Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Ensemble „Corda e Vento“ spielt Telemann
Nachrichten Kultur Regional Ensemble „Corda e Vento“ spielt Telemann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:02 29.05.2017
Quelle: Pförtner (Archiv)
Anzeige
Göttingen

Telemann war zu seinen Lebzeiten einer der berühmtesten Komponisten und Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. In den mehr als 70 Jahren seines fast unerschöpflichen kompositorischen Schaffens hinterließ der gebürtige Magdeburger ein herausragendes Lebenswerk, das vom Barock bis in die Frühklassik reicht.

In verschiedenen Formen, als Solo-Fantasie, Duo, Trio-Sonate und Suite präsentiert das Ensemble so abwechslungsreich wie unterhaltsam in Ausschnitten die Vielfältigkeit Telemanns. Elegant und getragen eröffnet das Ensemble – Elke Hardegen-Düker und Stefan Möhle an den Blockflöten, Andreas Düker an der Theorbe (Basslaute) – mit der Trio-Sonate d-Moll, TWV 42:d7 das Konzert.

Zwischen den Werken führt Möhle die etwa 50 Gäste mit autobiografischen Texten durch Telemanns Leben. Schon früh zeigte dieser musikalisches Talent, begann mit zehn Jahren die ersten Stücke zu komponieren und mit zwölf Jahren schrieb er bereits seine erste Oper. Fast wäre das musikalische Wunderkind und später der jugendliche Komponist während seiner Lebensstationen in Magdeburg, Zellerfeld und Hildesheim an der musikalischen Laufbahn gehindert worden.

Geschichten, erzählt mit Instrumenten

Auch in Leipzig „stand diese Laufbahn noch auf Messers Schneide“, so Möhle. Nur durch glückliche Umstände wendete sich das Blatt. In Hamburg hatte Telemann schließlich als Musikdirektor eines der höchsten musikalischen Ämter im deutschsprachigen Raum inne. Bei einer kaum endenden Auflistung der Werke nach Gattungen zeigte sich die außerordentliche Produktivität des Musiker, der mehr als 3500 Werke hinterließ.

Harmonisch im Zusammenspiel stellte das Trio einfühlsam und souverän eine Auswahl von acht Werken vor. Mal sehnsuchtsvoll und lieblich, mal kapriziös, hier silbrig hüpfend, dort abgeklärt, verspielt oder drängend lassen Hardegen-Düker und Möhle mit ihren Blockflöten ständig wechselnde Klangfarben erklingen, entführen in Räume, erzählen mit ihren Instrumenten Geschichten. Im Duo g-Moll, TWV 40:102 scheinen sich ihre Flötenklänge gar zu umarmen und regelrecht zu verschmelzen. Wie zwei Teile, die erst gemeinsam ein Ganzes ergeben.

Temporeich und deutlich hörbar

Einen wunderbaren Schlusspunkt setzt das Trio mit dem vom polnischen Volksmusikstil inspirierten Concerto e-Moll, TWV 52:e1, das sehr reizvoll und vielschichtig für sich einnimmt. Düker, der im Zusammenspiel während des zweistündigen Konzerts eher mit gelassener Präsenz und als zurückgenommene Konstante mit der Basslaute seinen Ensemble-Partnern den nötigen Raum gibt, drängt nun doch noch temporeich und deutlich hörbar mit seinem langhalsigen Instrument musikalisch nach vorne.

Mit großem Beifall und vielen strahlenden Gesichter endet der Abend. Und das Trio bedankt sich mit einer Zugabe. Ulla Borchard, stellvertretend für die Initiative Torhaus, verwies bei der Begrüßung auf den Plan, das Musikprogramm in der Torhaus-Galerie zu erweitern. Das Telemann-Konzert sei „so etwas wie die Generalprobe“.

Von Karola Hoffmann