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Regional Magisch opulente Sounds von Cari Cari
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14:07 12.01.2019
Stephanie Widmer und Alexander Köck sind das Duo Cari Cari. Am Freitag gastierte es im Nörgelbuff in Göttingen. Quelle: LIN
Göttingen

Sie werden gerne in die Nähe von The Kills und The XX gerückt. Ihre wuchtig instrumentierte, gitarrengeprägte Musik scheint jedoch eher den staubtrockenen Wüsten Mexikos entsprungen zu sein. Das Duo Cari Cari kommt aber aus Österreich und zauberte am Freitag magisch opulente Sounds in den Nörgelbuff.

Schlagzeugerin und Sängerin Stephanie Widmer und Gitarrist und Sänger Alexander Köck werden als eine der spannendsten Neuentdeckungen Europas gehandelt und haben inzwischen schon viele Länder bereist und bespielt. Nach einem Auftritt beim „Primavera Sound Festival“ in Barcelona bezeichnete sie der Rolling Stone als wichtigste Live-Entdeckung des Festivals. Ihre Musik scheint wie für die große Leinwand geschaffen.

Einsamer Reiter am Horizont

Das restlos ausverkaufte Konzert wurde von der kleinen Göttinger Agentur Mukke-Booking organisiert. Die feierte vor einem Jahr ihren Start mit einem ebenfalls ausverkauften Auftritt von Cari Cari im Nörgelbuff.

Die Bühne ist komplett abgedunkelt, während ein Intro aus dem Off ertönt. Irgendwo in weiter Ferne scheint ein einsamer Reiter am Horizont aufzutauchen und langsam näher zu kommen. Oder ist es nur eine Fata Morgana? LED-Blitze zucken durch den Raum und mit großer Wucht reißt „Anaana“ die Stille auf. Cari Caris mystischer Retro-Ritt schafft von Beginn an gewaltige Sounds, die opulente Bilder im Breitwandformat aufrufen. Unterstützt wir das Duo von Ivo-Maria Thomann, der hin und wieder die Drums übernimmt. Songs schleppen sich in Slow-Motion dahin, wie das magische „Nothing's Older Than Yesterday“. Ennio Morricone lässt grüßen. Das von einer Maultrommel angetriebene „Dear Mr. Tarantino“ haben sie ihrem Film-Idol gewidmet.

Didgeridoo und Jugendherberge in Australien

Weil sie noch nie in einem Tarrantino-Film vorgekommen seien, hätten sie die Band gegründet, erzählt Köck. Eine ihrer Tugenden sei die Selbstüberschätzung. Er bezeichnet sich und seine Partnerin als geniale Freigeister und ihre erste Tour hätten sie dann auch gleich in Australien gespielt, wo sie in einem Hippie-Dorf gelandet seien. Köck ist in Plauderlaune und erzählt von Hindernissen wie einer Bingo-Night, für die das einzige Mikrofon benötigt wurde, und einem riesigen Ureinwohner, dem nicht gefiel, das Widmer ein Didgeridoo spielen wollte. Später erfuhren sie, dass das Instrument bei den Aborigines ein heiliges Instrument ist und von Frauen nicht gespielt werden darf. So hätten sie es immerhin von leeren Jugendherbergen in Australien bis in den ausverkauften Nörgelbuff geschafft, fährt Köck schmunzelnd fort.

Dieser bedient im Laufe des Abends ein ganzes Arsenal an E-Gitarren und steigert sich dabei so manches Mal in wahre solistische Inferni. „Camoubee“ und „Mechikko“ kommen als trocken, shuffelige Blues-Rock Nummer mit leicht halligen Stimmen aus dem Off. Dann wiederum entzündet Widmer ganz intim nur zu einem kleinen Kerzenlicht mit „Do Not Go Gentle Into That Good Night“ ein gesangliches Glanzlicht.

Geschichten von Schildkröten und Katzen

„After the Goldrush“ kommt mit kargem Gitarren-Lick, Maultrommel, Didgeridoo und Widmers verführerisch verrauchter Stimme. „Summer Sun“ hat diesen magisch, mitreißenden Groove, der sich umgehend ins Gehör schmeichelt. Zum Ausklang setzt ein wildes Gitarren-Intro „Mapache“, den Waschbären, frei, der es nicht nur in das Video zu dem Song, sondern bekanntlich von seiner Heimat Nordamerika inzwischen auch bis in unsere Gärten geschafft hat.

Ohne umgehende Zugaben lässt das restlos begeisterte Publikum die Band erst gar nicht von der Bühne. So gibt Köck noch humorige Geschichten von aus Kroatien geschmuggelten Schildkröten und der zu früh gestorbenen Katze von Widmer zum Besten, die im Song „Kittycat“ ihre letzte Ruhe findet. Mit „White Line Fever“ lassen sie noch einen Song von der Leine, der es in die preisgekrönte US-Serie „Shameless“ geschafft hat, bevor sie zum Abschluss im Duett noch Bob Dylan huldigen. Cari Cari strahlen eine unglaublich rohe, mitreißende Energie aus und wenn der berauschende Spuk einer Fata Morgana gleich plötzlich vorbei ist, möchte man den Film gleich noch mal auf Anfang spulen.

Von Jörg Linnhoff

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