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12:45 29.01.2020
Emma Watson als Meg March, Florence Pugh als Amy March, Saoirse Ronan als Jo March und Eliza Scanlen als Beth March in einer Szene des Films „Little Women“. Quelle: Wilson Webb/Sony Pictures /dpa
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Göttingen

In „Little Women“ hat sich die bislang auf eigene Stoffe konzentrierte Gerwig des Romanklassikers der US-amerikanischen Schriftstellerin Louisa May Alcott (1832–1888) angenommen. „Iron ManRobert Downey Jr. spielt in „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ den berühmten Tierarzt, den zuletzt Eddie Murphy verkörperte. Die Kinostarts in der Region im Überblick:

Es geht auch ohne Männer

Der Verleger hat klare Vorstellungen davon, was mit Frauenfiguren in Romanen passieren sollte: Entweder sie heiraten am Ende der Geschichte, oder sie sterben. Beides zusammen ginge auch. Das sagt der selbstzufriedene Bartträger der jungen Autorin Jo March mitten ins Gesicht, die mit tintenverschmierten Händen in seinem Büro sitzt und sich in ihrem Leben vor allem für eines entschieden hat: niemals zu heiraten und ihre Freiheit zu genießen – auch wenn diese um den Preis der Einsamkeit erkauft sein sollte.

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Man könnte sich gut vorstellen, dass er sogleich eine wütende feministische Gegenrede zu hören bekommt – zumal die für Jo verantwortliche Filmemacherin Greta Gerwig heißt. Wie kaum eine andere Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin hat die New Yorkerin uns mit selbstbewussten Frauen bekannt gemacht, die Männer für ihr Glück nicht brauchen.

Man denke nur an Gerwigs Regiedebüt „Lady Bird“ (2017), in dem auch schon ein rebellischer Teenager in die Welt hinausstürmte. Auch dieser wurde – wie nun die literarisch so begabte Jo – von der Irin Saoirse Ronan gespielt. Ronan hat für ihre Leistung in „Little Women“ ihre bereits vierte Oscarnominierung eingeheimst, der Film insgesamt sechs – eine davon gilt Gerwig in der Königskategorie um den besten Film. Gerwig ist die einzige Frau, der in diesem Jahr eine Nennung vergönnt ist. Soweit zum aktuellen Stand der Geschlechtergleichheit in Hollywood.

Es gibt noch etwas Kennzeichnendes für Filme, an denen Gerwig beteiligt ist: neben funkelnder Ironie ein gewisses Harmoniestreben. Jo wird sich die Ausführungen des Verlegers gelassen anhören und ihn bei der nächsten Honorarverhandlung auf seinem ureigenem Feld schlagen: Clever wird sie gute Konditionen für sich herausschlagen.

Man kann verstehen, dass sich die bislang auf eigene Stoffe konzentrierte Gerwig des Romanklassikers der US-amerikanischen Schriftstellerin Louisa May Alcott (1832–1888) angenommen hat – auch wenn dieser schon mehrfach verfilmt wurde, etwa 1949 unter dem Titel „Kleine tapfere Jo“ mit Elizabeth Taylor oder 1994 als „Betty und ihre Schwestern“ mit Winona Ryder, Kirsten Dunst, Claire Danes und Christian Bale. Gerwig macht uns nun mit erstaunlich modern wirkenden Charakteren vertraut.

Florence Pugh als Amy March in dem Film "Little Women", der am Donnerstag in die Kinos kommt. Quelle: Sony Pictures Germany

Man könnte den autobiografisch inspirierten Roman und nun auch Gerwigs Film durchaus als Frauenermutigungsprogramm bezeichnen. Alcott hatte ihr Jugendbuch ausdrücklich für Mädchen geschrieben. Sie war in Armut aufgewachsen und musste früh zur Versorgung ihrer Familie beitragen.

Eine Mutter (Laura Dern) und ihre vier Töchter müssen sich in der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs behaupten. Der Ehemann der Mutter ist damit beschäftigt, gegen die Sklaverei zu kämpfen. In Kriegszeiten waren es schon immer die Frauen, die den Laden zu Hause zusammenhalten mussten.

Im Zentrum des Films steht der Unabhängigkeitsdrang Jos. Vielerorts eckt sie an. Im 19. Jahrhundert müsse man erst mal mit der Enttäuschung fertig werden, als Mädchen geboren worden zu sein, heißt es hier einmal süffisant. Die furchtlose Jo wächst mit künstlerisch ähnlich talentierten Schwestern auf. Nur träumen nicht alle von einer beruflichen Karriere, die zu jener Zeit fürs weibliche Geschlecht eine gesellschaftlich keinesfalls geschätzte Option war.

Meg (Emma Watson) zum Beispiel glaubt an Liebe und Heirat, ganz ohne dabei pekuniäre Vorteile herausschlagen zu wollen, wie es die schmallippige Tante (Meryl Streep) den Schwestern dringend empfiehlt. Amy (Florence Pugh) will sich zwar malerisch verwirklichen, ist aber schwer angetan von dem reichen Charmebolzen Laurie (Timothée Chalamet) aus der prächtigen Villa nebenan – der allerdings hat nur Augen für Jo. Und dann ist da noch Beth (Eliza Scanlen), das kranke Nesthäkchen, deren Gesundheitszustand der Familie Sorgen bereitet.

Saoirse Ronan als Jo March. Quelle: Sony Pictures Germany

Mit einem Esprit, wie auch bessere Jane-Austen-Verfilmungen ihn verströmen (Paradebeispiel: Ang Lees „Sinn und Sinnlichkeit“ von 1995), verfolgt Gerwig auf zwei Zeitebenen die Geschicke der March-Schwestern. Wie in jeder guten Familie wird zwar auch hier tüchtig gestritten, in der Not halten die Schwestern jedoch auf Gedeih und Verderb zusammen.

Gerwig versieht ihre Geschichte mit einem ein wenig zu hoch dosierten Wohlfühlfaktor – muss aber auch gegen die Tragödie an inszenieren, die in dem Stoff steckt. Keineswegs darf Jos Aufbruch von familiärem Unglück erstickt werden.

„Little Women“ ist eine charmante Angelegenheit – und in Hollywoods aktueller Preissaison eine Konkurrenz für die viel gelobte Komödie „Marriage Story“. Diese hat, welche Ironie, Gerwigs Lebenspartner Noah Baumbach inszeniert.

Und was wird nun aus Jo, der Schriftstellerei und der Liebe, der auch sie nicht entkommt? Da sollten die Zuschauer fein säuberlich zwischen Literatur und Leben trennen. Jo tut das schließlich auch.

„Little Women“, Regie: Greta Gerwig, mit Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Meryl Streep, 134 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen

Iron Man“ ist jetzt ein Tierarzt

Es ist eine schräge, etwas irrwitzige Idee - und zugleich eine enorm erfolgreiche: In „Dr. Dolittle“ spielte Eddie Murphy den Arzt John Dolittle, der mit Tieren sprechen kann. Dessen Geschichte ist altbekannt, sie wurde schon mehr als ein dutzend Mal in Zeichentrickserien, Hörspielen, Theaterstücken und Filmen verarbeitet, zuletzt eben vor rund zwanzig Jahren in den zwei Klamotten mit Eddie Murphy. Jetzt geht die Komödie um den berühmten Tierarzt in die nächste Runde – mit Robert Downey Jr. in „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“.

Downey Jr., der zuletzt als Marvel-Comicheld „Iron Man“ Erfolge feierte, wird hier unterstützt von einer Reihe Schauspielstars: Antonio Banderas und Michael Sheen sind auf der Leinwand zu sehen und Emma Thompson, Rami Malek und Ralph Fiennes leihen den Tieren im Original ihre Stimmen.

Anders als Eddie Murphy lebt Downey Juniors Dolittle nicht in der Gegenwart, sondern im England des 19. Jahrhunderts. Dort hat er sich nach dem Tod seiner Frau auf einen zooähnlichen Landsitz zurückgezogen. Eines Tages erfährt er aber, dass die Königin im Sterben liegt und nur ein seltenes Heilmittel sie retten kann. Zusammen mit seinen tierischen Begleitern macht sich der Einsiedler missmutig auf den Weg.

Schon lange steckt in dieser Kinoadaption der Kinderbuchreihe von Hugh Lofting der Wurm. Gedreht wurde der Film bereits vor zwei Jahren, ursprünglich war ein weltweiter Start im Frühjahr 2019 angepeilt. Damals liefen aber die Testvorführungen vor Publikum so schlecht, dass noch einmal einige Szenen nachgedreht wurden - kein gutes Omen und ein echter Kostentreiber: Geschätzt 175 Millionen Dollar soll der Film laut US-Branchenwebseiten nun gekostet haben, ein riesiges Marketingbudget ist da noch nicht einmal eingerechnet.

Robert Downey Jr. (l) als Dr. Dolittle und Harry Collett als Tommy Stubbin in einer Szene des Films "Die Fantastische Reise des Dr. Dolittle". Quelle: Universal Pictures

Doch auch in der fertigen Version hakt es an allen Ecken. Regisseur Stephen Gaghan verhandelte bisher hinter der Kamera eher Politisches wie den Öl-Thriller „Syriana“ oder schrieb das oscarprämierte Drehbuch zum Thriller „Traffic“. Mit dieser familienfreundlichen Abenteuerkomödie ist er spürbar schlichtweg nicht in seinem Element. Ständig lässt er seine Schauspieler unnötig überkandidelt chargieren, ohne dass sie je besondere Spielfreude ausstrahlen. Seine Tiere wiederum kommen so leblos und wenig überzeugend animiert daher, dass ihr uncharmanter Haudrauf-Humor dabei beinahe gar nicht mehr auffällt.

Die Stars müssen sich durch ein Drehbuch quälen, das wenigstens flott vor sich hin schnurrt, aber dabei auch jeglichen Charme vermissen lässt. Rund 100 Minuten lang dauert dieser Film, der es für Humor hält, dass eine zentrale Actionsequenz damit endet, dass die Hauptfigur tief im Hintern eines Drachen Verdauungsprobleme löst, indem sie Ritterrüstungen und einen Dudelsack aus dem Hintern zieht, kommentiert vom einem gratulierenden „Respekt!“ eines Eisbären - ein Gefühl, das am Ende dann wohl nur wenige Besucher dem Film entgegenbringen dürften.

„Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“, Regie: Terrence Malick, mit August Diehl, Maria Simon, Valerie Pachner, 174 Min., FSK ab 12, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Central-Lichtspiele Herzberg, Schiller Lichtspiele Hann. Münden

Von Stefan Stosch / dpa

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