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Regional Ensemble Sollazzo präsentiert in Duderstadt Trecento-Musik
Nachrichten Kultur Regional Ensemble Sollazzo präsentiert in Duderstadt Trecento-Musik
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00:18 02.12.2017
Sollazzo-Ensemble in der Liebfrauenkirche in Duderstadt. Von links: Yukie Sato, Roger Helou, Anna Danilevskaia, Perrine Devillers, Vincent Kibildis, Vivien Simon und Sophia Danilevskaia.
Sollazzo-Ensemble in der Liebfrauenkirche in Duderstadt. Von links: Yukie Sato, Roger Helou, Anna Danilevskaia, Perrine Devillers, Vincent Kibildis, Vivien Simon und Sophia Danilevskaia. Quelle: Michael Schäfer
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Duderstadt

Das italienische Wort sollazzo bedeutet Amüsement oder Vergnügen. Den Anspruch, den sie mit diesem Namen erheben, lösen die jungen Musikerinnen und Musiker dieses siebenköpfigen Ensembles sehr wohl ein. Vor drei Jahren haben sie sich an der Schola cantorum Basiliensis zusammengefunden, einer der renommiertesten Ausbildungsstätten für Alte Musik weltweit. In einem einwöchigen Studienaufenthalt haben sie in Duderstadt ein Programm mit Musik des 14. Jahrhunderts aus Florenz erarbeitet. Finanziert wird diese Aktion aus Mitteln des europäischen Studienprogramms „eeemerging“, dem auch die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen angehören. Bereits zum dritten Mal ist Sollazzo mit diesem Stipendium ausgezeichnet worden.

Gründerin und Leiterin von Sollazzo ist die aus Russland stammende, in Frankreich aufgewachsene Fiedel-Spielerin Anna Danilevskaia. Ihr steht ihre Schwester Sophia Danilevskaia an der zweiten Fiedel zur Seite, dazu Vincent Kibildis an der kleinen mittelalterlichen Harfe und Roger Helou am Organetto, einer Mini-Orgel, die sich der Spieler auf den Schoß stellen kann. Komplettiert wird das Ensemble durch drei Gesangssolisten: die Sopranistinnen Perrine Devillers und Yukio Sato sowie den Tenor Vivien Simon. Was vor allem begeisterte, war die perfekte Intonation und die unglaubliche Leichtigkeit der drei Vokalisten, denen aber die Kunst der vier Instrumentalisten in keiner Weise nachstand.

Wer da geglaubt hatte, so uralte Musik müsse doch irgendwie primitiver sein als die hochentwickelte Kunst der Gegenwart, wurde im Nu eines Besseren belehrt. Höchst kunstvoll sind die Stimmen ineinander verschlungen, reich ausgeziert mit kleinen melodischen Löckchen. Sie imitieren einander, treten in einen lebhaften Dialog, sind bisweilen geradezu quirlig in ihrer Virtuosität. Darüber hinaus ist das Zusammenspiel der Musiker aufs Allerfeinste abgestimmt. Für den Hörer von heute ist es übrigens spannend zu erleben, wie diese Stücke nicht mit den gewohnten „neumodischen“ Schlussakkorden in Dur oder Moll enden, sondern mit einem farbneutralen Akkord ohne Terz, der nur aus Grundton, Quinte und Oktave besteht. So münden die Sätze alle in einen ganz reinen, klaren Klang.

Die Namen der Komponisten kannte sicherlich keiner der Zuhörer. Ohnehin sind von Musikern wie Paolo da Firenze, Giovanni da Firenze oder Francesco degli Organi kaum biografische Einzelheiten bekannt. Von Paolo weiß man wenigstens, dass er wahrscheinlich Benediktinermönch war. Doch Näheres ist nicht zu ermitteln, „nicht zuletzt wegen der großen Anzahl Mönche und Äbte mit Vornamen Paolo in den Dokumenten der Zeit“, wie es in einer aktuellen Musikenzyklopädie heißt.

Das Programm des Werkstattkonzerts gab einen spannenden Einblick in die hochentwickelte, verfeinerte Kultur der Stadt Florenz im 14. Jahrhundert, der Blütezeit des Humanismus. Die Italiener nennen dieses Zeitalter das Trecento. Sollazzo versetzte die Zuhörer in eine wunderbare ferne Welt, zeigte ihnen ein Stück vom Glanz, der musikalischen Delikatesse und Finesse des Trecento.

CD-Tipp

Vor vier Wochen ist die erste CD des Ensembles Sollazzo erschienen: „Parle qui veut“ mit Liedern des Mittelalters von Niccolò da Perugia, Paolo da Firenze, Francesco Landini, Johannes Ciconia und anderen (Linn Records LC 11615)

Von Michael Schäfer

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