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Regional Dramatisierter Kultfilm: „A Clockwork Orange" im Theater im OP
Nachrichten Kultur Regional Dramatisierter Kultfilm: „A Clockwork Orange" im Theater im OP
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21:37 03.09.2009
In der Gewaltspirale: Szene aus „A Clockwork Orange" im Theater im OP.
In der Gewaltspirale: Szene aus „A Clockwork Orange" im Theater im OP. Quelle: EF
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Trotz anhaltender Diskussion um die Finanzierung der studentischen Bühne: Die Aktiven des Theater im OP lassen sich nicht vom Inszenieren und Spielen ablenken. Und so feierte am Mittwoch das neueste Werk Premiere: „A Clockwork Orange" nach dem Roman von Anthony Burgess lehnt sich in weiten Teilen an die Verfilmung des Stoffs durch Stanley Kubrick an, entwickelt unter der Regie von Reinhard Kluge aber auch eigene Perspektiven und Bilder.
Im Mittelpunkt des Stücks steht die Frage danach, inwiefern es moralisch zulässig ist, Menschen zum Gutsein zu zwingen, indem man ihnen den freien Willen nimmt. Dabei gleitet die Hauptfigur Alex - gespielt von Beate Pröttel - von einer Gewaltspirale in die nächste. Im ersten ist die Protagonistin die Aktive, im zweiten erlebt sie selber Gewalt. Die Folgen ihrer „Umpolung" treiben sie in einen Selbstmordversuch, der die Eingriffe in ihren Willen rückgängig macht. Zukunft: offen.

Kraft und Spannung

Die weibliche Besetzung der Hauptrolle sei der Eignung der Schauspielerin geschuldet, lässt das Programmheft wissen. Dies ist mit Sicherheit eine kluge Entscheidung, denn Pröttel spielt Alex' Zerrissenheit, ihre Aggressionen und Angst fein nuanciert und gleichzeitig mit solcher Kraft und Spannung, dass sie ihr noch weit nach dem ersten Applaus anzumerken sind. Die konsequente Umdeutung des Stücks auf weibliche Gewalt bringt der Inszenierung in einer Zeit, in der immer mehr gewalttätige Mädchen-Gangs von sich reden machen, jedoch zusätzlich einen inhaltlich modernisierten Aspekt.
Eine Besonderheit der Inszenierung sind die Schlägereien, die als perfekt choreographierte Kampfsportszenen daherkommen. Die Verbindung von Gewalt und Ästhetik macht die Verführungskraft der Situation erschreckend deutlich.

Klischeehaft überzeichnet

Einige Figuren sind im weiteren Verlauf des Stücks stark zum Klischee hin überzeichnet. Das ist schauspielerisch topp umgesetzt, im Hinblick auf die Gesamtinszenierung aber ungünstig, da komisch. Und Komik ist sicher das letzte, was man „A Clockwork Orange" als charakteristisch nachsagen würde.

Das Ensemble des Theaters im OP überzeugt durchweg durch sehr gute schauspielerische Leistungen und seine verblüffende Vielseitigkeit. Viele Mitglieder übernehmen bis zu vier unterschiedliche Rollen. Bühnenbild und Kostüme tun ein Übriges, um ein intensives Theatererlebnis zu schaffen, das erschreckend und anrührend zugleich ist. „Echt Horrorshow", würde Alex wohl sagen.

Weitere Aufführungen am 4., 5., 8., 10., 11., 12., 16., 18. und 19. September um 20.15 Uhr im Theater im OP in Göttingen, Käte-Hamburger-Weg 3. Karten unter Telefon 05 51/ 39 70 77.

03.09.2009
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