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Regional Elisabeth Zöller über Anton oder die Zeit unwerten Lebens
Nachrichten Kultur Regional Elisabeth Zöller über Anton oder die Zeit unwerten Lebens
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12:17 04.11.2010
Elisabeth Zöller
Elisabeth Zöller Quelle: EF
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Kein Grund sich zu verstecken oder nicht zur Schule zu gehen – eigentlich. Im Jahr 1941 existiert eine andere Realität. Es ist die Zeit unwerten Lebens. Behinderte Kinder werden auf Anordnung von Adolf Hitler massenhaft ermordet.

Elisabeth Zöller hat diesem brutalen Verbrechen ein Gesicht gegeben. Die Kinder- und Jugendbuchautorin hat die Geschichte von Anton aufgeschrieben. Es ist eine wahre Geschichte. Anton Brocke war ihr Onkel. In einem Punkt unterscheidet sich Antons Geschichte jedoch gravierend von der anderer Kinder, die Opfer der Euthanasie geworden sind. Anton hat überlebt. Wie er und seine Familie das geschafft haben, berichtet Zöller in ihrem Roman „Anton oder die Zeit unwerten Lebens“.

Die Autorin war am Dienstagabend im Rahmen der 42. Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Literarischen Zentrum zu Gast. Ihr Auftritt war in vieler Hinsicht besonders: Das Thema ist bewegend, weil es so unglaublich ist, mit welcher Arroganz und Gleichgültigkeit in der Nazizeit über Leben und Tod entschieden worden ist. Zöller versteht es zudem, eine Atmosphäre der Spannung zu erzeugen. Die Autorin liest nicht aus ihrem Buch, sie erzählt die Geschichte von Anton – mitreißend, pointiert und sehr anrührend. Der Zuhörer ist mittendrin in Antons Kinderzimmer, in dem dieser sich wochenlang verstecken muss, wo er darüber nachdenkt, dass man sogar dort, an diesem einsamen und geschützten Ort Hochverrat begehen kann, wenn man die Wahrheit sagt.

Zöller hat für diesen Roman über ihren Onkel lange recherchiert. In der Familie und bei Freunden und Bekannten, aber auch in Archiven. Die 65-Jährige schreibt seit 20 Jahren Kinder- und Jugendbücher. Den Roman über Anton hätte sie gern als erstes veröffentlicht. Sie habe die Geschichte aber erst aufschreiben können, nachdem Anton und ihre Mutter (Antons Schwester) gestorben waren. Es wäre ihr sonst wie ein Stück Verrat vorgekommen.

Eine Zuschauerin möchte wissen, ob das Buch trotz des brutalen Themas wirklich schon für Zehnjährige geeignet sei. Zöller bejaht. Zum einen würden Kinder heute sehr früh mit Gewalt konfrontiert, zum anderen hätten sie ein sehr großes Interesse an historischen Fakten dieser Zeit.

Eine weitere Besonderheit der Veranstaltung war die Moderation. Die hatten zwei Mitglieder der Jubu-Crew Göttingen übernommen. Die 14-jährige Swenja Heise, Schülerin des Max-Planck-Gymnasiums, und die 15-jährige Felicita Gernhardt von der Voigt-Realschule führten souverän durch den Abend.
Elisabeth Zöller: „Anton oder die Zeit unwerten Lebens“, Fischerverlag. 6,95 Euro.

Mehr Programm

Die 42. Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche geht noch bis Sonntag, 7. November. Unter anderem liest Jeanette Randerath am heutigen Donnerstag um 16 Uhr in der Buchhandlung Thalia, Weender Straße 36, aus ihrem „Abschiedsbrief von Opa Maus“. Und am Freitag gibt es um 16 Uhr eine interaktive Massagelesung für Drachenfreunde mit Minna McMaster im Pfarrheim in Gieboldehausen, Mittelstraße 1.

Von Eida Koheil