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Regional Ein leises Danke vom letzten Rentierfresser
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19:56 08.09.2011
Auf der Suche: Baltasar Rüchardt als Edgar, Catharina Bonnemann als Eva, Daniela Papenhagen als Elsa und Yannick Gerry Eller als Herbert (von links). Quelle: Opitz
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Ein Wohnzimmer umgeben von zerstörten Wänden und mit grüner Wiese auf dem Boden, ein Tisch, ein Stuhl, ein Fernseher, ein Reh und eine Truhe bilden das Bühnenbild von Hanna Kück. Dieses einfache Zimmer irgendwo im Niemandsland ist das neue Zuhause von Eva Kahmer – hervorragend gespielt von Catharina Bonnemann –, die ihrem Mann Herbert (Yannick Gerry Eller) hierher gefolgt ist. Dieser ist gemeinsam mit dem Ingenieur Edgar (Baltasar Rüchardt) seit drei Jahren vergeblich auf der Suche nach Öl. Zusammen mit ihrer einheimischen „Putzhilfe“, wie sie Gomua (Jennifer Traum) abwertend nennt, fristet Eva ein einsames Dasein. Sie ist hin und her gerissen zwischen der Gier nach Reichtum, der Hoffnung auf ein schönes Leben jenseits dieses verlorenen Ortes und ihrem Gewissen. Überzeugend stellt Bonnemann die Ehefrau dar, die sich nutzlos fühlt und sich nur über ihre vermeintliche Überlegenheit gegenüber ihrer Haushaltshilfe und dem einheimischen Volk definiert. Von ihrem Gewissen geplagt, leidet sie an Wahnvorstellungen in denen sie von einer Frau (Daniela Papenhagen) verfolgt wird. Als Herbert und Edgar am Ende doch noch auf Öl stoßen, tötet sie, unter Wahnvorstellungen leidend, die beiden Männer.

Das Stück erzählt von der Gier nach Geld, bei der die Menschlichkeit, die Moral und nicht zuletzt das eigene Leben auf der Strecke bleiben. Und von der westlichen Arroganz gegenüber den „unzivilisierten“ Ländern und ihren Menschen. So erklärt Herbert, von dem Ölfund erhitzt, dass die Nomaden – deren Land er gerade plündert – irgendwann dankbar sein werden: „Bald wird auch der letzte Rentierfresser gewaschen und gepflegt sein … sie werden auf den Ölfeldern Arbeit finden, und bald wird auch der letzte Rentierfresser ein leises Danke hauchen.“

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Ein Schauspiel über die Idiotie der westlichen Lebensweise – gut inszeniert und trotz der nur zur Hälfte gefüllten Publikumsreihen mit großem Beifall beklatscht.
Weitere Termine am 9., 10., 13., 14., 16., 20., 21., 23. und 24. September im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3. Karten unter Telefon 05 51 / 39 70 77 oder im Internet unter thop.uni-goettingen.de

Von Noreen Hirschfeld