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Regional Drei Musikerinnen mit Werken von Brahms und Ravel im Bürgerhaus Bovenden
Nachrichten Kultur Regional Drei Musikerinnen mit Werken von Brahms und Ravel im Bürgerhaus Bovenden
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17:57 22.11.2010
Kennen sich von der Musikhochschule: Marion Zander (Violoncello) und Mechthild Kiefer (Flügel).
Kennen sich von der Musikhochschule: Marion Zander (Violoncello) und Mechthild Kiefer (Flügel). Quelle: Heller
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Gut 26 Jahre sind es her, dass Wolf, damals 14, im Preisträgerkonzert des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“ auftrat. Nach ihrer Göttinger Schulzeit hat sie in Hannover, Salzburg und Graz Violine studiert, 1996 ihre Diplomprüfung mit Auszeichnung bestanden und ist seit zehn Jahren Geigerin im Niedersächsischen Staatsorchester in Hannover.

Den Abend eröffnete die Zander, ebenfalls Mitglied des Staatsorchesters Hannover, mit der e-Moll-Cellosonate von Johannes Brahms. Sehr harmonisch war das Zusammenspiel zwischen der Cellistin und der Pianistin, fein dynamisch abgestuft, leidenschaftlich und mit schönem Ton, dem man höchstens hier und da noch mehr Fülle und Wärme gewünscht hätte.

Diese Sonate war Vorspiel zum zentralen Werk des Konzerts, der Sonate für Violine und Violoncello von Maurice Ravel. Der Komponist, der sonst für atmosphärisch dichten Wohlklang mit dem Farbreiz ausgesucht raffinierter harmonischer Wendungen angereicherte Musik steht, zeigt in diesem Werk eine ganz andere Spielart seines Könnens. Er pflegt hier einen fast durchgängig linearen Stil und überrascht mit stellenweise schroffen Dissonanzen und äußerst komplexen Rhythmen. Darin ist er eher Bartók oder Strawinsky verwandt als seinem Landsmann Claude Debussy, dessen Andenken er die Sonate gewidmet hat. Hier waren Wolf und Zander einander perfekt ergänzende, völlig gleichberechtigte Partnerinnen. Sie gestalteten diese faszinierende Sonate mit zupackender Energie, rhythmischer und tonlicher Präzision und großer Spielfreude, die sich im Nu auf das Publikum übertrug. Unter den Zuhörern: die Göttingerin Annette Neumann, erste Geigenlehrerin von Wolf.

Im Schlussstück des Abends führte Wolf die Hörer mit der G-Dur-Violinsonate von Brahms wieder zurück ins 19. Jahrhundert. Hier ließ sie, am Flügel wiederum zuverlässig unterstützt von Kiefer, die melodischen Schönheiten reich blühen, schuf weite Spannungsbögen zwischen dramatisch ausbrechender Leidenschaft und lyrischer Innerlichkeit. Im Geigenton zeigte sie feinste Differenzierungen vom voll ausschwingenden, satten Melos der tieferen Lagen bis zu ganz zarten, weichen Klängen. Für den begeisterten Beifall gab es einen Klaviertrio-Satz von Debussy als Zugabe.

Von Michael Schäfer