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13:50 06.08.2019
Eberleins Modell für einen Brunnen in Rom – hier in der Ausstellung in der Bundeskunsthalle. Quelle: R
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Göttingen/Bonn

Wuchtig steht der Denkmalsentwurf in dem Ausstellungsraum in der großen Goethe-Schau in der Bundeskunsthalle in Bonn. Ein Abbild Johann Wolfgang von Goethes thront auf einem Säulenkapitel, rechts und links flankiert von zwei Figurengruppen. Der Künstler Gustav Eberlein (1847-1926) hat dieses Werk 1902 geschaffen, normalerweise präsentiert das Städtische Museum in Hann. Münden das Werk, bis zum 15. September aber schmückt es die Ausstellung „GoetheVerwandlung der Welt“.

In großen Teilen unversehrt

Der Göttinger Künstler Erhard Joseph hat in den vergangenen Jahrzehnten etwa 80 Werke Eberleins restauriert, darunter einige Arbeiten, die nur noch in mehr oder minder großen Bruchstücken vorhanden waren. Auch das laut seinen Angaben 300 Kilogramm schwere Modell des Brunnens, das jetzt in der Bonner Ausstellung steht, ist durch seine Werkstatt gegangen.

1987 restaurierte er das Stück, das allerdings in großen Teilen unversehrt war. Ersetzen musst Joseph allerdings die rechte Brust der Mignon, die mit Harfner eine Figurengruppe des Denkmals bildet. Das Abschlagen der Brüste war laut Joseph eine Spezialität derjenigen, die viele der Eberlein-Werke in Hann. Münden verwüsteten oder gar komplett zerschlugen und die Scherben als Füllmaterial unter Dielenböden kippten.

Spannende Figurengruppen

Auch den Kopf des Mephisto, der mit Faust eine weitere Gruppe bildet, musste er modellieren, dazu eine Hand und einen Fuß. Aus dem Unterbau habe er viel Gips herausgenommen. Alles sei eine Herausforderung gewesen, meint Joseph, vor allem, weil das Stück transportiert werden musste. Mehrere Monate habe er an dem Modell gearbeitet.

Sammlungen aus der Region haben Werke für die große Goethe-Schau in Bonn zur Verfügung gestellt, teils restauriert von Erhardt Joseph.

Johanna Adam ist Kuratorin in der Bundeskunsthalle und dort für die Schau verantwortlich. Den Eberlein-Entwurf nennt sie ein „hochkomplexe Konstellation“. Die drei Figurengruppen zu Goethes Füßen hält sie „für viel spannender“ als die Hauptfigur.

Besinnung „auf die großen Kulturreiche“

Entstanden um die Wende zum 20. Jahrhundert werde Goethe „stark überhöht als nationale Identifikationsfigur“, erklärt Adam. Faust und Mephisto stünden für Deutschland als Kulturnation und für seine Philosophietradition. Die Figurengruppe Mignon und Harfner versinnbildliche die lyrische Dichtung Italiens. Die dramatische Dichtung Griechenlands werde symbolisiert durch Iphigenie und Orest. Die Verbundenheit zu den beiden Mittelmeerländern sei zu der Zeit sehr wichtig geworden. Die Konstellation sei als „Traditionsdreieck“ angesehen worden, eine Besinnung „auf die großen Kulturreiche“. Der Brunnen, der nach einem ähnlichen Entwurf schließlich in Rom gebaut wurde, steht noch heute im Park der Villa Borghese, ein sehr bekannter Standort. Eine Detektivarbeit, das Werk für die Ausstellung zu finden, sei es also nicht gewesen, sagt Adam, „auch kein Hexenwerk“.

Adam hat in Göttingen Kunstgeschichte studiert und weiß um die Bedeutung verschiedener kunsthistorischer Einrichtungen in Göttingen – beispielsweise auch die der Gipsabguss-Sammlung der Universität. Auch hier hat sie zwei Werke für die Ausstellung ausgeliehen. Den „Kopf des Laokoon“ für das erste Kapitel der Schau in dem es um Goethes Bildungshorizont geht, um die Kunst der Antike. Bei dem zweiten Stück handelt es sich um einen mächtigen Frauenkopf, um Juno Ludovisi. Im Goethe-Wohnhaus in Weimar steht ein Exemplar, in der Bonner Ausstellung der Göttinger Abguss.

Sehr regen Leihverkehr

Daniel Graepler, Kustos der Sammlung am Archäologischen Institut der Göttinger Universität, hat die Leihverträge für die beiden Werke bearbeitet. Er bestätigt einen sehr regen Leihverkehr. In der Regel hätten sie Werke in vier bis fünf Ausstellungen parallel.

Verliehen hat Martina Krug, Leiterin des Städtischen Museums in Hann. Münden, den Brunnenentwurf. Vor einem Transport „hat man immer Bedenken“, sagt Krug. Die Gipsplastiken von Eberlein seien „höchst fragil. Die kucken Sie nur böse an, dann splittern sie schon.“ Und die Museumschefin bekräftigt: „Die würden wir nicht jedem ausleihen.“ Sie habe aber im Vorfeld Kontakt mit der Kuratorin in Weimar gehabt, die an der Organisation der Ausstellung beteiligt war. Als „sehr professionell“ schätzt sie deren Arbeit ein. Krug freut sich, dass das Werk in der Bundeskunsthalle einen besseren Raum hat als in Hann. Münden. „Wir wollen es ja auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Schön, dass Eberlein dort sein Publikum findet.

Der mächtige Brunnenentwurf befindet sich in der Bonner Ausstellung übrigens in bester Gesellschaft. Umrahmt wird er von zwei typischen farbkräftigen Goethe-Porträts, die Andy Warhol geschaffen hat.

Sie erreichen den Autor per E-Mail unter p.krueger-lenz@goettinger-tageblatt.de.

Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle

Die Ausstellung „GoetheVerwandlung der Welt“ läuft noch bis zum 15. September in der Bundeskunsthalle, Museumsmeile, Helmut-Kohl-Allee 4. Sie ist dienstags und mittwochs von 10 bis 21 Uhr, donnerstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet mit dem Kombiticket für dieses Ausstellung und die Schau „Goethes Gärten“ kostet 14 Euro, ermäßigt 9 Euro. Für ein Ticket nur für die „Verwandlung der Welt“ schlägt mit 10 Euro zu Buche, ermäßigt 6,50 Euro. Wer alle derzeit laufenden Ausstellungen besuchen will, zahlt 15 Euro, ermäßigt 10 Euro. Sie können hier online bestellt werden.

Von Peter Krüger-Lenz

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