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Engagierte Musiker und ein emotionales Publikum bei der Göttinger Gitarrennacht

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11:44 29.09.2021
Der emotionale Auftritt von David Sick endete nach mehreren Zugaben in einer Improvisation gemeinsam mit Peter Funk.
Der emotionale Auftritt von David Sick endete nach mehreren Zugaben in einer Improvisation gemeinsam mit Peter Funk. Quelle: Jörg Linnhoff
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Göttingen

Der Freiburger Gitarrist David Sick war sichtlich bewegt ob des euphorischen Beifalls, der seinen Auftritt begleitete. Ein solch emotionales Publikum habe er selten erlebt, so Sick. Dieses konnte sich bei der nunmehr 19. Göttinger Gitarrennacht im Alten Rathaus erneut von der großen Vielfalt akustischer Gitarrenmusik überzeugen.

Bach auf der Dobro

Traditionell lässt es sich der Gitarrist und Gastgeber Peter Funk nicht nehmen, den Abend zu eröffnen: Er spiele eben so gerne, merkte er schmunzelnd bei der Begrüßung an. Um einen Kontrast zu den akustischen Gitarren der Gastmusiker zu setzen, hat er sich auf den Einsatz von Lapsteel- und Slidegitarren konzentriert.

Das automatisch für eine Internetplattform generierte Passwort „Amyrantha“ ist Namensgeber für ein neues Album und das Titelstück „Amyrantha Blues“. „Mann, haben wir Musiker das vermisst“, entfährt es Funk nach dem ersten Applaus. Johann Sebastian Bachs „Jesu, meine Freude“ legt er auf der Dobro-Gitarre ein neues Kleid an. Der ungeliebte letzte Präsident der USA gibt dem Instrumentalstück „Hallelujah, Trump is gone“ seinen Titel. Ein inzwischen „verbotenes Lied“ in Gitarrenläden ist laut Funk Deep Purples „Smoke on the water“, mit dem er seinen Auftritt krachend beendet.

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Tagebuch auf der Gitarre

Mit kontemplativen Kompositionen wartet im Anschluss das Göttinger Duo mit dem Gitarristen Michael Mau und dem Kontrabassisten Philip Miller auf. „Viele meiner Kompositionen sind schon vor Jahren bei Reiseeindrücken oder Tagesstimmungen wie eine Art Tagebuch auf der Gitarre entstanden“, erzählt Mau. Zu der Duo-Besetzung habe ihn Bill Frisells 1998 veröffentlichtes Album „Gone, Just Like a Train“ inspiriert. „Blue Skies“ ist Impressionen auf einer Reise durch Südfrankreich entsprungen, wie auch „La Lumiere“ dem Licht dieser Gegend nachempfunden ist. Miller gibt den Stücken einen kongenialen Anstrich auf dem Kontrabass, ein in sich ruhender, stimmiger Auftritt, den sie mit dem Stück „Am Ende des Tages“ beschließen.

Musikalische Urgewalt

Wenn zum Abschluss der in Leipzig lebende Gitarrist David Sicks die Bühne betritt, kommt dies einem vertonten Urknall gleich. Genau dem hat er auch in seiner Komposition „Big Bang“ einen Klangkörper gegeben. Sicks Auftritt ist pure polyphone Energie. Wenn er bekannte Stücke wie „Sunny“ oder eigene Kompositionen wie „Offhand“ oder „Handjob“ in wahrlich rasanter Handarbeit zelebriert, bleibt dem Publikum nur ein stilles großes Staunen, das anschließend euphorischem Applaus weicht.

„Piece for Cello“ ist seine Antwort auf die Frage, ob er auch etwas Ruhiges spielen könne. Sick ist eine musikalische Urgewalt. Er lebt seine Stimmungen auf der Bühne körperlich wie auch mimisch aus. „Zuletzt habe ich vor sieben älteren Leuten in einer Kirche gespielt“, ist sein Kommentar auf den wiederkehrenden rhythmischen Applaus. Als Dank kommt er für gleich mehrere Zugaben zurück auf die Bühne, bevor er den Abend in einer Improvisation gemeinsam mit Funk beendet.

Von Jörg Linnhoff