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Regional Eifriges Liebeswerben im Kasseler Zauberwald
Nachrichten Kultur Regional Eifriges Liebeswerben im Kasseler Zauberwald
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18:10 03.07.2009
Auf dem Liebeskarussell: Hermia (Birte Leest), Lysander (Enrique Keil) und Demetrius (Daniel Scholz) (von links).
Auf dem Liebeskarussell: Hermia (Birte Leest), Lysander (Enrique Keil) und Demetrius (Daniel Scholz) (von links). Quelle: Ketz
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Die Hochzeitsgesellschaft fährt in einer Stretch-Limousine vor, die Elfen sind auch nicht mehr die Jüngsten, und Theseus, Herzog von Athen im rosa Glitzersmoking, bedient sich programmatisch bei Modern Talking: „S.O.S for love“. Und das alles unter freiem Himmel. Wow.

Nicht die geordnete Parklandschaft der Landgrafen von Hessen dient in der Kasseler Karlsaue als Kulisse für den „Sommernachtstraum“, sondern eine weite, von Bäumen und Hügeln umstandene Lichtung. Ein Traum in Grün. Als stünde man tatsächlich im Wald, im Zauberwald.

Ein blinkendes Kinderkarussell, eine weiße Terrasse und die Tiefe des Waldesraums: Mehr braucht es nicht zum Glücklichsein (Bühne: Daniel Roskamp). Irgendwo weit weg läuft ein Jogger, Trinker torkeln aus dem Schutz der Bäume, ein Sportler schleppt Kühlboxen. Alltäglich, fast unmerklich lässt Kassels Oberspielleiter Volker Schmalöer seine Inszenierung des derb-komischen Klassikers beginnen. Und zieht danach Register um Register, ohne Scheu vor Slapstick, bis sich das elfeninduzierte Bäumchen-wechsel-dich-Spiel in seiner ganzen Pracht entfaltet.

Die Noch-Geliebten, Noch-nicht-Geliebten, Nicht-mehr-Geliebten und Dann-doch-wieder-Geliebten laufen sich im Wortsinne nach, durchs Unterholz, mit Rollkoffer, über Stock und Stein. Es sind heutige Menschen: Rebekka Kricheldorf, die sich immer mehr zur Kasseler Hausautorin entwickelt, hat ihnen eigens für diese Inszenierung frische Reime in den Mund gelegt.

Manch feine Perle

Modern und munter, wenn auch gelegentlich etwas erwartbar knittelt ihre Neuübersetzung – und bietet manch feine Perle: „In dieser Stimmung macht das keinen Sinn“, resigniert der von Hermia verschmähte Demetrius, „drum leg ich mich halt erst mal hin.“ Und die so hartnäckig wie haltlos um Demetrius werbende Helena (in wunderbar komischer Verzweiflung: Christina Weiser) klagt: „Du untergräbst hier meine Weiblichkeit / die Balz ist eure Angelegenheit.“

Der Shakespeare’sche Spaß verliert dabei nicht seine Doppelbödigkeit: Auch ohne den Zauber eines Puck (Aljoscha Langel als grünhaariger Irrwisch) kann es im richtigen Leben schließlich auch schon mal recht schnell gehen mit Anfang, Ende und Anfang. Boris Becker hat’s jüngst erst vorgemacht: SMS for love. Oder eher: nicht mehr love. In Kassel bleibt trotzdem vor allem das wohlige Gefühl eines lauen Sommerabends zurück. „Ach, schön“, seufzte eine Premierenbesucherin. Mit ganz langem Ö.

Kassel, Karlsaue (Nähe Gärtnerplatzbrücke). Weitere Aufführungen: 4., 5., 7., 8., 10., 11., 12., 14., 15., 17., 18., 19.7., um 21 Uhr. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0561/ 1094-222.

Von Joachim F. Tornau

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