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Regional Emotionen im Feld: Primatenforscherin Julia Fischer liest in Paulinerkirche
Nachrichten Kultur Regional Emotionen im Feld: Primatenforscherin Julia Fischer liest in Paulinerkirche
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12:00 21.10.2019
Ein Gespräch mit der Primatenforscherin Julia Fischer ist Teil des Buches „Emotionen im Feld“. Quelle: Oliver Möst
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Göttingen

Wissenschaftler und persönliche Gefühle – ein neu erschienenes Buch bündelt Gespräche zu Grenzsituationen. Die Göttinger Primatenforscherin Julia Fischer ist Teil davon und spricht in „Emotionen im Feld – Gespräche zur Ethnografie, Primatografie und Reiseliteratur“ mit der Herausgeberin Katja Liebal über persönlich prägende Erlebnisse in ihrer Feldforschung:

„Oh je, das sind so viele. Eigentlich oft kleine Beobachtungen, kleine Szenen, die einen zum Nachdenken bringen darüber, was die Tiere wissen oder wie sie andere Gruppenmitglieder sehen. Wie sich kleine Paviankinder erregt und neugierig neu eingewanderten Männchen nähern, obwohl diese für sie eine echte Gefahr darstellen können. Wie das halbwüchsige Pavianmännchen Lala sich unter einem Baum postiert, in dem sein kleiner Bruder Puncture auf einem sehr hohen Ast von einem älteren Männchen drangsaliert wurde, und es schien, als würde er ihn zum Springen ermutigen wollen – was der Kleine dann auch schreiend tat. Lala nahm ihn in die Arme und trug ihn am Bauch davon. Wie die Berberaffen reagierten, als wir ihnen eine Gummischlange in ihr Futterhäuschen legten: jeder Einzelne wich erschrocken zurück, aber keiner warnte den anderen vor der möglichen Gefahr.

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Cover Quelle: r

Wie das Pavianweibchen Beth von der ranghöheren Swallow kräftig in die Schwanzwurzel gebissen wurde und die Zähne aufeinanderbiss, um (anscheinend) bloß nicht zu schreien. Wie die Paviane in Botswana einen großen Kreis schlugen, um einer Gruppe von Löwinnen auszuweichen, und am Ende wieder genau dort herauskamen, wo die Löwen lagen. Und dann gibt es auch persönliche Schreckensmomente. Zum Beispiel bin ich am Anfang unseres Projektes im Senegal einmal einem weiblichen Tier zu nahe gekommen, das dann anfing zu schreien, und dann rannte das dazugehörige männliche Tier auf mich zu – da ist mir das Herz wirklich in die Hose gerutscht. Aber ich habe mir das nicht anmerken lassen, sondern bin ihm mit einem Ast in der Hand und laut brüllend entgegengerannt. Da ist er dann abgebogen. Ich musste danach aber erstmal zurück ins Camp, weil ich so weiche Knie hatte.“

Katja Liebal / Oliver Lubrich / Thomas Stodulka (Hg.): „Emotionen im Feld – Gespräche zur Ethnografie, Primatografie und Reiseliteratur“, transcript Verlag, 272 Seiten, 30 Euro.

Am Mittwoch, 23. Oktober, lesen Fischer und Liebel beim Göttinger Literaturherbst ab 19 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14. Karten sind erhältlich in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Marktstraße 9 in Duderstadt und Wiesenstraße 1 in Göttingen, sowie unter gt-tickets.de.

Von Lea Lang

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