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Regional Göttingen: Enno Bunger in der Musa
Nachrichten Kultur Regional Göttingen: Enno Bunger in der Musa
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14:03 18.10.2019
Enno Bunger während seines Auftritts im Göttinger Kulturzentrum Musa. Hier stellte er sein neues Album „Was berührt, das bleibt“ vor. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Wenn Enno Bunger Musik macht, muss man hinhören. Seine Songs lassen es nicht zu, nebenbei etwas anderes zu machen, sie fordern Konzentration ein. Der 34-Jährige hat am 17. Oktober im Göttinger Kulturzentrum Musa ein Konzert gegeben – und die Aufmerksamkeit des Publikums war ihm sicher. „Was berührt, das bleibt“, so hat Bunger sein inzwischen viertes Album betitelt.

„Ich kann nur wütend und traurig“

Die Zuhörer sind ihm freundlich zugetan, sind auch neugierig auf die Lieder. „Ich kann nur wütend und traurig“, sagt Bunger. Kein Wunder, dass er die Traurigkeit kennt. Dass alles auf der Welt vergänglich ist und der Mensch nur Gast auf Erden, hat ihm seine Lebenserfahrung bereits durch Schicksalsschläge aufgezeigt. So starb die Frau eines Musikerkollegen; Bungers Freundin Sarah Muldoon, selbst Musikerin, erkrankte an Krebs.

Daraus macht er kein Geheimnis, er thematisiert Leiden, Tod und Sterben, aber auch Zuversicht, Hoffnung, Aufbegehren. Bis hin zur Wut. Das Leben kann wütend machen, wenn es so ganz anders verläuft als gehofft, wenn Schräge und Schrägheit überhand nehmen und man zur Kenntnis nehmen muss, dass längst nicht alles in der eigenen Hand zu liegen scheint. So ist ein Album mit Liedern entstanden, die Tabuthemen aufgreifen. Bunger geht mit Electro Wave und Rap zudem neue musikalische Wege.

Auf allen Sendern das gleiche Gedudel

Wütend machen ihn auch weniger dramatische Dinge, wenn etwa Werder Bremen ein Spiel verliert. Auch das immer gleiche Gedudel auf fast allen Radiosendern in Deutschland bringt ihn auf die Palme. Wer in München losfährt und Ostfriesland ansteuert, dort, wo Bunger zuhause ist, wird all die Stunden der Fahrt stets eine sich immer wiederholende Mixtur von Mainstreamsongs auf die Ohren bekommen. Das nervt bis in die Zehenspitzen. Bunger kann ein Lied darauf singen und singt es, drapiert mit zwei Mittelfingern. Das löst. Das propagiert er. Und grinst befreit.

Musik bringt Empathie in die Welt

Seine Lieder hätten zu viel Pathos, lautet eine Kritik, die den Künstler durchaus trifft. Er geht im Konzert darauf ein, weist den Vorwurf von sich. Und doch, Pathos ist ihm gegeben, zumindest im Ansatz, teilweise – und wenn man es so empfindet. Gute Kunst aber hat die Lizenz zum Überzeichnen, auch zum Übertreiben, und berührt damit den, der für diese Berührung empfänglich ist. Das griechische Wort Pathos bedeutet Erlebnis, Leiden und Leidenschaft. Wer in ein Konzert mit Bunger geht, darf genau das erwarten. Der Mann ist auf der Suche nach dem, was zählt, was bleibt. Und also setzt er nach eigener Überzeugung auf das, was berührt. Dass er das schafft, versichern ihm Zuschriften über die sozialen Medien. Das wiederum berührt ihn: „Dass Musik Empathie in die Welt bringt, finde ich total gut“, sagt er.

Flammender Appell flimmert über die Bühne

Bunger ist auch ein politischer Musiker. „Wir können etwas dafür, wenn wir nichts dagegen tun“, mit dieser Zeile, verpackt in ein Lied, das wie ein flammender Appell über die Bühne flimmert, prangert er Rechtsextremismus, Menschenverachtung und das Leugnen von Klimawandel und Klimakrise an. Die Politik, kritisiert er, mache den Eindruck, als würde sie mit der Natur verhandeln wollen wie mit dem Energieriesen RWE, um einen Kompromiss zu erzielen. „Aber keine Angst, ich will keine Partei gründen“, ruft er in die Zuschauerreihen.

Sarah Muldoon und ihr Bruder Julian betraten als Support die Bühne. Beide Künstler haben an zehn der elf Titel für das neue Album von Enno Bunger mitgeschrieben. Quelle: Meinhard

Das klingt nach Tiefe, nach anderen Welten

Als Support stellen sich Sarah und Julian Muldoon dem Göttinger Publikum vor. Die Musik dieses Geschwisterpaares lebt von Sarahs Gesang. Man sucht beim Hören nach Vergleichbarem. Lou Reed fällt einem da ein. Ist es aber nicht. Irgendwie auch Sade Adu. Ist es aber nicht. Es ist Sarah Muldoon, ganz eigen, ganz selbst. Und das ist gut. Das klingt nach Tiefe, nach Sehnsucht, nach anderen Welten. Bitte mehr davon.

Sympathien für Göttinger Antifa

Der gebürtige Ostfriese Enno Bunger (geboren am 27. November 1986 in Leer) war privat mehrfach in Göttingen. Sein Bruder hat in der alten Universitätsstadt studiert. Bunger äußerte bei seinem Konzert im Kulturzentrum Musa Sympathien für die Göttinger Antifa. Diese Menschen würden dorthin schauen, wo andere wegsehen, sagte er.

Enno Bunger ist nicht nur der Name des Liedschreibers, Sängers, Komponisten und Pianisten, sondern auch der für die ihn begleitende und unterstützende Band.

Charakteristisches Merkmal der Lieder von Enno Bunger sind melancholische Texte, musikalisch zeichnen sie sich durch eine Mixtur aus Indie, Pop, Folk, Electronica und Rap aus. Der Sound wird durch das Klavier maßgeblich geprägt, heißt es auf Wikipedia.

Bisher sind folgende Alben erschienen: 2010: „Ein bisschen Herz“, 2012 „Wir sind vorbei“, 2015 „Flüssiges Gold“ und 2019 „Was berührt, das bleibt“.

Von Ulrich Meinhard

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