Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Die Aufgaben einer Dramaturgin
Nachrichten Kultur Regional Die Aufgaben einer Dramaturgin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:22 12.02.2019
Dramaturgin Sonja Bachmann zu Gast in der Reihe »Im Fokus« des Förderverein Deutsches Theater in Göttingen e.V. Quelle: Max Ballhaus
Anzeige
Göttingen

„Ich bin unempfindlich.“ „Ich arbeite gerne mit Menschen.“ „Ich streiche gerne beherzt.“ Mit persönlichen Stellungnahmen wie diesen hat sich am 11. Februar die Dramaturgin Sonja Bachmann vom Deutschen Theater (DT) Göttingen dem Publikum vorgestellt. Eingeladen zu diesem Abend hatte der Förderverein des DT. In der Reihe „Im Fokus“ sprach Bachmann im Theater-Keller über ihren Werdegang, ihre Aufgaben im Haus und über die aktuelle Produktion „Der Meister und Margarita“. Der Vereinsvorsitzende Harald Noack moderierte.

Zweimal nur bis Seite 30

Sonja Bachmann gibt bereitwillig Auskunft. Es ist zu spüren, wie tief sie in dem Stoff steckt, den sie durchdringen, den sie auf die Bretter bringen muss. Deutlich wird das an diesem Abend am Beispiel des von Michail Bulgakow geschriebenen Buches. „Ich habe es vor Zeiten zweimal angefangen und auf Seite 30 jeweils abgebrochen“, berichtet Bachmann von einem frühen Aufeinandertreffen mit dem Werk, das von einigen Literaturkritikern als der beste russische Roman des 20. Jahrhunderts bewertet wird. Nichtsdestotrotz ist er eine Herausforderung für den Leser und auch für die Bühne. „Wir hätten auch Faust 2 machen können – oder Dantes Göttliche Komödie“, zieht die Dramaturgin einen Vergleich mit ähnlich komplexen Werken. In der Tat ist „Der Meister und Margarita“ ein faustischer Stoff: Der Teufel kommt nach Moskau und es geschehen merkwürdige Dinge. So merkwürdig sind sie, dass sie als fantastisch, als grotesk gelten können.

Ein Abbild für die Bühne

Sonja Bachmann hat die literarische Vorlage vor der Inszenierung dreimal gelesen. Durchgelesen wohlgemerkt. Einmal, wie sie sagt, um zu schauen, „was das mit mir macht“. Ein zweites Mal um herauszukristallisieren, welche Figuren aus dem Epos für die Bühne brauchbar sind. Beim dritten Mal schließlich begann die Dramaturgin, sich darüber Notizen zu machen, wer wann auftaucht, wer mit wem zu tun hat und welche Besetzung für welche Rolle erfolgen soll. „Jede Figur hat ihre ganz charakteristische Art zu sprechen“, nennt Bachmann eine Eigenart der Bulgakow‘schen Erzählkunst. Der Roman sei kompliziert. „Wir versuchen, ein Abbild auf der Bühne umzusetzen. In Dialogfassung.“

Da der 1891 geborene und 1940 gestorbene Schriftsteller das Buch zu seinen Lebzeiten nicht mehr beenden konnte, fehlt eine Fassung aus letzter Hand. Die Dramaturgin erläutert, dass der erblindete Autor seiner Ehefrau noch Kapitel diktiert habe. „Sie hat posthum Passagen in die Maschine getippt, von denen sie wusste, dass er sie ihr so erzählt hat.“

Feigheit ist das größte Laster

Die Zuhörer, die interessiert Fragen stellen, erfahren, dass Bulgakow in seinem Roman drei Botschaften transportieren will: Feigheit ist das größte Laster der Menschen. Der Mensch an sich ist gut. Aber das System ist kaputt. Gemeint das stalinistische Regime, dessen Erfüllungsgehilfen zu Lebzeiten des Autors Millionen von Menschen in der Sowjetunion tyrannisierten, unterdrückten, verschleppten, folterten und ermordeten. Auf die Frage aus dem Publikum, wie lange sie für die Ausarbeitung der Göttinger Bühnenfassung gebraucht habe, verweist Bachmann auf den Herbst 2018. „Stundenmäßig kann ich es schlecht sagen. Aber es gab viele Nachtschichten.“ Der Bemerkung von Harald Noack, dass das nach sehr viel Arbeit klingt, mag niemand widersprechen. Und seine Nachfrage ob denn alles, „was Sie da reingesteckt haben“, nur für den Augenblick ist, beantwortet Bachmann unumwunden: „Ja.“

Germanistik in Hamburg

Sonja Bachmann stammt aus Kassel, sie studierte in Hamburg Germanistik und Geschichte, hospitierte am dortigen Thalia Theater, ging nach Leipzig, nach Bremen bevor sie nach Göttingen kam. Zu ihren Aufgaben gehört hier auch die Kinder- und Jugendarbeit. Im Haus war sie, neben dem Regisseur – im Falle von „Der Meister und Margarita“ ist das Titus Georgi – auch für die Inszenierungen von „Fabian“ und „Die Blechtrommel“ verantwortlich.

Von Ulrich Meinhard

Eine Ausstellung mit Bildern des in Göttingen lebenden Künstlers Klaus-Jürgen Fischer ist im Max-Planck-Institut in Nikolausberg eröffnet worden. Bis 6. März kann die Exposition besucht werden.

12.02.2019

Nach ihrer „erfolgreichen Live-Rutsche im Winter“ hat die Black/Metal/Punk/Doom-Band Mantar angekündigt, im Frühjahr mit ihrem dritten Album „The Modern Art Of Setting Ablaze“ durch Europa zu touren.

11.02.2019

Der Räuber Hotzenplotz ist ausgebrochen aus dem Gefängnis! Wer soll ihn wieder einfangen, wenn nicht Kasperl und Seppel? „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ hatte am Sonnabend im Jungen Theater Premiere.

14.02.2019