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Regional Erich Sidler: „Normierte Prozesse aufbrechen“
Nachrichten Kultur Regional Erich Sidler: „Normierte Prozesse aufbrechen“
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19:38 05.03.2013
Gegen Theaterfusion: Erich Sidler vor dem Deutschen Theater Göttingen.
Gegen Theaterfusion: Erich Sidler vor dem Deutschen Theater Göttingen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Regisseure und Schauspieler brauchten über das starre Korsett von sechs- oder achtwöchigen Probenprozessen hinaus „einen Raum, in dem sie sich begegnen können“. Bereits in Bern seien unter seiner Leitung Theaterabende entstanden, an denen in mehreren verschiedenen Arbeiten zu einem bestimmten Thema die unterschiedlichsten Ansätze gezeigt worden seien.

„Dieses Format interessiert mich sehr, weil die Formenvielfalt, die dann möglich wird, groß ist“, sagte Sidler.  Ferner könne er so auch Produktionen zeigen, die durch die sehr starke Normierung der Prozesse am Deutschen Theater bisher nicht möglich seien, „zum Beispiel eine Serie oder eine 24-Stunden-Theater-Aktion“.

Mit diesen neuen Formaten will Sidler, der sein Amt im Sommer 2014 antritt, keinesfalls ausschließlich das junge Publikum ansprechen. Er wünsche sich, „dass auch ein gestandeneres Publikum“ diese neuen Formen für sich entdecke. „In Bern war es für mich das Schönste, dass das Theater für die Stadt und die Region da war und ein heterogenes Publikum hatte.“

Gegen eine Verschmelzung von DT und JT

Das Theater sei „der letzte Ort in unserer Gesellschaft, an dem unterschiedlichste Menschen zusammenkommen, um miteinander über viele Dinge zu sprechen“, sagte Sidler. Dieser Gedanke erscheine ihm in einer Gesellschaft, in der gerade durch die neuen Medien eine große Separierung stattgefunden habe, „sehr, sehr wichtig“.

Im Streit um die Fortführung des Jungen Theaters (JT) sprach sich Sidler gegen eine Verschmelzung der beiden Göttinger Theaterhäuser aus, bei der das JT als eigenständige Marke völlig verschwinden könnte. „Das Label des Jungen Theaters ist einfach zu bedeutend innerhalb der deutschen Theaterlandschaft, um es jetzt aufzugeben“, sagte er.

Sidler kann sich aber eine andere Konzeption für das JT vorstellen. Durch angehende Regisseure, etwa aus Berlin und Hamburg, „könnte das Junge Theater zum Laboratorium werden, indem die nächste Generation Theatermacher ihre Ästhetik entwickelt“.

dapd