aretha Franklin in einer Szene des Dokumentarfilms "Aretha Franklin: Amazing Grace". Quelle: -/Amazing Grace/Weltkino/dpa
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Göttingen

In der Kriminette „Hustlers“ tanzt Jennifer Lopez an der Stange und geht shoppen. Regisseurin Lorene Scafaria feiert in ihrem Film lustvoll weibliche Solidarität und Unabhängigkeit. Die Botschaft des Films aber ist allzu simpel: Zocken oder abgezockt werden.

Der Film „The Good Liar“ bewegt sich zwischen Schelmenstück und Rachethriller. Seine Hauptdarsteller Ian McKellen und Helen Mirren zeigen sich in Bestform und Regisseur Bill Condon zieht allerdings zu wenig Spannung aus den Täuschungsmanövern.

„Amazing Grace“ schließlich ist der Mitschnitt eines Aretha-Franklin-Konzerts, das vor fast einem halben Jahrhundert entstand. Die Stimme der Queen of Soul in diesem ergreifenden Konzertfilm geht den Zuhörern auch heute noch unter die Haut. Der Schmerz der Bürgerrechtsbewegung vier Jahre nach der Ermordung Martin Luther Kings ist jeden Moment spürbar.

Jennifer Lopez als Ramona in dem Film "Hustlers", der am Donnerstag (28.11.2019) in die Kinos kommt. Quelle: epd

 

„Hustlers“ mit J. Lo: Ganz Amerika ist ein Stripclub

Eine Frage hat Stripperin Ramona an die Anfängerin Destiny: „Macht dich Geld nicht geil?“ Dabei wühlt Ramona (Jennifer Lopez) in den Dollar-Scheinen, die ihr die Männer zugeworfen haben. Sie nimmt die naive Destiny (Constance Wu) unter ihre Fittiche, bald kassieren sie gemeinsam ab. Der Finanzcrash von 2008 macht dem lukrativen Handel mit den Wall-Street-Spekulanten allerdings ein Ende.

Mit zwei anderen Frauen startet das Duo ein neues Geschäftsmodell: Die Typen werden mit einem Drogenmix betäubt und ihre Kreditkarten bis zum Limit belastet. Keines der Opfer wagt es, sich an die Polizei zu wenden. Bis die Sache 2014 dann doch platzt.

Regisseurin Lorene Scafaria ließ sich bei ihrem Ausflug in die funkelnde Halbwelt durch einen Artikel aus dem „New York Magazine“ über ein real existierendes Damenquartett inspirieren und feiert weibliche Solidarität, Unabhängigkeit und Emanzipation als Lust am Luxusshopping. Da darf’s auch mal ein Pelzmäntelchen sein. 

Die sozialkritische Unterfütterung der rasant inszenierten Story mit der simplen Botschaft „Das ganze Land ist ein Stripclub“ und der Maxime „Zocken oder abgezockt werden“ bleibt banal.

„Hustlers“, Regie: Lorene Scafaria, mit Jennifer Lopez, Constance Wu, 107 Minuten, FSK 12

Der Film „The Good Liar“ bewegt sich zwischen Schelmenstück und Rachethriller. Seine Hauptdarsteller Ian McKellen und Helen Mirren zeigen sich in Bestform. Quelle: epd

“The Good Liar”: Die dunklen Seiten eines Gentlemans

Er rückt noch einmal seine Krawatte zurecht, dann steuert er langsam auf den Tisch zu, an dem sie bereits sitzt. Die beiden Senioren haben einander über ein Datingportal kennengelernt und sind zum ersten Treffen in einem feinen Restaurant verabredet.

Er verabscheue Unaufrichtigkeit, beginnt der betagte Herr das Gespräch. Sein Name sei nicht Brian, wie auf der Website angegeben, sondern Roy. Daraufhin gibt die Dame zu, dass sie auch nicht Estelle heiße, sondern Betty. Mit dem beidseitigen Bekenntnis zum (verständlichen) Namensschwindel scheint der Grundstein für eine aufrichtige Beziehungsanbahnung gelegt.

 

Aber schon bald wissen wir, dass es zumindest Roy (Ian McKellen) nicht ehrlich meint. Nach dem Date sehen wir ihn in eine Stripbar eilen, um dort mit seinem Komplizen Vincent (Jim Carter) einen betrügerischen Finanzdeal einzufädeln. Auch Betty (Helen Mirren) soll bluten. Der Trickbetrüger will die betuchte Witwe um ihr Vermögen bringen. Allerdings ist deren Enkel Stephen (Russell Tovey) ein ziemlich misstrauischer Kerl.

Den beiden gestandenen Hauptdarstellern zuzuschauen, bereitet uneingeschränkt Vergnügen. Dabei hat Ian McKellen den dankbareren Part erwischt. Der Gandalf aus „Der Herr der Ringe“-Trilogie spielt die Doppelgesichtigkeit seines Charakters genüsslich aus. Einerseits umschmeichelt sein Roy die Witwe nach allen Regeln der Gentlemankunst, andererseits zeigt er keine Skrupel, ihre Gutgläubigkeit auszunutzen. Dabei scheint es ihm nicht in erster Linie ums Geld zu gehen. Andere hereinzulegen gibt nicht nur seinem Konto, sondern auch seinem Ego einen neuen Schub.

„Die Queen“ Helen Mirren wiederum schafft es mühelos, das Herz zumindest der Zuschauer zu erobern. Aber ist ihre sympathische Betty wirklich so naiv, wie sie vorgibt zu sein? Auf jeden Fall ist es verdächtig, dass das Kinopublikum über Roy lange Zeit wesentlich mehr erfährt als über sie, obwohl das Drehbuch nach einem Roman von Nicholas Searle offenkundig danach trachtet, beide Hauptfiguren gleichrangig zu behandeln.

„The Good Thief“ ist eines jener Werke, über dessen Handlung man so wenig wie möglich verraten sollte. Nur so viel: Der entscheidende Twist führt vom London des Jahres 2009 nach Berlin und in eine historisch belastete Vergangenheit. Das erklärt zwar manches, gibt dem sich bis dahin leichtfüßig gebenden Ganovenstück aber einen irgendwie unpassenden überdramatischen Drall. Das Finale lässt die Geschichte auch noch arg konstruiert erscheinen. Da hätte man sich eine einfachere Auflösung gewünscht.

Zudem vermag Regisseur Bill Condon („Mr. Holmes“) nur wenig Spannung aus dem Täuschungsszenario zu ziehen, obgleich er klarmacht, zu welcher Brutalität der kaltschnäuzige Ganove fähig ist, wenn er aufzufliegen droht. Vielleicht hätte er vorher noch einen Blick in François Truffauts Buch „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ werfen sollen.

„The Good Liar – Das alte Böse“, Regie: Bill Condon, mit Helen Mirren, Ian McKellen, 110 Minuten, FSK 12

„Amazing Grace“: Eine Stimme, von Gott berührt

Es ist heiß in der New Temple Missionary Baptist Church in Watts, Los Angeles. Die afroamerikanische Kirchengemeinde ist zusammengekommen, um eine Stimme zu feiern, von der viele behaupten, dass sie von Gott berührt worden sei: Aretha Franklin, die „Queen of Soul“, bewies 1972 in dieser Kirche, wie sehr sie der Gospelmusik verbunden ist. Das Album „Amazing Grace“, das aus dem Mitschnitt entstand, ist heute ihr meistverkauftes.

Der junge Sydney Pollack begleitete das Ereignis mit der Kamera. Doch führten technische Probleme bei der Synchronisierung von Bild und Ton dazu, dass der Film nie fertig wurde. Erst mit der Digitaltechnologie bekam Produzent Alan Elliott die Sache in den Griff. Entstanden ist ein ergreifender Konzertfilm, der sich mit formaler Schlichtheit auf seine Protagonistin, ihr hingerissenes Publikum und die energetische Wirkung der Musik konzentriert.

Im weißen Kaftankleid steht Franklin da und lässt ihre Stimme schweben. Das Publikum wird aus den Sitzen gerissen und zu Tanzeinlagen verleitet. Das Reden überlässt die Sängerin Reverend James Cleveland, einem begnadeten Entertainer. Aber auch er verliert irgendwann die Fassung, setzt sich auf einen Stuhl und weint vor Rührung in ein Handtuch. Wenn Franklin „What a Friend We Have in Jesus“ oder „Amazing Grace“ intoniert, geht das auch 47 Jahre später im Kino unter die Haut.

Kein Wort wird über die Realität draußen verloren, doch ist der Schmerz der Bürgerrechtsbewegung vier Jahre nach der Ermordung Martin Luther Kings fühlbar.

„Amazing Grace“, Regie: Alan Elliott, Sydney Pollack, 89 Minuten, FSK 0

Von Martin Schwickert, Jörg Brandes und Margret Köhler

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