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Regional „Einblicke“: Zeichnungen von Helmut Boeder im Göttinger Künstlerhaus
Nachrichten Kultur Regional „Einblicke“: Zeichnungen von Helmut Boeder im Göttinger Künstlerhaus
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18:24 15.09.2014
Immer ein weißer Hintergrund: Drei Werke von Helmut Boeder.
Immer ein weißer Hintergrund: Drei Werke von Helmut Boeder. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Dabei ist das sich richtig anfühlen gar kein Gefühl, das der Künstler selbst nur beim Zeichnen hegt. Es ist auch das Motiv an sich.

In der Ausstellung unter dem Titel „Einblicke“ zeigt der Künstler aus Gleichen im Weißen Saal des Künstlerhauses vorrangig Zeichnungen. Besonders die dreiteilige Bilderserie „Dächer im Dorf“ steht dabei symptomatisch für Boeders Kunst. Die Zeichnungen zeigen horizontale Anhäufungen geometrischer Flächen, wobei jede Fläche in einem eigenen monochromen Grauton gehalten ist.

Es sind Dächer, das verrät der Titel der Serie, aber es fehlen die Details. „Ich habe absichtlich kein Fachwerk oder Schornsteine zugefügt“, erzählt der Künstler. All diese Einzelheiten würden auch stören, denn Boeder malt keinen Ort. Es geht ihm um etwas Grundsätzliches – das Zuhause. „Die Dächer stehen für Heimat und Gemütlichkeit. Vielleicht steckt auch ein wenig Melancholie dahinter. Es ist nun mal so, dass wir nicht immer ein Zuhause haben und dass jeder einmal weggehen muss.“

Boeder nutzt in all seinen Bildern das Mittel der Reduktion. Nur in Einzelobjekten bleibt der Künstler konkret. Wie etwa ein Bild einer Gruppe von Stühlen um einen Tisch zeigt. Auch hier bleibt der Hintergrund undefiniert weiß, und auch ein Boden wird nicht angedeutet. Die Tischgruppe scheint zu schweben. Doch selbst wenn der Betrachter keinen umgebenden Raum zu erkennen vermag, ist eine positive Atmosphäre dennoch spürbar. Ein Stuhl ist nach vorn gezogen, wie eine Einladung, Platz zu nehmen. „Einladung“ ist auch der Titel des Bildes. Es erzählt von Gemütlichkeit, und dem nicht Alleinsein.

„Es gibt viele Wirklichkeiten, aber es gibt auch eine sichtbare Wirklichkeit. Und die will ich zeigen“, sagt Boeder. Um eine behagliche Atmosphäre zu schaffen, braucht er deswegen kein stimmungsvolles und aufwändiges Lichtarrangement, und nicht mal einen Raum. Nur ein paar Einzelheiten.

„Was ich mache, ist nicht für jeden etwas“, meint der Künstler, „Es ist schon ein bisschen ereignislos.“ Aussagelos sind seine Bilder, zeigen sie auch nur wenig Konkretes, aber auf keinen Fall.

Von Daniela Lottmann

Ein Künstlergespräch mit Helmut Boeder beginnt am Sonntag, 21. September, um 11.30 Uhr im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 12. Oktober, zu sehen (dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr).